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Ist das zu viel Nachspielzeit?

Bei der Fußball-WM 2018 gibt es oft lange Nachspielzeiten. Wie gerecht ist das?

Jemand hält eine Nachspiel-Tafel hoch, auf der eine Sechs steht

6 Minuten Nachspielzeit sind bei dieser WM normal Foto: imago/Norbert Schmidt

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Bei der WM 2018 ist eine Sache sehr auffällig:

Es gibt bei den Fußball-Spielen besonders viel Nachspielzeit.

Die Spiele dauern manchmal bis zu 9 Minuten länger.

Unsere 2 taz-Autoren haben zur Nachspielzeit

sehr verschiedene Meinungen.

taz-Autor Jaris Lanzendörfer findet:

Nachspielzeit macht das Spiel gerechter!

Und taz-Autorin Doris Akrap findet:

Nachspielzeit ist was für Langweiler!

Aber was ist die Nachspielzeit eigentlich?

Die Regeln dazu lauten so:

Das Fußball-Spiel dauert normalerweise 90 Minuten.

Doch oft werden Fußball-Spiele zwischendurch unterbrochen.

Zum Beispiel:

• wenn sich ein Spieler verletzt

• wenn ein Spieler ausgewechselt wird

In diesen Momenten unterbricht der Schiedsrichter das Spiel.

Es geht also Zeit verloren.

Die Zeit wird am Spiel-Ende nachgeholt.

Das Spiel dauert dann ein paar Minuten länger.

Das nennt man Nachspielzeit.

Der Schiedsrichter entscheidet,

wie viel Nachspielzeit es gibt.

taz-Autor Jaris Lanzendörfer findet:

Nachspielzeit macht das Spiel gerechter!

Er nennt ein Beispiel:

2 Fußball-Mannschaften spielen gegeneinander.

Wir nennen sie hier Mannschaft A und Mannschaft B.

Das Spiel ist bald zu Ende

und Mannschaft A führt gegen Mannschaft B.

Mannschaft A hat also gute Chancen auf den Sieg.

Dann passiert bei Fußball-Spielen oft dasselbe.

Damit Mannschaft A ihre Führung behält,

arbeitet sie nun mit einen Trick:

Sie verschwendet absichtlich Zeit.

Das macht Mannschaft A zum Beispiel so:

• Sie spielt langsamer bei Einwürfen,

Eckbällen und Abstößen vorm Tor.

• Sie wechselt öfter Spieler aus.

• Oder sie täuscht Verletzungen vor.

Das alles unterbricht das Spiel.

Und das alles verbraucht viel Spielzeit.

Diese Spielzeit fehlt Mannschaft B,

um Tore zu schießen und den Rückstand aufzuholen.

Jaris Lanzendörfer findet:

Solche Verschwendungen von Spielzeit gibt es bei der WM öfter.

Die verschwendete Zeit muss nachgeholt werden.

Mehr Nachspielzeit ist deshalb gerecht!

Die Mannschaft im Rückstand kann

in der Nachspielzeit noch Tore schießen.

Bei der WM gab es in der Nachspielzeit einige wichtige Tore.

Zum Beispiel beim Spiel Deutschland gegen Schweden.

Hier schoss der deutsche Spieler Toni Kroos

das entscheidende Tor erst in der 95. Minute.

Hier ist ein Foto von dem Tor:

Toni Kroos schießt einen Fußball, ein anderer deutscher Spieler steht neben ihm

Foto: dpa

Oder beim Spiel England gegen Tunesien.

Hier schoss der englische Spieler Harry Kane

das entscheidende Tor erst in der 91. Minute.

Hier ist ein Foto von dem Tor:

Harry Kane schießt einen Ball ins Tor, viele Spieler stehen drumherum

Foto: dpa

taz-Autorin Doris Akrap findet:

Nachspielzeit ist was für Langweiler!

Sie sagt:

Zeit zu verschwenden ist in Ordnung.

Auch im Fußball.

Auch Fußball-Spieler dürfen im Spiel mal trödeln.

Sie dürfen mal durch die Gegend gucken.

Sie dürfen sich mal Zeit für den Einwurf oder Freistoß lassen.

Sie müssen nicht die ganzen 90 Minuten laufen.

Kleine Verschnauf-Pausen sind wichtig,

denn Fußball-Spieler sind schließlich keine Roboter.

Kurz gesagt:

Die Nachspielzeit passt nicht zum Fußball.

Denn beim Fußball geht es nicht nur darum

jeden Moment von der Spielzeit optimal zu nutzen.

Wer will so eine Fußball-WM sehen?

So eine Fußball-WM wäre total öde.

Beim Fußball geht es um etwas anderes:

Es geht um Einsatz!

Es geht um Leidenschaft!

Und ja, manchmal klaut eine Mannschaft

einer anderen Mannschaft dabei die Zeit.

Aber so ist Fußball eben:

Einer gewinnt, einer verliert.

Und es gibt immer noch den Schiedsrichter.

Er kann einschreiten.

Er kann pfeifen bei langsamen Auswechslungen

und vorgetäuschten Verletzungen.

Und er muss schon im Spiel handeln!

Anstatt alles auf die Nachspielzeit zu verschieben.

Original-Text: Jaris Lanzendörfer, Doris Akrap

Übersetzung: Christine Stöckel

Prüfung: capito Berlin, Büro für barrierefreie Information

Ein Text vom: 29. Juni 2018

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