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Netzwerktreffen freier SpielorteSchlüssel und Stempel, Ideen und ganz viel Zeit

Brandenburg will darstellende Künste im ländlichen Raum stärken. Am Donnerstag trafen sich Verantwortliche und Kreative in Eberswalde.

Das flache, und auch das mitunter hüglige Land ist unterversorgt. Das gilt für ÖPNV, medizinische Versorgung, digitale Infrastruktur und auch für Kultur. Diesen Mangel zumindest für die darstellenden Künste zu lindern, war Anliegen des mittlerweile 6. Netzwerktreffens Brandenburger Spielorte. Ausgerichtet wurde dieses am vergangenen Donnerstag vom Landesverband freie darstellende Künste (FDKB) in Eberswalde.

Mit dem Motto „Schlüssel, Stempel und Ideen“ charakterisierte Reiner Walleser, Leiter der Abteilung Kultur im Brandenburger Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur (MWFK), den Ansatz. „Schlüssel“ meint dabei die Menschen, die Zugang zu Häusern und Hallen, Ställen und Wiesen haben, auf denen gespielt werden könnte. „Stempel“ steht für die Verwaltung, die freies Spielen ermöglichen soll, und „Ideen“ für die Kulturschaffenden selbst.

Für 2.229 Veranstaltungen mit 232.136 Zuschauenden in 99 Gemeinden sorgten im letzten Jahr die freien Theaterschaffenden im Lande, fasste er zusammen. Die Besonderheit dabei, so Walleser: „Die meisten dieser Orte, an denen gespielt wurde, haben keine eigene Intendanz, kein eigenes Ensemble und keinen technischen Leiter. Aber sie haben jemanden mit einem Schlüssel.“ Diese Menschen mit den Ideen zusammenzubringen, sei Aufgabe auch der Verwaltung eines Landes, das zu mehr als 80 Prozent seiner Fläche ländlich geprägt ist, betonte er.

In Glücksmomenten verfügen die Menschen mit den Ideen selbst über die Schlüssel. Die Künstlerin Marie Golüke etwa übernahm nach einigen Jahren in der freien Szene Berlins in ihrem Heimatdorf Dahnsdorf im Fläming einen Kuhstall und baute ihn zum Festival-Hub ARTHOK aus. Zuweilen sind sich Schlüsselverantwortliche und Ideengeber einfach nur nahe. Im Städtchen Oderberg veranstaltet der Regisseur Heiko Michels seit vier Jahren in dem von einem Privatmann erworbenen Rathaus die interdisziplinären Rathausspiele. In Strausberg wiederum sind Schlüssel- und Stempelinhaber identisch: Die Verwaltung sucht aktuell aktiv nach einem Betreiber für die kulturelle Nutzung des einstigen Stadthauses. Das Votum für kulturelle Nutzung resultiert dabei aus einem Beteiligungsverfahren der Bevölkerung.

Für die Fälle, in denen Schlüssel und Ideen noch nicht zusammengekommen sind, schuf der Landesverband FDKB eine Datenbank der Spielorte, mittlerweile sind es 185. Auf die Datei dürfen auch Künst­le­r:in­nen anderer Branchen wie Mu­si­ke­r:in­nen und bildende Künst­le­r:in­nen zugreifen. Sowohl die Anzahl der bespielten Orte als auch die Frequenz der Veranstaltungen nahmen in den letzten Jahren zu. Das flache Land ist also alles andere als eine kulturelle Wüste.

Weniger Publikum durch höhere Spritpreise

Probleme gibt es dennoch. Wer bei regelmäßigem Spielbetrieb auch auf auswärtige Gäste angewiesen ist, muss derzeit aufgrund der gestiegenen Spritpreise eine Delle beim Publikumszuspruch verkraften. Dem kontinuierlichen Spielbetrieb im ländlichen Raum sind zudem Engagementsgrenzen gesetzt. Für das biennal stattfindende Kulturblüten-Festival in Wahlsdorf im Fläming gewinnt Regisseur Matthias Ludwig problemlos freiwillige Helfer im Ort für Auf- und Abbau. „Veranstaltest du etwas alle 14 Tage, wird es schon schwieriger“, meinte er beim Netzwerktreffen.

Große Bedeutung hat im ländlichen Raum der Faktor Zeit. „Es braucht Zeit, einander kennenzulernen, ästhetisch wie menschlich“, beschrieb Katja Kettner, künstlerische Co-Leiterin des Kanaltheaters in Eberswalde, den Prozess, vor Ort Publikum und Mit­strei­te­r:in­nen zu gewinnen. Ist das Vertrauen aber erst einmal aufgebaut, sei Publikum viel schneller zu aktivieren als etwa in der Großstadt, beobachtete sie. Das Kanaltheater profitiert aktuell von der Langfrist-Förderung des Ankerpunkte-Programms des Landes mit bis zu sechsjähriger Förderung für einzelne Standorte. Es soll ab 2028 in eine dritte Runde gehen, versicherte Abteilungsleiter Walleser.

Eine neue Vernetzungsinitiative ist das Gastspielprogramm „Spielzeit“ des FDKB. Es bietet ab Januar 2027 Schulen vorwiegend im ländlichen Raum Aufführungen und Workshops vor Ort von freien darstellenden Künst­le­r:in­nen für Kinder und Jugendliche an.

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