Kommentar von Georg Baltissen
Der Vergleich drängt sich auf. Und er ist durchaus plausibel. Vor 50 Jahren tobte die Schlacht um Algier, die mit der Befreiung des Landes von der französischen Kolonialmacht endete. Der gleichnamige Film ist ebenso legendär wie die Schlacht selbst. In diesen Tagen nun hat die Schlacht um Damaskus begonnen. Und auch diese Schlacht wird wieder Geschichte schreiben.
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Vor Tagen noch hat niemand erwartet, dass es den bewaffneten Rebellen gelingen würde, die Kämpfe ins Zentrum der Macht zu tragen. Doch mit dem Bombenanschlag auf die Führungsspitze des Regimes, dem sogar der Schwager von Baschar al-Assad zum Opfer gefallen ist, ist der Opposition ein spektakulärer Schlag gelungen.
Seit vier Tagen tobt jetzt mitten in Damaskus ein Aufstand, der das Regime offensichtlich völlig überrascht hat. An der überlegenen Feuerkraft der Regierungstruppen, die über Artillerie und Kampfhubschrauber verfügen, gibt es derzeit noch keinen Zweifel.

Georg Baltissen
ist Redakteur im Auslandsressort der taz.
Foto: privatDoch waffentechnische Überlegenheit allein reicht nicht mehr aus, wie der Sprengstoffanschlag auf den innersten Machtzirkel belegt. Zwar verfügen die Rebellen nur über leichte Waffen, doch haben sie das Moment der Überraschung und die überlegene Moral auf ihrer Seite. Im Straßen- und Häuserkampf ist dies ein echtes Plus.
Der Coup der Rebellen spricht sehr dafür, dass das Regime dem Zusammenbruch näher ist, als es bisher den Anschein hatte. Damaskus und Aleppo sind jetzt Teil des Kampfs um die Macht in Syrien. Von Normalität kann in der Hauptstadt keine Rede mehr sein. Sie ist Kriegsgebiet.
Zu Wochenbeginn titelte die Regierungszeitung al-Watan siegesgewiss „Damaskus bekommt ihr nie“. Diese Art propagandistischer Zuversicht ist in ihren Grundfesten erschüttert. Je länger die Kämpfe in Damaskus andauern, desto näher rückt der Fall des Assad-Clans.
Im Fastenmonat Ramadan, der an diesem Wochenende beginnt, gilt die Opferbereitschaft der Muslime als besonders ausgeprägt. Darauf setzt die Opposition. Eine Lösung unter internationaler Vermittlung ist damit in weite Ferne gerückt. Die „Operation Vulkan“ hat in Damaskus mit einem Paukenschlag begonnen. Sie könnte in ganz Syrien das vorhergesagte „Erdbeben“ auslösen, das in absehbarer Zeit zum Sturz des Regimes führt. Der Bürgerkrieg ist in vollem Gange. Er wird noch einen hohen Blutzoll fordern. Aber die Tages des Regimes sind gezählt.
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Leserkommentare
20.07.2012 09:10 | Linus Blau
"Zwar verfügen die Rebellen nur über leichte Waffen, doch haben sie das Moment der Überraschung und die überlegene Moral au ...
19.07.2012 17:38 | Schweizer
"tommy", und ich hoffe, dass Assad abtreten wird - und er wird. Dass Sie kein "islamistisches Regime in Syrien" (was ist ei ...
19.07.2012 13:17 | tommy
Hoffentlich gelingt es Assad, die Terroristen zu besiegen - auch wenn er ein Despot ist, ein islamistisches Regime in Syrie ...