Martialische Machos machen sich breit

Großeinsatz gegen Rocker

Die türkisch-nationalistischen „Osmanen Germania“ haben jetzt in Bremen einen Ortsverein. Am Sonntag trafen sich 80 Mitglieder aus ganz Deutschland.

Demo der „Osmanen Germania“ gegen eine Bundestagsresolution zum Völkermord in Armenien Foto: Paul Zinken/dpa

BREMEN taz | Eine neue, rockerähnliche Gruppierung versucht, sich in Bremen zu etablieren: die „Osmanen Germania“, die offiziell als Boxverein firmieren.

In der Innenstadt trafen sich nach Angaben der Polizei am Wochenende etwa 80 Clubmitglieder aus dem ganzen Bundesgebiet und lösten damit einen Großeinsatz der Polizei aus. Einsatzkräfte sperrten am Sonntagnachmittag den Herdentorsteinweg und kontrollierten mehrere Stunden lang Fahrzeuge und Personen, darunter mehrere Anführer von Ortsvereinen der Osmanen Germania. Die Überprüfungen und sogenannten Gefährderansprachen „verliefen ohne besondere Vorkommnisse“, sagt Polizeisprecher Nils Matthiesen, festgenommen wurde niemand. Die Ermittlungen dauern allerdings noch an. Die Polizei geht aber davon aus, dass die Osmanen Germania einen Ortsverein in Bremen gegründet haben. Ein Vereinsheim in Bremen hätten sie bislang jedoch nicht, so Matthiesen. „Wir kennen die Leute“, so der Polizeisprecher, im Zusammenhang mit schweren Straftaten seien sie in Bremen aber nicht in Erscheinung getreten.

Die von Ermittlern als türkisch-nationalistisch eingestuften Osmanen werden nach Angaben des niedersächsischen Landeskriminalamtes (LKA) immer wieder mit diversen Straftaten in Zusammenhang gebracht. Die Mehrheit der Mitglieder sei mit Rohheits-, Eigentums- und Betäubungsmitteldelikten in Erscheinung getreten, wurde im vergangenen Jahr im niedersächsischen Landtag berichtet. In Niedersachsen gibt es nach Erkenntnissen des LKAs zwei Ortsgruppen: eine im Raum Osnabrück, die andere im Raum Vechta. „Zusammen haben sie etwa 20 Mitglieder“, sagte eine LKA-Sprecherin.

Der Club selbst wirbt damit, „die Jugendlichen von der Straße zu holen und sie durch sportliche Aktivitäten einer sinnvollen Aufgabe nachgehen zu lassen“. nach außen hin treten sie jedoch auf wie Rocker – sie präsentieren sich in martia­lischen Videos, tragen Kutten mit Abzeichen und haben hierarchische Strukturen, wie man sie von den sogenannten Outlaw Motor Cycle Clubs wie etwa den Hells Angels oder den Bandidos kennt. Die Osmanen Germania wurden 2014 in Frankfurt am Main gegründet und haben nach eigenen Angaben über 2.500 Mitglieder in Deutschland, die meisten mit türkischem Migrationshintergrund. Ihre Gründungspräsidenten sind der Boxer Mehmet Bagci und der Ex-Hells Angel Selcuk „Can“ Sahin. Der Schwerpunkt ihres Clubs liegt in Süddeutschland und Hessen, in Nordrhein-Westfalen haben sie den Ermittlern zufolge rund 100 Mitgliedern und sind damit die sechstgrößte Rockergruppe in dem Bundesland.

Politisch sind sie unter anderem bei Demonstrationen für den türkischen Staatschef Erdoğan in Erscheinung getreten, im Bundestag wurde zudem berichtet, das Osmanen als Ordner auf Demos der rechtsextremen türkischen „Grauen Wölfe“ aktiv waren, die in Deutschland vom Verfassungsschutz beobachtet werden.

In Bremen beschäftige sich das Landesamt für Verfassungsschutz mit den Osmanen Germania „in Wechselwirkung mit der PKK und den türkischen Nationalisten“ und beobachte die Entwicklung „genau“, heißt es aus dem Innenressort. SPD-Innensenator Ulrich Mäurer will zwar zunächst die Ermittlungsergebnisse der Polizei abwarten, eines stehe aber fest: „Ich werde auch in Zukunft keine kriminellen Rockerclubs in Bremen dulden“, so Mäurer gestern. Das Innenressort bleibe an dem Thema „permanent dran“.

Auch von der Bremer Polizei kommen starke Worte: „Wir dulden keine territorialen Machtansprüche von Rockern oder ähnlichen Gruppierungen.“ Man werde im Rahmen einer „Null-Toleranz-Strategie“ weiterhin „konsequent“ einschreiten und kontrollieren, um gewalttätige Auseinandersetzungen zu unterbinden.

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