Möbelhausansiedlung in Innenstadtlage

Freifahrtschein für Ikea

Die Stadt kommt Ikea bei dessen Ansiedlung in Altona finanziell entgegen. Immer noch unklar bleibt, wie die Möbel vom Kaufhaus wegkommen sollen.

Könnte eng werden: Auch Mittsommerbäume und Aktionsstände sollen die Große Bergstraße beleben.   Bild: Ikea

Die Stadt sponsert den schwedischen Möbelkonzern. Das geht aus dem städtebaulichen Vertrag hervor, den die Stadt mit Ikea geschlossen hat und der der taz vorliegt. Konkret geht es um eine Ausgleichszahlung, die Ikea für die Aufwertung seines Grundstücks in der Großen Bergstraße leisten müsste, aber nicht leistet. Wohl weil die Stadt Ikea damit Vorteile verschafft, ließ der Konzern eine entsprechende Passage im Vertrag schwärzen – mit Verweis auf die „Wahrung des Geschäftsgeheimnisses“.

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Grundeigentümer profitieren in Sanierungsgebieten wie der Großen Bergstraße, weil der Wert ihrer Grundstücke durch die Sanierungsmaßnahmen gesteigert wird. Deshalb wird am Ende der Sanierung ein Ausgleichsbetrag fällig, den sie an die öffentliche Hand zahlen müssen. Die Höhe des Betrags bemisst sich üblicherweise an der jeweiligen Bodenwertsteigerung.

Ikea zahlt den Ausgleichsbetrag nicht und verweist darauf, dass der Konzern keinerlei Zuschüsse zum Abriss des Frappant-Gebäudes bekommen habe. Die Abrisskosten für das Frappant-Gebäude dürften sich aber bereits im Kaufpreis, den der Möbelkonzern an die Münchener Immobilienfirma Immo Trading gezahlt hat, niedergeschlagen haben.

Die erste innerstädtische Ikea-Möbelhausfiliale ist insgesamt 80.000, die Verkaufsfläche 18.000 Quadratmeter groß.

Nur 713 Parkplätze sind vorgesehen - die Filiale in Schnelsen-Nord hat 2.200.

Der Konzern soll sich um den Lärmschutz der Anwohner kümmern.

Auch Sondernutzungen des öffentlichen Raums sind geplant: Weihnachts- und Mittsommerbäume, eine 100 Quadratmeter große Sommerterrasse mit Stehtischen, die bis 22 Uhr öffnen darf, oder bis zu 200 Quadratmeter Fläche für Sonderaktionen zu schwedischen Festen. Auch für Fluchtwege und eine Überbauung der Straße darf Ikea öffentliche Flächen nutzen.

Im Oktober 2012 will Ikea mit dem Bau beginnen, eröffnen soll das Möbelhaus im Frühjahr 2014.

„Außerdem beteiligt sich Ikea an den Erschließungsmaßnahmen im Umfeld“, so Sprecherin Simone Settergren. Gemeint sind damit die 300.000 Euro, die der Konzern für die Gestaltung des Goetheplatzes bereitstellt – und sich dadurch weitere Vorteile verschafft. Denn mit der Summe hat sich Ikea eine „aktive Einbindung in die Planung und Ausführung der Platzgestaltung“ erkauft. Außerdem soll der Konzern vom Bezirk „regelmäßig, mindestens monatlich, über den aktuellen Planungs- und Ausführungsstand“ unterrichtet werden. Die Raumansprüche des Möbelhauses gehen über das Grundstück weit hinaus (siehe Kasten). Über Sondernutzung des öffentlichen Platzes entscheidet aber der Bezirk.

Obwohl der Vertrag alle wichtigen Details – wie die Erschließung, das Parkleitsystem und Sondernutzungen – regeln sollte, bleibt er in entscheidenden Fragen immer noch recht vage. Dass etwa das Verkehrskonzept nicht erwähnt wird, stößt inzwischen auch bei den Bezirksfraktionen auf Kritik. „Das Problem ist, dass wesentliche Teile wie der Erschließungsvertrag und das Verkehrs- und Mobilitätskonzept noch nicht feststehen“, sagt Holger Sülberg (GAL). Es bleibe nach wie vor offen, wie die erworbenen Möbel eigentlich vom Kaufhaus wegkommen sollen.

Bislang gehen die Gutachten von Ikeas Hypothese aus, dass die Hälfte der Kunden mit Bus und Bahn anreisen. Die Schätzung ist allerdings aus der Luft gegriffen. Damit viele Kunden mit dem ÖPNV anreisen, sind Liefer- und Mobilitätskonzepte entscheidend. Im Gespräch sind etwa Möbeltaxies, bei denen Ikea mit privaten Transportfirmen kooperiert. Zu den Planungen will sich Ikea bislang nicht äußern. „Bis zum ersten Spatenstich gehen wir mit dem Konzept nicht an die Öffentlichkeit“, sagt Settergren.

Solange ÖPNV-Anbindung und Möbeltransport immer noch unklar sind, dürfte das Pilotprojekt Innenstadtmöbelhaus planerisch riskant bleiben. Sollte sich in fünf Jahren herausstellen, dass sich das Kaufhaus nicht rentiert, hätte die Stadt den nächsten Klotz am Bein. Nur dass der noch wesentlich größer wäre als das alte Frappant-Gebäude.

 

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