Twitter spottet, die Piraten zeigen sich staatstragend und IGEL ist noch im Winterschlaf: So wird im Internet die Entscheidung zum LSR aufgenommen.von Michael Brake

Alles Keese: Abmahnwache vorm Brandenburger Tor. Bild: netzpolitik.org / CC-Lizenz: BY-SA 2.0
Ganz Twitter ist gegen das heute im Bundestag verabschiedete Leistungsschutzrecht. Beziehungsweise gegen das, was von ihm über ist. Ganz Twitter? Nein: Ein kleiner unbeugsamer Konzerngeschäftsführer „Public Affairs“ findet es klasse.
Das beschlossene #LSR bildet einen guten Rechtsrahmen für Journalismus im Netz. Es ist besser und wirkungsvoller, als Kritiker vermuten
— Christoph Keese (@ChristophKeese) 1. März 2013
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Okay, das ist wenig überraschend, immerhin ist Christoph Keese eine der treibenden Kräfte für das Leistungsschutzrecht, das Verlagen wie Keeses Arbeitsgeber Axel Springer die Zillionen zurückgeben soll, die Google ihnen weggenommen hat. Fast alle anderen Tweets zum Thema sind ablehnend, viele arbeiten mit Spot.
@christophkeese Dem kann ich nur zustimmten und Zigaretten sind gut für das Wachstum von Kindern.
— Christian Blab (@christianblab) 1. März 2013
Wenn das LSR da ist, abonniere ich mir wieder eine Zeitung!BWAHAHAHAHAHAHA!Kleiner Scherz…
— Holger Klein (@holgi) 1. März 2013
Erst verschmutzen sie das Web mit vollkommen überfrachteten RSS Feeds samt Werbung und Filmchen und jetzt wollen sie Geld dafür? #lsr
— Bernhard Schulte (@dozykraut) 1. März 2013
Andere mit Kritik.
»Okay, wir lassen Google in Ruhe?« - »Richtig, die sind zu groß für uns.« - »Aber den Rest vom Netz machen wir kaputt?« - »Bingo!« #LSR
— Stefan · Klagefall (@klagefall) 1. März 2013
Die Heulsusen vom DJV sind nurgegen das #LSR weil die Größe ihres Kuchenstücks nicht definiert ist. Ekelhaft. djv.de/startseite/pro…
— Mario Sixtus (@sixtus) 28. Februar 2013
Leistungsschutzrecht: Verlage sind jetzt offiziell Subventionsruienen, in einer Reihe mit Steinkohle, Atomkraft und #s21
— Joerg Blumtritt (@jbenno) 1. März 2013
Und viele Menschen – auch Fefe – zeigen ihr Unverständnis über die vielen fehlenden Oppositionsabgeordneten. Von SPD, Linkspartei und Grünen fehlten mehr Parlamentarier als der Stimmenvorsprung für das LSR (vergleich auch diese Spiegel-Online-Grafik). Wenngleich @Isarmatrose darauf eine Antwort weiß.
Also korrekt hieße es ja, mit vollzähliger Opposition + eingehaltener Fraktionsdisziplin wäre das blöde #LSR verhindert worden. Nur mal so.
— Julia (@ynedra) 1. März 2013
Bei Anwesenheit aller Oppositions-MdBs hätte das Leistungsschutzrecht keine Mehrheit gehabt #lsr bit.ly/YOgevJ
— Marcel Weiss (@marcelweiss) 1. März 2013
Wenn die Opposition komplett anwesend gewesen wäre, wärs auch die Koa. Es hätte nicht gereicht. Warum? Weil ihr 2009 so gewählt habt! #LSR
— Isarmatrose (@Isarmatrose) 1. März 2013
@vinzv hat derweil eine Host-Liste gebaut, mit der sich … aber lest selbst.
Hier, eine hosts-Liste um die #LSR Verlage komplett zu blockieren: files.vinzv.de/lsr-hosts
— vinzv (@vinzv) 1. März 2013
Und über den eigentlichen Sinn und Zweck des Leistungsschutzrechts wird auch gemutmaßt.
Das Leistungsschutzrecht soll dafür sorgen das die #piraten ins Parlament kommen oder? #lsr
— Andreas Krämer (@Housetier84) 1. März 2013
Überhaupt, die Piratenpartei. Auf ihrer Website sprechen sie von einer Katastrophe. Und auch auf Twitter verdienen sie sich den Seriositätspreis.
Der Bundestag stimmt gerade über das #LSR ab. Ein traurig-historischer Tiefpunkt deutscher Netzpolitik.
— Piratenpartei (@Piratenpartei) 1. März 2013
Einmal staatstragend sein, das ist doch auch mal schön. Okay, später kam dann noch eine Reaktion. Doch nicht so staatstragend. Auch Piratenmitglied Marcel-André Casasola Merkle hat die wichtigsten Pressekommentare zum Thema zusammengetragen.
Das Schlimme am #LSR ist, dass ***** *** ******* ***** ***** ********** **** ****** Internet **** ****** *** ******* ****** ********** wird.
— Piratenpartei (@Piratenpartei) 1. März 2013
Und sonst so? Netzpolitik.org versorgt seine Leser mit einem launig-detaillierten Love-, äh, Live-Blog („Er hat Snipplets gesagt“) und mit Fotos von der Abmahnwache vor dem Brandenburger Tor am Freitagmorgen. Mario Sixtus freut sich über LSR Pacman, das ein netzberühmt gewordenes Zitat von ihm – „Mit der gleichen Logik könnte ein Restaurantbesitzer von Taxifahrern Geld verlangen, die ihm Gäste bringen“ – zum Browsergame macht.
Thomas Knüwer schimpft auf indiskretionehrensache.de: „Weiterhin bleibt Deutschland die rückständigste, westliche Nation im Bereich Digital“ und fordert die Menschen im Netz auf, konsequenterweise gar nicht mehr auf Verlagsinhalte zu verlinken. Er selbst macht das schon länger. Gar nichts Aktuelles findet sich hingegen auf der Seite von IGEL, der Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht. Wurde man da von dem Bundestagsvotum überrascht? Hat man nicht Google News gelesen? Aber Igel sind ja manchmal etwas langsam.
Auf Rivva, als Social-News-Site direkt vom LSR betroffen, zeigt man sich in einem Blogeintrag erleichtert über den unscharfen Gesetzeswortlaut „… es sei denn, es handelt sich um einzelne Wörter oder kleinste Textausschnitte“: „Bis zum Dienstag (…) hatte ich noch befürchtet, ein weiteres meiner sieben digitalen Leben stünde auf dem Spiel oder dass gar all die sechs Jahre Arbeit für die Katz gewesen sein könnten. Mit dem heute vom Bundestag verabschiedeten Gesetzestext jedoch werde ich wohl leben können resp. müssen.“
Auf Snippets will Rivva aus Rechtssicherheitsgründen aber dennoch erstmal verzichten und begrenzt die Länge der Vorschautexte auf 160 Zeichen. Hm. Das ist jetzt ein trauriges Ende dieses Textes. Dann lieber noch ein wenig Twitter-Spott.
Deutschland, der Waldorfschüler im Netz, der sich beim Namen tanzen beide Beine bricht. #LSR
— eightyfoursix (@eightyfoursix) 1. März 2013
7 Fakten zum #lsr: »Wahrscheinlich… unklar…kann im Moment niemand absehen… nicht ausgeschlossen…Auslegungssache…Raum für Interpretationen…«
— drayenim (@drayenim) 1. März 2013
I’m a #LSR, baby, / so why don’t you kill me.
— booldog (@booldog) 1. März 2013
Dem ist nichts hinzuzufügen.
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Leserkommentare
04.03.2013 10:15 | FranKee (Pirat)
Gut dass Zypries, pardon Leutheusser gerade auch das Armenrecht alias Prozesskostenhilfe drastisch einschränkt (die Taz ber ...
03.03.2013 11:34 | Hunter-08
Wenn der Abmahn-Tsunamie euch trifft, rennt ihr Spötter in die private Insolvenz. Wer aber nichts hat, verliert auch nichts ...
03.03.2013 02:41 | Minou Lefebre
Was unter dem Namen „Leistungsschutzrecht“ zirkuliert, schützt keine Leistungen, sondern verlängert im maßgeblich die Ausbe ...