Libanon

Programm der Reise

vom 27. Oktober bis 4. November 2018 und vom 13. bis 21. April 2019

Beiteddin im Chouf-Gebirge ist ein Zentrum der Drusen Bild: Franziska Ziegler

1. Tag

Am Nachmittag kommt Ihr MEA-Flug in Beirut an. Nach der Ankunft in Ihrem Hotel im Hamra-Viertel bleibt Zeit für einen ersten Spaziergang durch dieses umtriebige Stadtviertel, das Zentrum des (muslimischen) West-Beirut. Beim Abendessen in einem populären Restaurant erläutert der Reiseleiter das Programm der kommenden Woche.

Für Nachtschwärmer lohnt sich noch ein Besuch im Ausgehviertel Gemayzze rund um die Rue Gouraud. Taxi fahren ist kein Problem in Beirut. Bei der Fahrt durch die Stadt und beim Bummeln durch Gemayzze mit seinen Bars, Cafés und Clubs ist auch etwas über die Beiruter Bodenspekulation zu erfahren: in Gemayzze ist sie in vollem Gange, im Hamra-Viertel hat sie schon längst gesiegt.

2. Tag - Beirut

Gleich nach dem Frühstück Fahrt in den südlichen Vorort „Dahiye“, der von Schiiten bewohnt und von der Hisbollah kontrolliert wird. Dort besuchen wir das Projekt UMAM, das die größte Dokumentation über den libanesischen Bürgerkrieg aufgebaut hat und eine Auseinandersetzung mit dieser Geschichte durch verschiedene Aktivitäten anregt (Ausstellungen, Lesungen, Filmvorführungen, Podiumsdiskussionen u.a.). Ein brisantes Thema in einem Land, in dem die Milizführer aus Bürgerkriegszeiten auch heute führende Politiker sind – und jeder eine andere Version der Geschichte vertritt.

Mittelmeer-Hafenstadt Beirut Bild: Archiv

Wir nutzen die Gelegenheit zu einem Rundgang durch dieses schiitische Stadtviertel und brechen dann zu einer Besichtigungstour von Beirut auf: zur Uferpromenade „Corniche“, zum wieder aufgebauten „Platz der Märtyrer“ im Zentrum der Stadt, ins christliche Viertel Aschrafiye im Osten. Hier besuchen wir das Beratungszentrum der sehr aktiven Frauenorganisation „KAFA – gegen Gewalt und Ausbeutung“, eine Partnerorganisation von medico international, dem Kooperationspartner dieser Reise.

Die Tour endet im ‚Beirut Art Center‘ am nordöstlichen Stadtrand neben dem alten armenischen Viertel. Dort werden wir den Abend in einem Restaurant beschließen.

3. Tag - Beirut

Nach dem Frühstück besuchen wir Al-Jana, ein kreatives Projekt mit palästinensischen Jugendlichen aus den Flüchtlingslagern, deren Berufs- und Bewegungsfreiheit im Libanon eingeschränkt ist. Das Projekt wird seit Jahren mit viel Erfolg von der NGO „Arab Ressource Center for Popular Art“ (ARCPA ) organisiert, einem weiteren Partner von medico international. Nach einer Diskussion im ARCPA-Büro begleitet uns der Leiter des Projekts, der Künstler Mo’ataz al-Dajani, auf einem Rundgang durch Sabra und Chatila, das palästinensische Stadtviertel, das noch immer „Flüchtlingslager“ genannt wird und im Jahr 1982 durch ein Massaker christlicher Milizen traurige Berühmtheit erlangte.

Moa‘taz Al-Dajani vom Arab Resource Center For Popular Arts erzählt von einem Bilderbuch-Projekt Bild: Franziska Ziegler

Wir beschließen den Nachmittag im Trend-Viertel Gemayzze direkt neben dem wieder aufgebauten Zentrum. Hier gibt es noch Häuser aus der Kolonialzeit, die allerdings gerade von Spekulanten ins Visier genommen werden. In der Hauptstraße reiht sich seit ein paar Jahren ein Restaurant ans andere. In der Nähe befindet sich das Büro der Heinrich-Böll-Stiftung. Deren Leiterin wird uns einige Eigentümlichkeiten der libanesischen Gesellschaft erläutern: vor allem die problematische Abschottung der verschiedenen religiös-sozialen Gemeinschaften. Sie übernehmen vielfach staatliche Funktionen, aber in der Regel nur für die jeweils eigene Gemeinschaft.

Unsere Gastgeberin kennt auch die Arbeit vieler libanesischer NGO’s sowie deren rechtlichen und politischen Arbeitsbedingungen. Es gibt also genügend Stoff für Gespräche, auch später während des Abendessens in einem benachbarten Restaurant – ehe wir wieder ins Hotel zurück fahren.

4. Tag - Biblos, Bscharré und Kadischa-Tal

Aufbruch zur dreitägigen Libanon-Rundfahrt. Am ersten Tag fahren wir bis Bscharré, einem Zentrum der Maroniten im Norden Libanons, hoch oben im Libanon-Gebirge. Die Busfahrt geht an der Küste entlang bis kurz vor Tripoli. Zuvor gibt es einen Zwischenstopp in Biblos – eine erste Begegnung mit der über 7000-jährigen Zivilisationsgeschichte der Region. Biblos, heute eher ein Fischerdorf, war einst eine wichtige phönizische Hafenstadt und gilt als einer der ältesten durchgehend besiedelten Orte der Welt; berühmt ist Biblos als Fundort der ältesten Alphabetschrift: auf einem Steinsarkophag wurde sie entdeckt.

Die Fahrt geht weiter auf der Küstenstraße nach Norden und dann in die Berge hinauf, in das Gebiet der Maroniten. Unten an der Küste sieht man Tripoli, den Hauptort des Nord-Libanon; dort leben vor allem Sunniten. Unsere Straße schlängelt sich ins Gebirge hinein. Über Ehden, einen Luftkurort, der nur im Sommer bewohnt wird, gelangen wir ins 1400 m hoch gelegene Bscharré am Abhang des Libanon-Gebirges.

Kloster im Kadischa-Tal Bild: Archiv

Bei einem Spaziergang durch den Ortskern von Bscharré gelangen wir auch zum Museum des Malers und Schriftstellers Gibran Khalil Gibran. Der 1931 Verstorbene ist in Deutschland der meist gelesene arabische Autor (er schrieb allerdings meist auf Englisch), sein bekanntestes Buch ist „Der Prophet“.

Nachmittags brechen wir zu einer Wanderung durch das enge Kadischa-Tal auf. Mehrere Klöster zeugen von einer bewegten Geschichte: Das wildromantische Tal war im 7. Jahrhundert Rückzugsort christlicher Häretiker um den Mönch Maron. Daher gilt es als die Wiege der Maroniten, heute im Libanon die dominante christliche Konfession.

Wir übernachten im Gästehaus des Antonius-Klosters, auf halbem Weg zwischen Ehden und Bscharré.

5. Tag - über den Zedern-Pass nach Baalbek (Bekaa-Tal)

Am Morgen brechen wir zur Weiterfahrt ins Gebirge auf; an einem der letzten Zedernhaine vorbei geht es auf den „Zedern-Pass“ in 2650 Meter Höhe. Eine grandiose Aussicht zum Mittelmeer auf der einen und in die Bekaa-Ebene auf der anderen Seite lädt zum Verweilen ein. Schließlich fahren wir in die Bekaa-Ebene hinab, bis nach Baalbek, dem Zentrum des Tales. Schon von Weitem sehen wir die Ruinen der römischen Tempelanlage.

Baalbek: neben dem Tempel des römischen Gottes wirken Menschen ganz klein Bild: Franziska Ziegler

Wir nehmen uns die Zeit, die relativ gut erhaltenen und beeindruckend großen Tempel näher zu besichtigen. Nach einem Mittagsimbiss geht die Busfahrt weiter durch das Bekaa-Tal bis nach Zahlé. Dort beziehen wir das „Haus der Freundschaft“, ein Gästehaus der griech.-kath. Schule. Wenn noch Zeit ist, besuchen wir noch ein Weingut im nahe gelegenen Ort Ksara, Namensgeber für viele libanesische Weine.

Das Abendessen nehmen wir in einem Restaurant in Zahlé, davor oder danach wird noch Gelegenheit sein, durch die Gassen im Stadtzentrum zu spazieren.

6. Tag – über das Choufgebirge nach Wardaniyeh

Am Vormittag erläutert uns der Leiter der griech.- kathl. Schule die Herausforderung der letzten Jahre, Schulplätze für die vielen syrischen Flüchtlingskindern zu schaffen. Anschließend besuchen wir zwei Schulprojekte für syrische Kinder in der näheren Umgebung. Die Zeltschule in Bar Elias wird von dem Tübinger Verein "Schams" (Sonne) unterstützt, der von dem syrisch-deutschen Schriftsteller Rafik Schami ins Leben gerufen wurde.

Am Nachmittag verlassen wir das Bekaa-Tal über den Kefraya-Pass und fahren ins Choufgebirge, in die Region der Drusen; bis ins 19. Jahrhundert waren sie die eigentlichen Herren der Region, von Beiteddin und Deir El-Qamar aus. Sie haben beeindruckende Paläste hinterlassen, die auch schon Napoléon gefallen haben.

Innenhof des Palastes in Beiteddin Bild: Franziska Ziegler

Unsere Tour geht vorbei am südlichen Ausläufer des Libanon-Gebirges, am knapp 2.000 Meter hohen Djebel el-Barouk. An dessen Abhang können wir einen Stopp einlegen an einen Zedernwald, der von einer Umwelt-Initiative gepflegt und für Besucher unterhalten wird – mit weitem Blick auf den südlichen Teil der Bekaa-Ebene.

In Beiteddin werfen wir einen Blick in den herrlichen Palast der Drusenherrscher, dann geht es weiter durch das Choufgebirge bis zur Küstenstraße am Mittelmeer. Hier biegen wir nach Süden ab und kommen noch vor Sidon an unser Ziel: den Ort Wardaniyeh.

In unserem neuen Hotel, der Begegnungsstätte Daressalam, können wir uns auf einer Veranda mit Meeresblick ausruhen und mehr über das Träger-Projekt und seine Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Gruppen in Beirut und Umgebung erfahren. Abendessen im Hotel.

Blick aufs Mittelmeer vom Begegnungszentrum Daressalem in Wardaniyeh/Choufgebirge Bild: Franziska Ziegler

7. Tag - Beirut

Wir fahren mit unserem Bus rund eine halbe Stunde bis ins Zentrum von Beirut. Der Vormittag steht für individuelle Erkundungen zur Verfügung – bei Bedarf mit Unterstützung des Reiseleiters.

Nach der Mittagszeit trifft sich die Gruppe wieder bei einem Gespräch mit Assaad Chaftary, während des Bürgerkriegs in den 80er Jahren Geheimdienstchef der Forces Libanaises, der damals stärksten christlichen Miliz. Zehn Jahre nach Ende des Bürgerkriegs entschuldigte er sich öffentlich bei seinen Opfern. Die Logik des Krieges hat er an zentraler Stelle erlebt und weiß, warum er und viele Libanesen heute vor allem eins verhindern wollen: einen neuen Bürgerkrieg, etwa entsprechend den Konfliktlinien in Syrien.

Am späten Nachmittag treffen wir die Journalistin Mona Naggar und den Lyriker und Verleger Khalid Al Maaly (Al-Kamel-Verlag). Das Ehepaar lebte früher in Köln, ist aber vor rund 15 Jahren nach Beirut gezogen, weiterhin ein Zentrum arabischer Verlage und Medien. Sie werden uns viel zu diesem Thema erzählen. Beim Abendessen können wir die Gespräche fortsetzen – und danach bringt uns der Bus wieder über die Küstenstraße nach Wardaniyeh.

Römische Säulen im Tempel von Baalbek Bild: Franziska Ziegler

8. Tag zur Auswahl: Südlibanon oder Beirut

Am letzten Tag ist optional eine Fahrt in den von der Hisbollah beherrschten Südlibanon sowie nach Sidon (Saida) vorgesehen. Im Bergland des Südlibanons sehen wir im Museum der Hisbollah in Mleeta deren Selbstverständnis und Selbstdarstellung: siegreich im Kampf gegen die israelische Besatzung im Südlibanon. Weniger martialisch geht es später in der alten Hafenstadt Sidon zu beim Treffen mit Madschid Hamatto: er arbeitet in einer NGO, die Flüchtlinge unterstützt, derzeit vor allem syrische.

Aber Sie können den Tag auch individuell gestalten: Baden im Mittelmeer oder lesen auf der Veranda oder noch einmal nach Beirut fahren. Locker kommen Sie alleine oder in kleinen Gruppen (mit Unterstützung des Reiseleiters) von Wardaniyeh aus mit dem Sammeltaxi nach Beirut.

Am Abend treffen wir uns beim Abendessen noch einmal auf der Veranda der Begegnungsstätte Daressalam und können die Erfahrungen und Erlebnisse der Reise untereinander austauschen.

9. Tag

Nachts zum Flughafen: um 4 Uhr ist Abfahrt zum Flughafen. Die MEA bringt uns um 7:15 Uhr nach Frankfurt/M (an: 10:40 Uhr) – individuelle Weiterfahrt in die Wohnorte.

Umstellungen und Änderungen im Detail möglich; Stand: 24.3.2018  Der Rückflug kann individuell auch später erfolgen. Näheres beim Veranstalter.