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Neue Geldscheine in SimbabweDie unermüdliche Suche nach einer stabilen Währung

Zwei Jahre ist Simbabwes Währung „Zimbabwe Gold“ erst alt – und schon tauscht die Zentralbank die Geldscheine aus. Sie will damit Vertrauen schaffen.

Die neuen Geldscheine, hier bei der amtlichen Präsentation, werden ab April gültig Foto: Philimon-Bulawayo/reuters

Aus Harare

Marcus Mushonga

Simbabwe, das seit Langem keine stabile eigene Währung mehr hat, bekommt neue Geldscheine. Zentralbankgouverneur John Mushayavanhu stellte vergangene Woche mehrere neue Scheine der 2024 eingeführten aktuellen Landeswährung Zimbabwe Gold (ZiG) vor, als Teil größerer Reformen, um die Wirtschaft zu stabilisieren.

„Die Einführung der neuen ZiB-Scheine soll die Integrität unserer Währung erhöhen und Vertrauen in das Geldsystem stärken“, sagte er. Die neue Währung bleibe weiterhin an reale Reserven gebunden, um sie stabil zu halten.

Die öffentliche Reaktion auf das neue Geld ist skeptisch. Kosmetische Veränderungen an Geldscheinen seien nicht geeignet, den Währungsverfall aufzuhalten, sagten viele Nutzer sozialer Medien. „Niemand interessiert sich für das Design, wenn es nichts wert ist“, lautete ein Kommentar.

Einer meinte, er werde dem Geld erst vertrauen, wenn der Zentralbankgouverneur selbst es benutze. Und eine andere Userin schrieb: „Solange ich mit diesem Papiergeld keine Gebühren bezahlen und kein Benzin kaufen kann, wandert es in den Müll wie seine Vorgänger. Wie einer zusammenfasste: ‚So viel Hype um eine Währung, mit der man nicht tanken kann.‘“

Ausländische Währungen sind gefragter

Diese Kritik bezieht sich auf die Tatsache, dass seit der Hyperinflation der 2000er Jahre alle wichtigen Transaktionen in Simbabwe in ausländischer Währung getätigt werden, zumeist der US-Dollar. Dies gilt nicht nur im Einzelhandel oder in privaten Geschäften, sondern auch für staatliche Gebührenordnungen und Treibstoffpreise.

Dass eine Landeswährung im eigenen Land nur bedingt einsetzbar ist, nennen Ökonomen ein „duales Währungssystem“, das in der Regel von Preisverzerrungen gekennzeichnet ist – die ausländische Währung wird meist als wertbeständiger wahrgenommen und bevorzugt. Wenn sogar einflussreiche Figuren in einem Land sich weigern, die eigene Währung im Alltag einzusetzen, setzt sie sich nicht durch.

Simbabwe hat eine Geschichte gescheiterter Währungen. Der zur Unabhängigkeit 1980 eingeführte Zimbabwe Dollar, allgemein Zim-Dollar genannt, wurde in den 200er Jahren Opfer der Hyperinflation der Mugabe-Ära. Als nach mehreren Abwertungen im Jahr 2009 sogar Geldscheine im Nominalwert von 100.000.000.000.000 Zim-Dollar ausgegeben werden mussten, wurden ausländische Währungen amtliche Zahlungsmittel, vor allem der US-Dollar und der südafrikanische Rand.

Ein neuer Zim-Dollar, genannt RTGS-Dollar (Real Time Gross Settlement) wurde 2019 eingeführt, konnte sich aber gegen die ausländischen Währungen nicht durchsetzen und wurde 2024 zugunsten der aktuellen Währung ZiG abgeschafft, die angeblich durch Goldreserven abgedeckt und damit stabil ist.

Die Debatte über den ZiG reflektiert eine tiefergehende nationale Debatte voller Selbstzweifel über ökonomische Souveränität, politische Glaubwürdigkeit und die Lebenserfahrung der Menschen. Zur Debatte steht nun, ob der ZiG ein Symbol neu gefundener Stabilität wird oder lediglich ein weiteres kurzes Kapitel in der Geschichte simbabwischen Geldes. Das, da sind sich die Menschen einig, ist keine ästhetische Frage.

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