Musikmagazin „Spex“ wird eingestellt

Impulse aus dem Luftraum

Dank der „Spex“ ist Pop seit Jahrzehnten in einen intellektuellen Diskurs eingebettet. Das Eintreten für die Sache des Pop wird ohne sie schwieriger.

Auf einem Cover der „Spex“ ist eine Frau mit lockigen Haaren zu sehen

Ende des Jahres ist „Spex“ passé Foto: Spex

Horst Seehofer macht weiter, Jogi Löw macht weiter, aber das Musikmagazin Spex hört zum Jahresende auf. So viel Dialektik muss sein. Gleichwohl hat die Nachricht vom Aus des Musikmagazins im 38. Erscheinungsjahr nicht nur MitarbeiterInnen, Company-Freaks, KünstlerInnen und MusikjournalistInnen im ganzen Land traurig gestimmt, sondern zwei, drei Generationen von PophörerInnen, die mit Texten aus der Spex sozialisiert wurden.

Was den Musikjournalismus hierzulande angeht, ist 2018 ein annus horribilis: Nicht nur, dass mit Intro und Groove bereits zwei sogenannte Special-Interest-Magazine im laufenden Jahr Federn lassen mussten und ihre Printausgaben eingestellt hatten. Mit dem Ende von Spex wird es nun bis auf Weiteres kein unabhängiges deutschsprachiges Printmusikmagazin mehr geben.

Keine unabhängige Plattform mehr, auf der Experten einen Rundumüberblick zu visionärer neuer Musik und talentierten KünstlerInnen geben können. Mit Spex verschwindet zudem eine Publikationsmöglichkeit für AutorInnen, die nicht von der Journalistenschule kommen, aber trotzdem Schlaues über Pop schreiben.

Weiterhin erscheinen werden dagegen Rolling Stone und ME/Sounds, beides Magazine des Springer-Konzerns und bieder rockistisch in ihrer Zielsetzung, und Melodie & Rhythmus, dienstältestes deutsches Musikmagazin, das ob seiner orthodoxen politischen Ausrichtung allerdings außer ästhetischer Konkurrenz steht.

Hot Topics

Anders als es der ehemalige Spex-Chefredakteur Christoph Gurk am Montag geäußert hatte, wird aber auch nach dem Ende des Magazins weiterhin „kritische und anspruchsvolle Begleitung von Popkultur“ möglich sein. Sie gibt es, wenn auch fragmentierter als früher, inzwischen an vielen Orten: Seit längerem in Feuilletons, wie etwa der Neuen Zürcher Zeitung und der taz, genau wie im Netz auf Seiten wie Das Filter und Kaput Mag.

In der vierteljährlichen buchdicken Pop-Zeitschrift. Allabendlich im öffentlich-rechtlichen Radio, wo es die Sendung „Zündfunk“ im Programm von Bayern 2 seit Langem schafft, geistreich über Popkultur zu berichten. Was jedoch mit dem Ende von Spex aufhört, ist automatische Meinungsführerschaft beim Setzen von Hot ­Topics. Das wird in Zukunft unübersichtlicher werden, und es macht das Eintreten für die Sache des Pop nicht leichter.

Dass Pop im deutschsprachigen Raum seit mehr als 40 Jahren in einen intellektuellen Diskurs eingebettet ist, irgendwo im Luftraum zwischen Universität, Medien und Kunst, daran hatte die Spex einen großen Anteil. Es wäre zu hoffen, dass aus genau diesem Luftraum auch wieder Impulse für ein neues Zeitschriftenprojekt kommen.

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