Krawalle in Großbritannien

Cameron verfolgt dich nun auf Twitter

Nach den Krawallen in England kritisiert der Premierminister Online-Netzwerke. Die Polizei nutzt sie indes für ihre Zwecke und die Briten organisieren dort Aufräumarbeiten.von Torsten Kleinz

Schaltet er jetzt alles ab? David Cameron samt Mobilfunkgerät.  Bild:  reuters

"Der freie Informationsfluss kann zum Guten genutzt werden. Aber eben auch zum Bösen". Premierminister David Cameron hat am Donnerstag in einer Ansprache vor dem Parlament klar gemacht, was er von sozialen Netzwerken hält: Wenn Twitter, Facebook oder Blackberry zum Werkzeug von Chaoten werden, dann muss man sie beschneiden.

Doch die Briten scheinen derzeit bemüht, den Ruf dieser Netzwerke zu verbessern. Denn statt Aufruhr anzuzetteln, wird auf den Plattformen derzeit eine Gegenbewegung organisiert. Der Künstler Dan Thompson startete den Twitter-Hashtag #riotcleanup, unter dem Briten Nachrichten zu Aufräum- und Spendenaktionen austauschen. 86.000 Twitter-Nutzer folgen inzwischen dem Account RiotCleanup, die Facebook-Gruppe Let's help London, hat 20.000 Mitglieder.

"Es hat als eine einfache Idee begonnen, entwickelte sich zu einem lauten Gezänk und resultierte schließlich darin, dass Hunderte Freiwilliger im ganzen Land helfen, Schaden zu reparieren und den Glauben in das Zusammenleben wieder zu stärken", heißt es in dem zugehörigen Blog.

Mit Spendenaktionen versuchen Bürger den geplünderte Geschäften zu helfen. So sammelte die Webseite Save Siva's Shop innerhalb kurzer Zeit fast 5.000 Pfund, um den Ladenbetreiber Siva Kandiah in Hackney zu unterstützen, dessen kompletter Warenbestand verwüstet oder gestohlen wurde. Bei einer Sammelaktion für ein ausgebranntes Möbelhaus kamen ebenfalls schnell 5.000 Pfund zusammen. Angesichts von geschätzten Schäden von 200 Millionen Pfund sind dies nur Tropfen auf den heißen Stein. Die Aktionen sollen aber vor allem das Gemeinschaftsgefühl wieder stärken und Solidarität demonstrieren.

 
Fahndung nach Plünderern in sozialen Netzen

Während der ersten Tage der Unruhen dominierte jedoch ein anderes Bild. Statt Schäden zu beseitigen, nutzten viele User die Möglichkeiten des Netzes, um die Beteiligten an den Krawallen zu identifizieren. Auf Webseiten wie Catch a looter wurden Bilder von vermeintlichen Plünderern veröffentlicht mit der Aufforderung, sie bei der Polizei anzuzeigen.

Hier zeigte sich auch die Empörung vieler Briten angesichts von Bildern junger Kapuzenträger, die Kisten mit Flachbildschirmen oder Arme voller Schnapsflaschen durch die Gegend trugen. So wird das Bild einer Jugendlichen, die mit Limonade und Chips aus einem verwüsteten Supermarkt kommt, mit hämischen Kommentaren bedacht: "Du solltest lieber die Weight Watchers ausrauben, Fatty", schreibt ein Nutzer.

Doch mittlerweile hat der Betreiber eingesehen, dass diese Methode nicht die beste Art der Verbrechensbekämpfung ist: "Viele der Fotos, die ich zur Zeit erhalte, können alles mögliche zeigen", heißt es auf der Startseite inzwischen. Nur wenige Tage werde der Betreiber die Bilder online lassen. Statt Verdächtige in sozialen Medien zu benennen, sollten die Bürger Hinweise an die Organisation Crimestoppers geben, die anonyme Hinweise an die Polizei weiterleitet.

Automatische Gesichtserkennung

Andere wollen die Jagd auf Plünderer weiter treiben. So wurde eine Google-Diskussionsgruppe eingerichtet, die es sich zum Ziel machte, die Plünderer mit Gesichtserkennungs-Software automatisch zu identifizieren. Doch nachdem dieser Plan in Blogs und Online-Medien stark kritisiert wurden, sind die Organisatoren auf Tauchstation gegangen und haben die Gruppe für Außenstehende geschlossen.

Unterdessen erprobt die Polizei laut Medienberichten eine Gesichtserkennungssoftware, die für die Olympischen Spiele 2012 in London angeschafft wurde. Wie erfolgreich das Programm angesichts der meist vermummten Randalierer ist, ist allerdings nicht bekannt.

Inzwischen setzt die Polizei auch auf die Kraft sozialer Netze. Sie veröffentlichte auf der Foto-Plattform Flickr Bilder und Videos von Überwachungskameras, die Beteiligte an den Krawallen zeigen. "Während die umfangreichen Ermittlungen voranschreiten, veröffentlichen wir Bilder von Personen, mit denen wir reden möchten", heißt es auf der Seite.

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