Kommentar Zomia-Umzug

Parteiinternes Polittheater

Wäre Scholz wirklich der große Vorsitzende der Hamburger SPD, bliese er Parteifreund Schreiber den Marsch, und die Bauwagengruppe dürfte in Frieden am Ernst-August-Kanal bleiben.

Die Geschichte um den Bauwagenplatz Zomia - und den Umgang der Sozialdemokratie damit - ist eigentlich filmreif. Offen ist: Würde da ein Satire aufgeführt oder ein Trauerspiel?

Da gibt es einen SPD-Parteichef und Ersten Bürgermeister namens Olaf Scholz, der den Ruf genießt, die flügelschlagenden Genossen im Griff zu haben. Dieser SPD-Chef ist im Zomia-Konflikt seit Monaten abgetaucht. Und lässt den notorischen Bezirksamtschef Mitte, Markus Schreiber, ebenfalls SPD, eine Eskapade nach der anderen vom Zaun brechen.

Die haben einen gewissen Unterhaltungswert - solange sie von den ZomianerInnen ausgebremst werden können. Und dann kommen lustige Statisten aus dem Nichts und frohlocken: Was im Bezirk Mitte nicht geht, ist dafür bei uns im benachbarten Altona möglich - um gleich darauf wieder einzuknicken. Aus dem vermeintlichen Angebot wird plötzlich eine Forderung: Zomia soll vor dem Bezirksfürsten kapitulieren.

Dabei könnte alles so einfach sein, wenn nur der Hauptdarsteller im Rathaus seiner Rolle gerecht würde: Wäre Scholz wirklich der große Vorsitzende der Hamburger SPD, bliese er Parteifreund Schreiber den Marsch, und die Bauwagengruppe dürfte in Frieden am Ernst-August-Kanal bleiben. Das wäre ein schönes Happy End.

.

Jahrgang 1956, Seit 1983 bei der taz – zuerst bei der taz.hamburg und jetzt bei der taz.nord in Hamburg. Ressorts: Polizei, Justiz, Betrieb und Gewerkschaft. Schwerpunkte: Repression, progressive Bewegungen und Widerstand gegen Gentrifizierung

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Wenn Sie Ihren Kommentar nicht finden, klicken Sie bitte hier.

Ihren Kommentar hier eingeben