Helmut Frenz ist tot. Der Theologe und Menschenrechtsaktivist - auch bekannt als "Roter Pfarrer" - riskierte in seinem Leben viel. Vor allem während seiner Jahre in Chile.von BERND PICKERT

Nach dem Militärputsch in Chile 1973 half Helmut Frenz vielen Verfolgten des Pinochet-Regimes - und wurde deswegen später aus dem Land ausgewiesen. Bild: dpa
BERLIN taz | Helmut Frenz war einer jener Kirchenmänner, die auch dem hartnäckigsten Atheisten Respekt abnötigten. Der Mann, der am Dienstag 78-jährig in Hamburg starb, galt vielen als ein Vorbild in Sachen Aufrichtigkeit und Engagement - in Chile, seiner langjährigen Wirkungsstätte, wie in der deutschen Menschenrechtsszene.
Es war wohl eher eine Mischung aus Neugier und Langeweile, die den damals 32-jährigen Theologen, der sieben Jahre vorher Pfarrer geworden war, 1965 ins chilenische Concepción verschlug. Doch der Aufenthalt in Chile sollte sein Leben verändern. Frenz kam ohne Spanischkenntnisse in Chile an, und die schienen zunächst auch gar nicht nötig, bestand doch seine evangelisch-lutherische Pfarrgemeinde fast ausschließlich aus deutschen Auswanderern, die sich untereinander ohnehin nur auf Deutsch verständigten.
Frenz lernte Spanisch, und das war der Eintritt in die chilenische Gesellschaft, deren extreme Ungleichgewichte zwischen Arm und Reich ihn bald beschäftigten. Frenz begann, sich um sozial Benachteiligte zu kümmern, unterstützte auch mal eine Landbesetzung und galt in seiner eher konservativ geprägten Gemeinde bald als "Roter Pfarrer".
Das war er zu diesem Zeitpunkt wahrlich nicht. Zwar hatte Frenz Sympathie für die sozialen Vorhaben des 1970 an die Regierung gewählten Sozialisten Salvador Allende. Als Allende am 11. September 1973 durch die Militärs unter Führung von General Augusto Pinochet gestürzt wurde, zeigte Frenz, der seit 1970 Bischof seiner Kirche in Chile war, in Briefen nach Deutschland Verständnis für den Putsch und hoffte, die Militärs würden die Menschenrechte achten.
Gleichzeitig aber kam er sofort mit Opfern der Militärs in Berührung - und half. In seiner Gemeinde versteckte er jene, die vor Verfolgung aus anderen lateinamerikanischen Ländern in Chile Schutz gesucht hatten und sofort ins Visier der Militärs gerieten, und bald auch Chilenen, die um ihr Leben fürchten mussten. Etlichen verhalf er zur Flucht, auf zum Teil abenteuerliche Weise und unter hohem persönlichen Risiko.
Schon wenige Monate nach dem Putsch hatte Frenz genug gesehen, um zum erbitterten Gegner der Militärdiktatur zu werden. 1975 wurde es dem Regime zu bunt: Als Frenz zu einer Tagung in Genf weilte, wurde ihm die Wiedereinreise nach Chile verweigert.
Nur ein Jahr nach seiner erzwungenen Rückkehr - Frenz engagierte sich in Deutschland weiter gegen die Menschenrechtsverletzungen der lateinamerikanischen Militärregierungen - wurde er zum Generalsekretär der deutschen Sektion von Amnesty International gewählt, die er bis 1985 leitete.
Seiner zeitweiligen Wahlheimat blieb Frenz verbunden und kehrte nach dem Ende der Diktatur immer wieder zurück, um bei der Aufarbeitung zu helfen. Jahrelang half er Opfern der Diktatur, ihre Entschädigungsansprüche geltend zu machen, geißelte die Kooperation auch deutscher Unternehmen mit den Militärdiktaturen und rief stets seine Kirche auf, sich politisch, nicht nur karitativ, auf der Seite der Schwachen zu engagieren.
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