Leere Gebäude trotz Wohnungsmangels

Für Makler oder Wohnungslose

Auf der Internetseite leerstandsmelder.de können jetzt auch ungenutzte Häuser in Bremen eingetragen werden. Für Hamburg geht das seit 2010 - mit Erfolg.

Steht leer: Das ehemalige Hochhaus der Bundeswehr in Bremen. Bild: Autnonomes Architektur Atelier

BREMEN taz | In Bremen sind leerstehende Gebäude meist keine schmucken Altbau-Ensembles wie das Hamburger Gängeviertel. Das wurde 2009 von KünstlerInnen besetzt und ist mittlerweile ein Touristenmagnet. Doch auch die Bremer Innenstadt bietet für HausbesetzerInnen ein paar Attraktionen: ein verlassenes Bundeswehr-Hochhaus, einen Telekom-Turm oder das backsteinrote Postgebäude am Hauptbahnhof. Die ungenutzten Gebäude können auf der Website http://www.leerstandsmelder.deleerstandsmelder.de seit Mittwoch auch für Bremen eingetragen werden. 80 sind es bereits.

Nach Frankfurt wurde damit die dritte Stadt in das Portal integriert. Geboren wurde die Idee einst von den AktivistInnen des Gängeviertels. Ende 2010 gingen sie mit der spendenfinanzierten Website online.

"Etwa 700 NutzerInnen haben alleine für Hamburg derzeit über 550 Meldungen eingestellt", sagt Michael Ziehl, der die Website mitentwickelt hat.

Auf einer Karte zeigen rote Marker den Standort, Kommentare erlauben Vermutungen darüber, seit wann und warum eine Immobilie nicht mehr genutzt wird: Wegen Erbschaftsstreitigkeiten, Grundstück-Spekulation oder fehlgeschlagener Renovierung.

Für die Bremer Stadtentwickler des Autonomen Architektur Ateliers (AAA) sind leere Gebäude eine "verschenkte Ressource für die ganze Stadtgesellschaft". Für Bremen haben sie deshalb die Betreuung der Website übernommen.

Dass der Leerstandsmelder in Hamburg so erfolgreich ist, liege an dem Wohnungsmangel, sagt Sylvia Sonnemann vom Verein "Mieter Helfen Mietern": "Mindestens 30.000 Wohnungen fehlen. Dann leerstehende Gebäude zu sehen, ist einfach super ärgerlich." Bei Büroflächen sollen es über eine Million an ungenutzten Quadratmetern sein. Diese zu Wohnungen umzubauen, sei zwar nicht einfach.

Aber: "Den Leerstand zu dokumentieren, stellt zumindest den Neubau von Büros in Frage", so Sonnemann. Von der SPD werde das Problem mittlerweile erkannt. Das Hamburger Wohnraumschutzgesetz soll verschärft werden, der Leerstand von Wohnungen, der bereits jetzt nicht für länger als ein halbes Jahr erlaubt ist, effektiver kontrolliert werden. "Das ist auch ein Erfolg des Leerstandsmelders", sagt Sonnemann.

So knapp wie in Hamburg ist in Bremen der Wohnraum noch nicht, obgleich die Mieten in der Innenstadt steigen. Wie es aber mit dem Leerstand aussieht, das solle über den Leerstandsmelder überhaupt erst rausgefunden werden, sagt Daniel Schnier vom AAA. "Wir sind neugierig." Denn eine zentrale Stelle, die zeitnah Informationen über ungenutzte Gebäude sammelt, gibt es in Bremen bislang nicht.

"Dabei werden leere Immobilien in den Städten zu einem immer wichtigeren Thema", sagt der Website-Mitbegründer Ziehl. "Sie haben einen Wert als kulturelle, soziale Nutzflächen." Hoheitliche Planungsinstrumente" aber seien in erster Linie auf Wachstum und Neubauten ausgerichtet. "Mancherorts werden dadurch die letzten freien Flächen bebaut und versiegelt", so Ziehl.

Ob online eingestellte leere Bauten nun besetzt, gemietet oder zwischengenutzt werden, das bliebe der Initiative der NutzerInnen überlassen. "Wohnungslose könnten sich genauso informieren wie Wohnungsmakler", sagt Schnier. "Wichtig ist es, die Potenziale aufzuzeigen."

.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de