Libanon

Programm der Reise (Okt.)

vom 18. bis 27. Oktober 2019 (10 Tage)

Beiteddin im Chouf-Gebirge ist ein Zentrum der Drusen Bild: Franziska Ziegler

1. Tag

Am Nachmittag kommt Ihr MEA-Flug in Beirut an. Nach der Ankunft in Ihrem Hotel im Hamra-Viertel bleibt Zeit für einen ersten Spaziergang durch dieses umtriebige Stadtviertel, das Zentrum des (muslimischen) West-Beirut. Beim Abendessen in einem populären Restaurant erläutert der Reiseleiter das Programm der kommenden Woche.

Für Nachtschwärmer lohnt sich noch ein Besuch im Ausgehviertel Gemmayze rund um die Rue Gouraud. Taxi fahren ist kein Problem in Beirut. Bei der Fahrt durch die Stadt und beim Bummeln durch Gemmayze mit seinen Bars, Cafés und Clubs ist auch etwas über die Beiruter Bodenspekulation zu erfahren: in Gemayzze ist sie in vollem Gange, im Hamra-Viertel hat sie schon längst gesiegt.

2. Tag - Beirut

Gleich nach dem Frühstück Fahrt in den südlichen Vorort „Dahiye“, der von Schiiten bewohnt und von der Hisbollah kontrolliert wird. Dort besuchen wir das Projekt UMAM, das die größte Dokumentation über den libanesischen Bürgerkrieg aufgebaut hat und eine Auseinandersetzung mit dieser Geschichte durch verschiedene Aktivitäten anregt (Ausstellungen, Lesungen, Filmvorführungen, Podiumsdiskussionen u.a.). Ein brisantes Thema in einem Land, in dem die Milizführer aus Bürgerkriegszeiten auch heute führende Politiker sind – und jeder eine andere Version der Geschichte vertritt.

Das alte Zentrum von Beirut ist teils restauriert, teils neu gebaut Bild: Thomas Hartmann

Wir nutzen die Gelegenheit zu einem Rundgang durch dieses schiitische Stadtviertel und brechen dann zu einer Besichtigungstour von Beirut auf: zur Uferpromenade „Corniche“, zum wieder aufgebauten „Platz der Märtyrer“ im Zentrum der Stadt, ins christliche Viertel Aschrafiye im Osten. Hier besuchen wir das Beratungszentrum der sehr aktiven Frauenorganisation „KAFA – gegen Gewalt und Ausbeutung“, eine Partnerorganisation von medico international.

Die Tour endet im ‚Beirut Art Center‘ am nordöstlichen Stadtrand neben dem alten armenischen Viertel. Dort werden wir den Abend in einem Restaurant beschließen.

3. Tag - Beirut

Nach dem Frühstück besuchen wir Al-Jana, ein kreatives Projekt mit palästinensischen Jugendlichen aus den Flüchtlingslagern, deren Berufs- und Bewegungsfreiheit im Libanon eingeschränkt ist. Das Projekt wird seit Jahren mit viel Erfolg von der NGO „Arab Ressource Center for Popular Art“ (ARCPA ) organisiert, einem weiteren Partner von medico international.

Moa‘taz Al-Dajani vom Arab Resource Center For Popular Arts erzählt von einem Bilderbuch-Projekt Bild: Franziska Ziegler

Anschließend besuchen wir die NGO Al-Najdeh, ein Sozialverein für palästinensische Flüchtlinge von 1948. Nach einer Diskussion im Sozialzentrum des Vereins begleiten uns Mitarbeiterinnen von Najdeh auf einem Rundgang durch Sabra und Chatila, das palästinensische Stadtviertel, das noch immer „Flüchtlingslager“ genannt wird und im Jahr 1982 durch ein Massaker christlicher Milizen traurige Berühmtheit erlangte.

Wir beschließen den Nachmittag im Trend-Viertel Gemayzze direkt neben dem wieder aufgebauten Zentrum. Hier gibt es noch Häuser aus der Kolonialzeit, die allerdings gerade von Spekulanten ins Visier genommen werden. In der Hauptstraße reiht sich seit ein paar Jahren ein Restaurant ans andere. In der Nähe befindet sich das Büro der Heinrich-Böll-Stiftung. Deren Leiter wird uns einige Eigentümlichkeiten der libanesischen Gesellschaft erläutern: vor allem die problematische Abschottung der verschiedenen religiös-sozialen Gemeinschaften. Sie übernehmen vielfach staatliche Funktionen, aber in der Regel nur für die jeweils eigene Gemeinschaft.

Unser Gastgeber kennt auch die Arbeit vieler libanesischer NGO’s sowie deren rechtlichen und politischen Arbeitsbedingungen. Es gibt also genügend Stoff für Gespräche, auch später während des Abendessens in einem benachbarten Restaurant – ehe wir wieder ins Hotel zurück fahren.

4. Tag - Beirut und Byblos 

Am Vormittag besuchen wir die neuen Redaktions- und Studioräume von 'Campji', einem Projekt zur Ausbildung und Förderung von "Bürgerjournalisten" im Palästinenserlager von Chatila. "Campji" - was im Beiruter Slang so viel wie "wir aus dem Lager" bedeutet - ist vor über drei Jahren von Nazir Al-Jazeiri gegründet worden, zunächst als Projekt der Dt.Welle-Akademie. Produziert werden inzwischen täglich mehrere Videoclips und andere Internet-Formate, die Themen und Geschichten aus Chatila aufgreifen. Al-Jazeiri wird uns einen Einblick geben.

Byblos ist als eine der ältesten durchgängig bewohnten Städte Bild: Thomas Hartmann

Am Nachmittag beginnnen wir unsere Libanon-Rundfahrt, allerdings an diesem Tag nur rund 40 km bis nach Byblos. Nach unserer Ankunft steigen wir auf die Kreuzfahrer-Burg und überblicken ein breites Ausgrabungsfeld: eine erste Begegnung mit der über 7000-jährigen Zivilisationsgeschichte der Region. Byblos, heute eine Kleinstadt, war einst eine wichtige phönizische Hafenstadt und gilt als einer der ältesten durchgehend besiedelten Orte der Welt; berühmt ist Byblos als Fundort der ältesten Alfabetschrift: auf einem Steinsarkophag wurde sie entdeckt.

Von der Terrasse unseres Hotels aus können wir die Sonne im Mittelmeer untergehen sehen - und gehen dann zum Abendessen in ein Restaurant.

5. Tag - Libanongebirge und Kadischa-Tal

Nach dem Frühstück fahren wir weiter nach Norden bis Bscharré im Libanon-Gebirge. Die Busfahrt geht zunächst an der Küste weiter, aber dann rechts in die Berge hinauf, in das Gebiet der Maroniten. Unten an der Küste sieht man irgendwann Tripoli, den Hauptort des Nord-Libanon; dort leben vor allem Sunniten. Unsere Straße schlängelt sich ins Gebirge hinein.

Über Ehden, einen Luftkurort, der nur im Sommer bewohnt wird, gelangen wir ins 1400 m hoch gelegene Bscharré am Abhang des Libanon-Gebirges, Geburtsort des Malers und Schriftstellers Gibran Khalil Gibran. Der 1931 früh Verstorbene ist in Deutschland der meist gelesene arabische Autor (er schrieb allerdings meist auf Englisch), sein bekanntestes Buch ist „Der Prophet“.

Das Antonius-Kloster neben dem Kadischa-Tal Bild: Thomas Hartmann

Am späten Vormittag brechen wir zu einer Wanderung durch das enge Kadischa-Tal auf. Mehrere Klöster zeugen von einer bewegten Geschichte: Das wildromantische Tal war im 7. Jahrhundert Rückzugsort christlicher Häretiker um den Mönch Maron. Daher gilt es als die Wiege der Maroniten, heute im Libanon die dominante christliche Konfession.

Wir übernachten im Gästehaus des Antonius-Klosters, das in einem Seitental zum Kadischa-Tal in den Hang gebaut ist.

6. Tag - über den Zedern-Pass nach Baalbek (Bekaa-Tal)

Am Morgen setzen wir unsere Rundfahrt fort, höher ins Gebirge; an einem der letzten Zedernhaine vorbei geht es auf den „Zedern-Pass“ in 2500 Meter Höhe. Eine grandiose Aussicht zum Mittelmeer auf der einen und in die Bekaa-Ebene auf der anderen Seite lädt zum Verweilen ein.

Schließlich fahren wir in die Bekaa-Ebene hinab, bis nach Baalbek, dem Zentrum des Tales. Schon von Weitem sehen wir die Ruinen der römischen Tempelanlage. Wir nehmen uns die Zeit, die relativ gut erhaltenen und beeindruckend großen Tempel näher zu besichtigen.

Baalbek: neben dem Tempel des römischen Gottes wirken Menschen ganz klein Bild: Franziska Ziegler

Nach einem Mittagsimbiss geht die Busfahrt weiter durch das Bekaa-Tal bis nach Zahlé. Dort beziehen wir ein Hotel im Zentrum. Wenn noch Zeit ist, machen wir eine Weinprobe im nahe gelegenen Weingut Ksara; hier werden sehr bekannte libanesische Rot- und Weißweine gekeltert

Das Abendessen nehmen wir in einem Restaurant in Zahlé, davor oder danach wird noch Gelegenheit sein, durch die Gassen im Stadtzentrum zu spazieren.

7. Tag – durch das Choufgebirge

Am Vormittag erläutert uns der Leiter der griech.- kath. Internatsschule von Zahlé die Herausforderung der letzten Jahre, Schulplätze für die vielen syrischen Flüchtlingskindern zu schaffen.

Anschließend fahren wir in den nahe gelegenen Ort Bar Elias und besuchen ein Schulprojekt für syrische Kinder in einem Flüchtlingslager neben der Landstraße. Die Zeltschule in Bar Elias wird von der NGO 'Alphabet for Alternative Education' betrieben und vom Tübinger Verein 'Schams' (Sonne) unterstützt, der von dem syrisch-deutschen Schriftsteller Rafik Schami ins Leben gerufen wurde.

Am Nachmittag verlassen wir das Bekaa-Tal in der Nähe des Kefraya-Passes und fahren ins Choufgebirge, in die Region der Drusen; bis ins 19. Jahrhundert waren sie die eigentlichen Herren großer Gebiete des heutigen 'Libanon', von Beiteddin und Deir El-Qamar aus. Sie haben beeindruckende Paläste hinterlassen, die auch schon Napoléon gefallen haben, als er nach seinem Ägypten-Feldzug hier vorbeikam.

Innenhof des Palastes in Beiteddin Bild: Franziska Ziegler

Unsere Tour geht vorbei am südlichen Ausläufer des Libanon-Gebirges, am knapp 2.000 Meter hohen Djebel el-Barouk. An dessen Abhang können wir einen Stopp einlegen an einen Zedernwald, der von einer Umwelt-Initiative gepflegt und für Besucher unterhalten wird – mit weitem Blick auf den südlichen Teil der Bekaa-Ebene.

In Beiteddin werfen wir einen Blick in den herrlichen Palast der Drusenherrscher, dann geht es weiter durch das Choufgebirge bis zur Küstenstraße am Mittelmeer. Hier biegen wir nach Süden ab und kommen noch vor Sidon an unser Ziel: den Ort Wardaniyeh.

In unserem neuen Hotel, der Begegnungsstätte Dar Assalam, können wir uns auf einer Veranda mit Meeresblick ausruhen und mehr über das Träger-Projekt und seine Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Gruppen in Beirut und Umgebung erfahren. Abendessen in der Begegnungsstätte.

Blick aufs Mittelmeer vom Begegnungszentrum Daressalem in Wardaniyeh/Choufgebirge Bild: Franziska Ziegler

8. Tag - Beirut

Wir fahren mit unserem Bus rund eine halbe Stunde bis ins Zentrum von Beirut. Am Vormittag steht ein Gespräch mit einem Parlamentsabgeordneten der Hezbollah auf dem Programm.

Nach der Mittagspause treffen wir Assaad Chaftary. Während des Bürgerkriegs in den 80er Jahren war er Geheimdienstchef der Forces Libanaises, der damals stärksten christlichen Miliz. Zehn Jahre nach Ende des Bürgerkriegs entschuldigte er sich öffentlich bei seinen Opfern. Die Logik des Krieges hat er an zentraler Stelle erlebt und weiß, warum er und viele Libanesen heute vor allem eins verhindern wollen: einen neuen Bürgerkrieg, etwa entsprechend den Konfliktlinien in Syrien.

Am späten Nachmittag treffen wir die Journalistin Mona Naggar und den Lyriker und Verleger Khalid Al Maaly (Al-Kamel-Verlag). Das Ehepaar lebte früher in Köln, ist aber vor rund 15 Jahren nach Beirut gezogen, immer noch ein Zentrum arabischer Verlage und Medien.

Beim Abendessen können wir die Gespräche fortsetzen – und danach bringt uns der Bus wieder über die Küstenstraße nach Wardaniyeh.

Im Baruk-Zedernwald, Choufgebirge Bild: Thomas Hartmann

9. Tag - Sidon

Am letzten Vormittag fahren in die alte Hafenstadt Sidon, in deren Zentrum noch die engen Gassen eines orientalischen Souk, eine Karawanserei und prächtige alte Familienhäuser zu besichtigen sind.

Und wir besuchen Madschid Hamatto in der Schule für behinderte Kinder, die er leitet. Darüberhinaus koordiniert er eine überkonfessionelle Liga aller Wohlfahrtsvereine in Sidon, ein Unikum im Libanon. Er wird uns über seine Erfahrungen mit dieser Zusammenarbeit erzählen und alle Fragen zur sozialen Situation der Menschen in der Stadt beantworten.

Den letzten Nachmittag wollen wir noch ein wenig offen lassen, um die Interessen der Reisegruppe berücksichtigen zu können. Wer will, kann auf jeden Fall nach Beirut fahren und die Stadt individuell erkunden.

Oder wir können nach Mleeta fahren, in das von der Hezbollah beherrschte Bergland des Südlibanons, und das aufwendig gestaltete Widerstands-Museum der Miliz besuchen: eine ziemlich dick aufgetragene Selbstinszenierung und Propaganda-Show. Auch wenn dies unseren Geschmack eher nicht trifft, es gab ja durchaus einen Grund zum Feiern des Widerstands: die Hezbollah war (mit diversen libanesischen Verbündeten) 2006 siegreich im Kampf gegen die israelische Besatzung im Südlibanon.

Am Abend treffen wir uns beim Abendessen noch einmal auf der Veranda der Begegnungsstätte Dar Assalam und können die Erfahrungen und Erlebnisse der Reise untereinander austauschen.

10. Tag

Nachts zum Flughafen: um 4 Uhr ist Abfahrt zum Flughafen. Die MEA bringt uns um 7:15 Uhr nach Frankfurt/M (an: 10:40 Uhr) – individuelle Weiterfahrt in die Wohnorte.

Umstellungen und Änderungen im Detail möglich; Stand: 13.11.2018  Der Rückflug kann individuell auch später erfolgen. Näheres beim Veranstalter.