Ob mit Messern, Steinen oder Brandsätzen: In Niedersachen werden laufend antifaschistisch Engagierte angriffen. Grüner wirft niedersächsischem Innenminister Bagatellisierung vorvon Andreas Speit

Antifa-Arbeit in der Innenstadt: Olaf Meyer (2. v. r.) von der "Antifaschistischen Aktion Lüneburg" Bild: privat
LÜNEBURG taz | Messerangriffe, Brandanschläge und Steinwürfe: In den vergangenen Monaten haben rechtsextreme Täter in Niedersachsen verstärkt antifaschistisch Engagierte angegriffen. „Ich hatte Glück, der Stich mit dem Messer sollte meinen Bauch treffen“, erzählt Olaf Meyer von der „Antifaschistischen Aktion Lüneburg/ Uelzen“. Er ist das jüngste Opfer der Angriffe.
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Seit Jahren engagiert sich der 41-Jährige gegen rechts. Er meldet Demonstrationen an und hält Referate bei Fachtagungen. Der Angriff hat ihn zwar schockiert, aber nicht überrascht: „Wir sagen doch nicht ohne Grund immer wieder ’Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen‘“, erinnert er. „Mord und Totschlag ist in dieser Weltanschauung angelegt.“
Meyer ist am 29. August in der Lüneburger Innenstadt angegriffen worden, als er abends die Tür des DGB-Hauses abschloss (taz berichtete). Gut zwanzig Minuten vorher war Meyer an einer Kreuzung ein PKW aus dem Landkreis Ludwigslust mit mindestens vier Rechtsextremen aufgefallen. „Die zeigten auf mich“, erinnert er sich.
Erst wenige Tage vorher, am 10. August, hatte ein Rechter ebenfalls ein Messer gezogen. In Hannover auf dem Opernplatz griff er mit einem halben Dutzend Kumpanen drei Antifaschisten von der Kampagne „Nazis die Räume nehmen“ an, die einen Infostand abbauten. R. habe versucht zuzustechen, sagt ein Sprecher der Kampagne. „Nur dem Glück, ist es zu verdanken, dass niemand lebensgefährlich verletzt wurde.“
Dieses Glück hatte wenige Stunden später ein antifaschistischer Jugendlicher in Barsinghausen nicht. Nach der Wiedereröffnung des „Falkenkellers“ der sozialistischen Jugend wurde er von Rechtsextremen mit einem Messer im Gesicht verletzt. Wieder soll R. der Täter sein. Die Wiedereröffnung war nötig, da in der Nacht zum 5. Juni auf den Falkenkeller ein Brandanschlag verübt worden war.
Die Reihe der Anschläge lässt sich durch das Jahr verfolgen: Am 20. Juli schmissen Unbekannte einen mehrere Kilo schweren Stein durch das Schlafzimmerfenster der Zweiten Vorsitzenden des Bündnisses „Bad Nenndorf ist bunt“. Am 19. Mai griffen rechtslastige Hooligans in Wunstorf eine Elektro-Party in der „Wohnwelt“ an. In Bückeburg werden Jugendliche seit Monaten bedroht – und angegriffen.
Schon im Dezember 2011 haben bis heute unbekannte Täter Brandanschläge auf Gebäude von gegen rechts engagierten Leuten in der Region Celle verübt. Einer der Betroffenen: Pastor Wilfried Manneke aus Unterlüß. Einschüchtern lasse er sich nicht, versicherte Manneke – so wenig wie Meyer.
Meyer hat den Messerangriff nicht angezeigt. Vor Jahren sei er schon einmal von Rechtsextremen niedergestochen worden. Bei den Ermittlungen habe er den Eindruck gehabt, dass ihn die Polizei mehr zu seinen antifaschistischen Aktivitäten befragte als zu dem Überfall.
Die Sicherheitsbehörden bagatellisierten die Angriffe oft als Auseinandersetzungen zwischen linken und rechten Jugendlichen, kritisiert der grüne Landtagsabgeordnete Helge Limburg. „Die Straftaten müssten als politische Angriffe ernst genommen werden“, findet er. Das Phänomen der Einschüchterung werde von den niedersächsischen Sicherheitsbehörden unzureichend erfasst. Ein Wort der Solidarität des Innenministers Uwe Schünemann (CDU), meint Limburg, sei „überfällig“.
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Leserkommentare
14.09.2012 17:35 | Dorfkind
Wer vom Law and Order-Sheriff Schünemann ein Wort der Solidarität erwartet kann warten bis er schwarz wird. Moment, ist das ...
14.09.2012 05:59 | Jevu
Stimme zu. ...