Neue Obdachlosenzeitung

Schnelle Nachfolge für Strassenfeger

Die Sozialgenossenschaft Karuna bringt eine neue Obdachlosenzeitung heraus, Jugendliche „im Abseits“ machen mit bei der Redaktion.

„Sehr, sehr dankbar“: Sozialsenatorin Elke Breitenbach (3.v.l, hinten) mit Jugendlichen, Zeitungsmachern und -verkäufern vor dem Abgeordnetenhaus Berlin Foto: Susanne Memarnia

Das ging fix. Nur zehn Tage nach dem Aus für den Strassenfeger gibt es eine neue Obdachlosenzeitung. Die erste Ausgabe von Karuna Kompass wurde am Donnerstag vor dem Abgeordnetenhaus von Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) und dem Initiator Jörg Richert von der Sozialgenossenschaft Karuna vorgestellt. „Wir sind Karuna sehr, sehr dankbar, dass sie nach dem Aus des Strassenfeger so schnell eingesprungen sind“, sagte Breitenbach und kaufte symbolisch für 20 Euro einen Stapel Exemplare.

Den Strassenfeger gab es seit 1994, zunächst unter dem Namen mob-Magazin. 200 bis 250 Verkäufer kauften zuletzt die Zeitung für 60 Cent und verkauften sie für 1,50 Euro weiter. Vor allem finanzielle Gründe zwangen den Verein mob e. V. in der vorigen Woche, sich von dem Hilfe-zur-Selbsthilfe-Projekt zu verabschieden. Zudem gab es zunehmende Beschwerden, dass manche die Zeitung nur als „Vorwand“ zum Betteln benützten.

Die Genossenschaft Karuna kümmert sich mit zahlreichen Projekten in der Stadt um obdachlose Jugendliche, etwa in der Erstanlaufstelle Drugstop und der Jugendinitiative Momo. Mitglieder der Genossenschaft sind zudem Organisationen, Firmen und Einzelpersonen, darunter das Unternehmen Independent Connectors. Dieses habe die erste Ausgabe von Karuna Kompass aus Ideen von Jugendlichen realisiert, so Richert zur taz.

Nächste Ausgabe mit Obdachlosen gemeinsam

„Die Zeitung war also ohnehin da, es gab noch viele Exemplare. Da hatten wir die Idee, sie den Obdachlosen zu schenken“, erklärt Sophie Röder. Die 21-Jährige macht seit April ihren Bundesfreiwilligendienst bei Momo. Die nächste Ausgabe – die Zeitung soll ab August monatlich erscheinen – würden sie mit Obdachlosen gemeinsam gestalten, so Röder. Finanziell sei das Projekt für das erste Jahr gesichert, so Richert. Die Druckkosten von monatlich 2.000 bis 3.000 Euro werde die Genossenschaft übernehmen, man wolle zudem Stiftungen ansprechen und Anzeigenkunden werben. Redaktion und Layout arbeiteten ehrenamtlich.

Neu ist, dass die Zeitung umsonst an Verkäufer ausgegeben wird. Dies sei für manche, die sich nicht einmal den Ankauf einiger weniger Exemplare leisten konnten, „sehr wichtig“, lobt Werner Franke, der über elf Jahre den Vertrieb des Strassenfegers organisiert hat. Dass Karuna allerdings nicht kontrollieren will, wer sich Zeitungen nimmt – beim Strassenfeger gab es einen „Ausweis“ für registrierte Verkäufer –, sieht er skeptisch.

Richert hält dagegen: Karuna werde die Verkäufer nicht kontrollieren. „Wer sich Zeitungen holt, wird es nötig haben.“ Sollte es aber Probleme geben durch zu viele Verkäufer an einem Ort – etwa dem Hauptbahnhof –, werde man das prüfen.

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