piwik no script img

Kommentar zum Picknick-Flashmob Braunschweig soll doch froh sein

Gernot Knödler

Kommentar von

Gernot Knödler

Die Stadt kann froh sein, dass sie als Ort für einen Flashmob in Frage kommt. Das ist kostenloses Stadtmarketing.

D ie Braunschweiger Verwaltung will einen Flashmob verhindern - in diesem Fall eine wilde Massen-Grillparty auf dem Schlossplatz. Nur Veranstaltungen, die der historischen und städtebaulichen Bedeutung des Ortes gerecht werden, seien zulässig. Dass die Stadt einer so coolen Veranstaltung Steine in den Weg legt, ist ungeschickt.

Zum einen ist der Schlossplatz nur der Lage nach historisch. Das Schloss ist nur Fassade. 2007 wieder aufgebaut, teilweise unter Verwendung alten Materials, kaschiert es ein Einkaufszentrum. Eine Würde des Ortes zu unterstellen, fällt hier schwer.

Was den Städtebau betrifft, so reißen sich die Planer normalerweise ein Bein aus, um neu gebaute Viertel und Orte zu beleben, sie mit Charme und Charakter zu versehen. Kommen dann Leute, die jenseits eines Einkaufsbummels tatsächlich anfangen, so einen Platz zu nutzen - etwa Skater oder in diesem Fall die Flashmobber - bricht bei den Ordnungsämtern Panik aus.

Nun ist es nicht gerade so, dass landauf landab das Lob Braunschweigs gesungen würde. Die Stadt kann froh sein, dass sie als Ort für einen Flashmob in Frage kommt - und zwar wahrscheinlich nur, weil es heute als schick gilt, an Orten Party zu machen, die dafür auf den ersten Blick als völlig ungeeignet erscheinen. Hier gibt es Standortmarketing kostenlos. Die Stadtoberen sollten das nutzen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Gernot Knödler

Gernot Knödler Hamburg-Redakteur

Mehr zum Thema

4 Kommentare

 / 
  • R
    Rita2

    Komisch das genau am gleichen Tag, 08.08.2009, zur genau gleichen Uhrzeit ganz in der Nähe des Schlossplatzes, eine Veranstaltung mit dem Herrn Bürgermeister von Braunschweig stattfindet..

     

    Diese Veranstaltung ist jedoch geheim, sprich der Öffentlichkeit nicht mitgeteilt worden!

     

    Die geladenen Gäste wollen unter sich bleiben und das gemeine Volk nicht einmal informiert werden!

  • BK
    Bionca Knowless

    Die grösste PR für Braunschweig seit der Einbürgerung Hitlers.

    Andere Städte geben für so was Millionen aus.

  • B
    Boiteltoifel

    Wer schonmal in Braunschweig war wird sich fragen, warum man dort freiwillig picknicken sollte...

  • N
    Nigredo

    Also irgendwie versteh ich das nicht: das Verbot ist Werbung für den Flashmob, heißt es, der Flashmob ist Werbung für die Stadt, heißt es, also sollte man doch davon ausgehen, dass der Verbot entsprechend auch Werbung für die Stadt ist, weil es Werbung für die Werbung ist...?

    Dass es keine Werbung für die CDU/NPD (in Braunschweig) ist, kann der Stadt an sich doch ziemlich egal sein...die beiden Vereine bekleckern sich auch woanders nicht gerade mit Ruhm.