Kommentar Trump feuert Tillerson

Organisiertes Chaos

Rex Tillerson muss sein Amt als Außenminister verlassen. Das verdeutlicht nur wieder einmal, dass Donald Trump alles allein entscheiden möchte.

Donald Trump spricht zu Journalisten, bevor er nach Kalifornien fliegt, wo er die Prototypen für seine Grenzmauer besichtigen wird

Mag sein Chaos gern gut sortiert: US-Präsident Donald Trump Foto: dpa

Wenige Tage nachdem Wirtschaftsberater Gary Cohn seinen Hut nahm, hat US-Präsiden Donald Trump jetzt seinen Außenminister Rex Tillerson gefeuert. Beides spricht nicht nur von der absolut vertikalen Organisation der Regierungsspitze, an der der Chef allein entscheidet. Sondern auch über das organisierte Chaos, das Trump goutiert und das seine Macht vergrößert.

Bei den jüngsten Abgängen aus der US-Spitze kommt hinzu, dass mit den beiden Männern zugleich die beiden obersten Repräsentanten von zwei wirtschaftlichen Giganten aus der Regierung verschwinden: Wall Street und die Ölindustrie.

Es gibt keinen Anlass, Tillerson hinterherzuweinen. Er war als Außenminister schwach, ineffizient und bei entscheidenden Fragen abwesend. Und er hat sein Ministerium auf eine Art ausgehöhlt und ausgehungert, die langfristige Folgen hinterlassen wird. Er hat qualifizierte langjährige Diplomaten aus der Regierung gedrängt, hat Spitzenpositionen und Positionen verwaist gelassen und es bis heute nicht geschafft, Botschaftsposten in wichtigen alliierten Staaten zu besetzten – darunter Südkorea, Saudi-Arabien und Deutschland. All das ist nicht Diplomatie, sondern diplomatisches Versagen.

Nach der Entlassung von Außenminister Rex Tillerson hat US-Präsident Donald Trump einen der ranghöchsten Mitarbeiter des State Department gefeuert: Staatssekretär Steve Goldstein wurde am Dienstag entlassen, wie er gegenüber AFP in Washington bestätigte. Goldstein hatte sich zuvor gegenüber Journalisten kritisch über Tillersons Entlassung geäußert. (afp)

Aber immerhin ist Tillerson – und das dürfte sein größtes Problem mit Trump gewesen sein – ein unabhängig denkender Kopf. Er ist ein Mann mit Prinzipien, und er hat das getan, was in normalen Regierungen die Qualität der gemeinsamen Arbeit verbessert: Er hat Trump im Zweifelsfall auch mal widersprochen. Er hat ihm andere Wege vorgeschlagen, die Trump freilich nicht eingeschlagen hat. Stattdessen setzt Trump auf Leute, die bar jeder internationalen Erfahrung sind.

Jetzt ergänzt der US-Präsident seine Laienspielschar um einem Geheimdienstler. Mike Pompeo hat sich im letzten Jahr für die Position „qualifiziert“, weil er Trump immer zur Verfügung stand und weil er ihm nicht widersprochen hat. Für den Iran und andere Brennpunkte der Welt bedeutet das nichts Gutes.

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Kommt aus Köln. Ihre früheren journalistischen Stationen waren Mexiko-Stadt, Berlin und Paris. Seit 2010 ist sie taz-Korrespondentin in den USA. Sie lebt in New York.

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