Kommentar Zentralabitur

Rabes Bewährungsprobe

Das fächerübergreifende, vernetzte Lernen ist anspruchsvoller als stures Faktenlernen für die Prüfung. Trotzdem prescht der Senator vor.

Dieser Senator ist angetreten, um den Schulfrieden zu wahren. Eine gerade erst vor drei Jahren gestartete Reform der Oberstufe so zu bedrängen, wie Rabe es jetzt tut, passt nicht zu diesem Versprechen.

Es gibt noch keine fertige Evaluation über die Profiloberstufe, keine Analyse, die auf Schwächen weist. Im Gegenteil, die Beteiligten und auch die Initiative zur Förderung der Naturwissenschaften scheinen angetan.

Rabe begründete sein Zentralabitur mit einer Alliteration. Das Abitur in Eppendorf müsse das gleiche sein wie in Eidelstedt. In den Zwischenzeilen der Vorwurf, Lehrer machten es den Schülern unterschiedlich leicht. Das ist aber nirgends belegt. Im Gegenteil, das fächerübergreifende, vernetzte Lernen ist anspruchsvoller als stures Faktenlernen für die Prüfung.

Nun ist der Senator inzwischen auch auf bundesweitem Parkett unterwegs. Wähnt sich der neue Kultusminister-Präsident mit seinen Ankündigungen im Wort und will nicht zurück, weil er sich festgelegt hat?

Das ist kein Argument. Es geht um Schüler, die gerade ihre Profile wählten. Rabe sollte allen Schulen erlauben, eigene Aufgaben zu stellen. Das wäre verantwortungsvoll. Den Schulen so ins laufende Geschäft reinzugrätschen, das wäre seinen beiden Vorgängerinnen nicht passiert. Es erinnert an Vorvorvorgänger Rudolf Lange (FDP).

 

Seit 1992 mit Unterbrechung (1995 bis 2000) Redakteurin der taz am Standort Hamburg für Bildung und Soziales.

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