Was zum Weltkatzentag gesagt werden muss

Die Alphatiere des Internets

Miao, miao, Weltkatzentag! Wie die Katzen 2012 den Angriff eines anderen Flauschtieres geschickt weggeschnurrt haben. Und: Das beste Katzencomic der Welt.

Kraul mir den Kopf! Sonst zerkratze ich dein Gesicht und esse deine Schuhe.  Bild: Michael Brake

Endlich ist wieder Weltkatzentag, oder WKT, wie wir Katzeninsiderprofis sagen. Und es war ein aufwühlendes Jahr für die Katzen. Menschen machten sie zu Helikoptern. Andere nutzten sie als Drogenkuriere. Eine Katze überlebte einen 2-Stunden-Waschmaschinengang, der dickste Kater der Welt überlebte hingegen nicht.

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Meine Katze Mono fing ihren ersten Vogel (explizite Bilder). Und auf der re:publica wurde es dann von Sascha Lobo ausgesprochen: Katzen im Internet, abgestuft von AAA auf AA+. Igel und Eulen gleichzeitig aufgewertet. Die Ende der Hegemonie in Flauschdigitalien drohte.

Und auch ich war da schon längst der Eule verfallen. Der Sphinx der Lüfte, dem Vogel der 1.000 Gesichter, einem verknautscht-verspulten Außenseitertier mit Superfeatures wie Pseudoohren und 270-Grad-Halsdrehfunktion. Ihr unaufhaltsam steiler Aufstieg war so unaufhaltsam und steil, dass schnell ganz Facebook vereult war und die Eulen schon im Frühjahr die Stars in einem Lufthansa-Werbespot waren.

Doch wie so viele Sachen, die ganz schnell ganz toll sind, war es genauso plötzlich wieder vorbei. Aus dem Nichts standen sie auf dem Titelblatt der kostenlosen TV-Beilage Prisma, als „Kult“ – und durften sich in der Trendtierliste ganz weit hinten, irgendwo zwischen Berner Sennenhund und Antilope, einsortieren. Hätten Eulens es doch alles ein wenig langsamer angegangen. Vielleicht gibt es ja noch eine zweite Chance.

Bleiben die Igel. Die lieben Igel! Die haben sich angesichts des Eulenschocks auch erstmal zurückgezogen und halten ihre niedlichen Füßchen still. Und so sind die Katzen wieder die Alphatiere in diesem Internet, zu deren Ehren am 30. August in Minneapolis endlich das erste Internet Cat Video Festival ausgerichtet wird – wer keine Zeit hat, kann sich mit Meowbify auch einfach alle Webseiten mit Katzenvideos zupflastern.

Doch zu Katzenvideos wurde ja vor einem Jahr schon alles gesagt, neu dazu gekommen ist nur die Anfield Cat aus dem Premier-League-Spiel Liverpool gegen Tottenham. Dieses Mal soll es hier um Katzencomics gehen, genauer: Die Rückübertragung des Katzenvideoprinzips in Comicform.

Cat Getting Out of a Bag.  Bild: Jeffrey Brown, aus dem besprochenen Band

Da gibt es einmal die ziemlich berühmte Simon's Cat, eine Erfolgsstory, die mit einem wirklich hübschen Animationsfilm über eine Katze, die ihren Besitzer aufweckt, begann. Das schöne an dem Film ist, dass er halbwegs reduziert und realistisch (okay, abgesehen von dem Baseballschläger) zeigt, wie Katzen halt sind. Doch, ach: Die Verlockung einer auszuschlachtenden Humor-Marke machte Zeichner Simon Tofield schwach. Er machte immer mehr Filme und daraus auch noch Comicbücher, inzwischen gibt es vier davon, sie sind auch in Deutschland erschienen.

Hier gibt es armseliges Lustigkeitsgewitter statt präziser Beobachtung, antropomorphisierenden Quark, wie Garfield, aber ohne gute Pointen und unanimiert dann eigentlich auch gar nicht so gut gezeichnet – allenfalls brauchbar als Geschenk für Menschen, die sich selbst als der „Dosenöffner“ ihrer Katze vorstellen.

Wie bräsig das alles wirkt, merkt man vor allem, wenn man als Kontrast das wesentlich ältere „Cat Getting Out of a Bag and Other Observations“ und seinen Nachfolger „Cats Are Weird“ daneben stellt, von Jeffrey Brown, der zuletzt das allein schon von der Idee her großartige „Darth Vader and Son“ gezeichnet hat.

In drei mal drei Bildern pro Seite passiert meist sehr wenig: Katze putzt sich. Katze niest. Katze dreht sich im Kreis und legt sich hin. Katze bewegt sich durch die Küche. Katze versteckt sich. Katze gähnt. Zenhafte Szenen, hinreißend gezeichnet, in grobem, leicht expressionistichem Kohlestrich. Jeder Katzenmensch wird „Ja! Genau so ist es!“ rufen und Jeffrey Brown für seine Bilder lieben. Alle anderen werden sich langweilen.

Sollen sie halt. Sie haben es nicht besser verdient.

 

Michael Brake lebt in Berlin und arbeitet als freier Journalist, Redakteur und Lektor, unter anderem für die taz, zeit.de und fluter.de. Er schreibt Kolumnen, Rezensionen und Alltagsbeobachtungen im Feld zwischen Popkultur, Medien, Internet, Berlin, Sport und Tieren.

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