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Künstliche Intelligenz und NaturbilderIrgendwas stimmt mit diesen Tälern nicht

Das Berliner Haus am Lützowplatz zeigt die Ausstellung „On Landscape“. Sie untersucht Naturbilder zwischen Romantik, Anthropozän und Künstlicher Intelligenz.

Eine Maschine beschreibt Bilder von Natur und Familien. Die andere gestaltet nach dieser Beschreibung neue Bilder. Das Resultat: meist vage vertraut. Oft austauschbar und formelhaft. Und manchmal richtig gruselig.

Die Künstlerin Ornella Fieres hat für ihr Video „It seems to capture the beauty and majesty of nature“ (2023) Fotos aus einem Familienalbum aus dem 19. Jahrhundert von einer Künstlichen Intelligenz beschreiben lassen. Und diese Beschreibungen dann als Prompts für neue Bildkompositionen von einer anderen Künstlichen Intelligenz genutzt.

Und weil die Künstliche Intelligenz eben doch nicht so intelligent ist, steht da plötzlich eine Familie in den Ästen eines Baums. Und die Wolken über den Bergen sehen aus wie die Berge unter ihnen. Und weil die KI vor drei Jahren, als die Arbeit entstand, noch keine so perfekten, fotorealistischen Videos generieren konnte wie heute, haben die Figuren keine Gesichter. Ihre Hüte schmelzen in ihre Schädel. Und die Landschaft um sie herum ist ein Uncanny Valley.

Die Ausstellung

„On Landscape. Zwischen Eskapismus und Entzauberung“: bis zum 3. Januar, Haus am Lützowplatz, Berlin

Mit dem Begriff „Uncanny Valley“ hat der Robotiker Masahiro Mori ursprünglich den Effekt beschrieben, der eintritt, wenn eine künstliche Figur einem Menschen sehr ähnlich sieht, aber eben nicht ähnlich genug, um vollkommen überzeugend zu wirken. In der Ausstellung „On Landscape“ sind es die Täler, Berge, Wiesen und Wälder, die bei genauerer Betrachtung nicht überzeugen. Gerade aus der Verschiebung zwischen Wiedererkennbarkeit und Fremdheit beziehen viele der Arbeiten ihre Wirkung.

Brennende Eisberge

Denn die Natur ist hier nicht schlichtes Abbild einer vorhandenen Wirklichkeit, sondern oft das statistisch erzeugte Destillat unzähliger Landschaftsbilder. In „Drill Baby Drill“, einem Video des Londoner Kollektivs Troika, dessen Bilder komplett von KI-Generatoren erzeugt wurden, sieht das am Anfang wenigstens noch aus wie ein Desktop-Hintergrund von Windows XP. Aber dann ist da eine Wüstendüne, die sich aus einem vereisten See erhebt. Und irgendwann brennen Eisberge.

Hiroyuki Masuyama hat das Gemälde „Hochgebirge“ von Caspar David Friedrich, das einst zur Sammlung der Berliner Nationalgalerie gehörte, aber 1945 bei einem Fliegerangriff verbrannte, aus Archivaufnahmen des verlorenen Bildes und eigenen Fotos digital rekonstruiert. Und Sven Drühl hat aus Geodaten der Zugspitze und anderer Alpengipfel mit dem 3D-Drucker klobige dreidimensionale Stelen geschaffen.

Die Ausstellung versammelt vierzehn Positionen, die das Genre der Landschaftsmalerei im Spannungsfeld zwischen der gnadenlosen Überformung des Planeten im Anthropozän und der wachsenden Macht des Digitalen, die mit der KI auch die Bildproduktion neu ordnet, wieder aufnehmen. Und das zunächst einmal ohne Kulturpessimismus. Denn die Landschaft war in der Kunst nie neutrales Abbild, sondern stets Konstrukt und Projektionsfläche, Ausdruck von inneren Stimmungen und menschlichen Interventionen.

Was für „Landschaften“ entstehen, wenn dem Hunger nach Energie und Rechenpower freier Lauf gelassen wird, zeigt die Ausstellung allerdings nur in Andeutungen. Zwar ist mit „Resistance, Flood, Fire, Resistance“ (2022/2026) von Beate Gütschow ein Werk vertreten, das die Folgen des Klimawandels und von Waldbränden für eine Landschaft bei Treuenbrietzen in Brandenburg dokumentiert. Zu den Faktoren, die solche Katastrophen begünstigen, mögen auch jene GPU-Cluster gehören, mit deren Hilfe viele Bilder in der Ausstellung entstanden sind.

Allerdings haben Künstler wie Ivar Veermäe einschlägige künstlerische Dokumentationen dieser Form postindustrieller Landschaftsvernichtung geschaffen, die ein Gegengewicht zu den ansehnlichen, großformatigen Werken in der Ausstellung hätten bilden können.

Verblüffenderweise gelingt diesen Bauten – und der Landschaftszerstörung, die mit ihnen einhergeht – in den USA derzeit etwas, was viele andere Zumutungen der zweiten Trump-Administration nicht vermocht haben: Teile der Bevölkerung zu politischem Aktivismus zu bewegen. Gegen den Bau immer neuer Datenzentren, welche die materielle Voraussetzung für digitale Bilder vom Landschaftsgemälde bis zum AI Slop sind, formiert sich Widerstand; in einigen Bundesstaaten wurden Neubauten bereits gesetzlich untersagt.

Um zu sehen, welche Landschaften die KI im physischen Raum hervorbringt, muss man aber gar nicht in die USA fahren: Ein Abstecher zum Vantage Data Center in Ludwigsfelde genügt, um zu sehen, welche materiellen Verheerungen die vermeintlich immaterielle Datenverarbeitung anrichten kann. Ob man reale Landschaften opfern möchte, um künstliche zu erzeugen – darüber kann man sich nach dem Besuch dieser anregenden Ausstellung ja noch einmal Gedanken machen.

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