Der niederländische Staatskonzern Tennet warnt vor einem Scheitern deutscher Offshore-Pläne. Er fordert mehr Sicherheiten beim Verkabeln von Windmühlen im Meer.von Hannes Koch

Die Angestellten niederländischer Netzbetreiber freuen sich über zusätzliche Sicherungsleistungen bei deutschen Offshore-Anlagen. Bild: dpa
BERLIN taz | Unternehmen der Windbranche machen Druck auf die Politik, um bessere finanzielle Bedingungen beim Bau von Windparks auf dem Meer herauszuholen. Auch die Bundesnetzagentur weist daraufhin, dass die Beteiligung der Privathaushalte an den Kosten bislang zu gering sei. Würde sich diese Position durchsetzen, stiege der Strompreis für die Verbraucher weiter.
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Derzeit geht der Ausbau der Windparks auf Nord- und Ostsee langsamer voran als erhofft. Ein Grund dafür: Der Netzbetreiber Tennet kann die Kabelanschlüsse der Windparks nicht schnell genug fertigstellen. Das niederländische Staatsunternehmen hat vor Jahren einen Teil des deutschen Hochspannungsnetzes gekauft und ist verpflichtet, Windräder auf See zu verkabeln.
Tennet-Vorstand Lex Hartmann führte die Probleme unter anderem auf eine ungünstige Regelung der Schadenshaftung zurück. Die Bundesregierung bürde den Unternehmen ein zu hohes Risiko für den Fall auf, dass Windparks nicht rechtzeitig angeschlossen würden. Wenn ein Windpark wegen fehlender Leitung keinen Strom liefern kann, muss Tennet künftig bis zu einer Höhe von 100 Millionen Euro haften. So steht es in einem neuen Gesetzentwurf, der am Montag Thema im Wirtschaftsausschuss des Bundestages war.
„So scheitert die Energiewende, die Offshore-Energie stirbt“, sagte Hartmann. Seine Begründung: Wegen der hohen Eigenbeteiligung an der Haftung gelinge es Tennet nicht, weiteres Kapital bei externen Investoren zu mobilisieren. Hartmann dementierte Meldungen über eine Beteiligung des US-Unternehmens Anbaric. Außerdem würden sich die Lieferanten der Netztechnik – Siemens, ABB und Alstom – mit dem Bau der Leitungen zurückhalten. So gerate die Offshore-Windenergie zunehmend in Verzug, so Hartmann. Er kritisiert besonders Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU). Die hatte sich dafür eingesetzt, die Haftungsregeln zu verschärfen und Umwelt- und Wirtschaftsministerium davon überzeugt.
Andere Unternehmen wie Siemens und der Verband der Energiewirtschaft schlossen sich der Tennet-Kritik an. Auch die Bundesnetzagentur sieht Tennet zu stark belastet und will private Stromkunden stärker belasten. Laut Gesetzentwurf sollen die Privathaushalte mit 0,25 Cent pro verbrauchter Kilowattstunde Strom diejenigen Haftungssummen mitfinanzieren, die über die Eigenbeteiligung von Tennet hinausgehen.
„Die Deckelung der Umlage auf 0,25 Cent pro Kilowattstunde ist eindeutig zu gering angesetzt“, heißt es in der Stellungnahme der Netzagentur für die Anhörung. Trotz der Kritik gehen das Umwelt- und Verbraucherministerium nicht davon aus, dass der Gesetzentwurf zugunsten des Netzbetreibers verändert wird.
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Leserkommentare
23.10.2012 17:31 | manfred (60)
@ yberg
23.10.2012 12:14 | Tilo Wolf
Na, hauptsache alles ist privatisiert.
23.10.2012 10:31 | yberg
na,da gibts gültige verträge und wenn die staatsbude tennet die nicht einhält,gibts frist,nachfrist,ersatzvornahme und dann ...