NPD-Aufmarsch blockieren?

Pro: Kein Fußbreit den Faschisten!

Auch 100 Neonazis sind zu viele: Sie laufen zu lassen, würde sie belohnen. Es würde ihnen Raum zugestehen, den sie nicht bekommen dürfen.

Polizisten schützen einen NPD-Auftritt in Berlin. Bild: dpa

Als bekannt wurde, dass die Nazis am morgigen Samstag durch Kreuzberg laufen wollen, hat man sich schon gefragt, ob sie nun auch noch ihr letztes bisschen Hirn verloren haben: Aus dem verhassten linksalternativen Bezirk unbeschadet wieder herauszukommen hätte schwierig für sie werden können.

Nun schützt der Staat die Nazis erst einmal vor sich selbst – indem er die Route nicht höchst provokant mitten durchs Kreuzberger Herz führen lässt, vorbei am Oranienplatz, auf dem in den letzten eineinhalb Jahren Flüchtlinge ihre Zelte aufgeschlagen hatten. Sondern die Nazis am Rand des Bezirks laufen lässt – ärgerlich genug.

Einzig mögliche Reaktion

Der zweite, schwierigere Job der Behörden ist nun der Versuch, die Nazis von den Gegendemonstranten zu trennen, die da kommen werden. Mobilisiert wird vonseiten der Antifa, von linken Bündnissen und von Parteien – mit mehreren tausend Gegendemonstranten wird gerechnet. Und deren Ziel, den Aufmarsch durch Blockaden zu verhindern, ist die einzig angemessene Reaktion darauf.

Neonazis mit Missachtung zu strafen wäre eine Kapitulation. Sie laufen zu lassen, würde sie belohnen, es würde ihnen Raum zugestehen, den sie nicht bekommen dürfen. Was wäre es für ein Zeichen, sie ungehindert an ihr Ziel, dem U-Bahnhof Stadtmitte, kommen zu lassen? Man mag sich gar nicht vorstellen, welche Siege tags darauf gefeiert würden, im Netz und anderswo.

Ob im Herzen von Kreuzberg oder am Rand des Bezirks, ob in Schöneweide oder Brandenburg oder sonst wo – bei Naziaufmärschen kann nur der gute, alte Grundsatz gelten: kein Fußbreit den Faschisten!

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Jahrgang 1979, ist seit 2012 bei der taz. Sie war Chefin vom Dienst in der Berlinredaktion, hat die Seite Eins gemacht und arbeitet jetzt als Genderredakteurin im Inland.

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