Vor dem Bremer Landgericht begann der Prozess um ein Tötungsdelikt in Blockdiek. Die Staatsanwaltschaft tappt zum Hintergrund der Tat im Dunkeln.von Klaus Wolschner

Mord mit einer Pumpgun: keine Filmszene, sondern Realität mitten in einem Bremer Einkaufszentrum. Bild: KAWE
Mit Handschellen wurde der 28-jährige Angeklagte Peter G. gestern in den Gerichtssaal geführt, seit dem 7. Februar sitzt er in Untersuchungshaft. Der Vorwurf der Staatsanwältin lautet auf Mord. Das Gericht hatte eine Russisch-Dolmetscherin bestellt, die im Zweifelsfall übersetzen sollte.
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Was in jener Nacht zum 5. Februar 2012 in der Nähe des Einkaufszentrums Blockdiek passierte, ist – soweit es eine Überwachungskamera aufzeichnen kann – unstrittig: Peter G., der eine Tasche trug, und sein Komplize, der 20-jährige Johann L., sind mit einem Taxi dorthin gefahren. Sie erwarteten dort Eugen Z., mit dem sie eine offene Rechnung hatten, trafen aber nur auf seinen Bekannten. Den fragte Peter G., wo Z. sei. Der Befragte antwortete, er wisse es nicht, heißt es in der Zusammenfassung der Anklageschrift. Wenige Minuten später war er ein toter Mann.
Denn zog Peter G. aus seiner Tasche eine Pumpgun, zu deutsch „Vorderschaftrepetierflinte“. Wenn der Lauf so einer Flinte abgesägt ist, funktioniert sie wie eine Schrotflinte mit breitem Streuwinkel. Peter G. soll die Frage, wo Z. sei, mit vorgehaltener Pumpgun wiederholt und gedroht haben, zu schießen. Der bedrohte Mann soll eher flapsig geantwortet haben: „Mach doch.“ Peter G. schoß – sein gegenüber war sofort tot. Zusammen mit seinem Kumpel soll er dann einen anderen Bekannten von Z. brutal zusammengeschlagen haben, der sich in der Nähe aufhielt. Offenbar sind die beiden Täter dann nach Holland gefahren.
Zwei Tage später jedenfalls wurden sie mit zwei weiteren Freunden zusammen in einem Auto von der Bundespolizei gestoppt, als sie auf der Rückfahrt waren. Zunächst handelte es sich für die Bundespolizei nur um eine Routinekontrolle, dann roch einer der Fahrzeuginsassen so streng nach Rauschgift, dass eine genauere Durchsuchung des PKW erfolgte. Und dann ergab die Personenüberprüfung, dass zwei der vier Holland-Fahrer unter Mordverdacht standen und gesucht wurden.
Die beiden Angeklagten machten an diesem ersten Verhandlungstag keinerlei Angaben zum Geschehen und seinen Hintergründen, sodass der Prozess nach einer Stunde vertagt wurde – und unbeteiligte Zuschauer einigermaßen ratlos blieben, was sich denn da abgespielt hat. „Aus beiden Lagern“, hatte Verteidiger Matthias Koch festgestellt, säßen Freunde im Gerichtssaal. Einige müssen also doch gewusst haben, was da gespielt wird in Tenever.
Aber auch Freunde des Getöteten wollten gegenüber der Presse nichts zu dem Hintergrund des Geschehenes sagen. Die Schwester des Getöteten ist als Nebenklägerin an dem Verfahren beteiligt. Sie erhoffe sich von dem Gerichtsprozess Aufschluss darüber, warum ihr Bruder sterben musste, erklärte ihr Anwalt.
Vermutlich ging es um Rivalitäten im Milieu der Russland-Deutschen in Tenever, der Hauptangeklagte soll sich als deren „Präsident“ bezeichnet haben. Die Brutalität eines solchen Vorgehens ist eigentlich auch nur aus dem Drogenmilieu bekannt.
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