Landesmedienanstalt Sachsen-Anhalt: Ein charmanter Hang zum Rechtspopulismus
Sachsen-Anhalts Landesmedienanstalt lädt rechte Kritiker zum Gespräch ein. Preise gingen aber an alternative Medien, denen die AfD an den Kragen will.
Foto: Hendrik Schmidt/picture alliance
V ier Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hatte die Landesmedienanstalt Sachsen-Anhalt (MSA) zum „Halleschen Mediengespräch“ eingeladen. Unter dem Titel „Meinung, Macht und Medien“ wurde zum Thema „Wie plural ist der öffentliche Diskurs?“ diskutiert. Nach Teilnehmerberichten war es mit der Debatte allerdings nicht so weit her. Jedenfalls war schon eine Stunde früher Schluss als geplant.
Das könnte auch am Panel gelegen haben, das sich hier auf Einladung der MSA versammelt hatte. Zur traditionell nichtöffentlichen Veranstaltung der Medienversammlung waren nämlich der eben erst von Springers Berliner Boulevardschleuder B. Z. zu Julian Reichelts Krawallmaschine Nius übergelaufene Gunnar Schupelius, ARD- und ZDF-Grundsatzkritiker Aleksander Teske, plus der Ostdeutsche-Allgemeine- und Berliner-Zeitung-Verleger Holger Friedrich eingeladen.
Weil das noch nicht plural genug war, hatte die MSA auch noch „Klar“-Moderatorin Julia Ruhs angefragt, die aber genauso wenig konnte wie am Ende Schupelius, der von Nius-Politikchef Ralf Schuler vertreten wurde.
Nun ist bei der öffentlich-rechtlichen und aus dem Rundfunkbeitrag finanzierten sachsen-anhaltischen Landesmedienanstalt und ihrem Direktor Martin Heine ein charmanter Hang zum Rechtspopulismus nicht ganz neu. Von AfD-Nähe verbietet es sich allerdings trotz der Nähe zum Wahltag zu sprechen, schließlich ist die MSA total staatsfern und Heine in der CDU.
Mehr noch, Heine ist sogar Ortsbürgermeister von Seehausen, Stadtrat der Gemeinde Wanzleben-Börde und wegen seines unbefristeten Arbeitsvertrags de facto auf Lebenszeit zum MSA-Direktor verdammt. Wobei ihm das sichtlich großen Spaß macht, weil er so immer wieder gegen die von ihm nicht so geschätzte Wokeness vorgehen kann.
Preis für Radio Corax
Die „Wokeness“ meldete sich noch in der gleichen Woche beim Bürgermedienpreis der MSA zurück. Das Gespräch konterkarrierte aufs Schönste die Intention des Mediendialogs mit seiner rechtspopulistischen Schlagseite. In der Kategorie „Bester Beitrag Erwachsene Hörfunk“ ging der erste Preis an Konstantin Weber für einen Beitrag bei Radio Corax. In der Kategorie „Bester Beitrag Nachwuchs Hörfunk“ wurde die Jugendredaktion des inklusiven Radioprojekts „IrreLeicht“ ausgezeichnet. Es läuft – bei Radio Corax.
Und bekanntlich will die AfD genau diesem nichtkommerziellen Radio Corax wie anderen zivilgesellschaftlichen Institutionen und allem Queeren an den Kragen.
Weshalb der Sonderpreis „Europa bewegt – Deine Perspektive, Dein Beitrag“ beruhigenderweise an die BRaVE-Redaktion des Offenen Kanals Wernigerode für die Sendung „Europa medial erleben – QueerRights Now“ ging. Vergeben wird der Preis übrigens von einer unabhängigen Jury, die etwas pluraler als der Hallesche Mediendiskurs zusammengesetzt war.
Die Zivilgesellschaft in Sachsen-Anhalt ist also höchst lebendig. Und das kann nicht mal die MSA ignorieren. „Was aber nützen die Preise, wenn nach dem AfD-Sieg die Gefahr droht, dass die Fördermittel der MSA gestrichen werden“, fragt die Mitbewohnerin.
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