Neuer Chef der Revolutionsgarden im Iran: Wahnhafter Israelhass
Ahmad Vahidi ist der neue Kopf der mächtigen Iranischen Revolutionsgarden. Er ist ein Hardliner im Geiste des getöteten Ajatollahs Chamenei.
Ahmad Vahidi heißt seit Sonntag der höchste Kommandant der Revolutionsgarden. Der 70-Jährige folgt Mohammad Pakpour, der am Tag zuvor bei einem gezielten israelischen Luftangriff getötet wurde. Vahidi steht seit Langem auf der Todesliste Israels. Die Lebensgeschichte dieses Mannes macht es fassbar, warum heute in Nahost ein Krieg tobt, der das Gesicht unserer Welt höchstwahrscheinlich vollkommen verändern wird. Er verkörpert den wahnhaften Israelhass von Ali Chamenei.
Als Vahidi 1957 in Schiraz, im Süden Irans, zur Welt kommt, heißt er Schah-Cheraghi, benannt nach einem Heiligen, der seit fast 1.200 Jahren in seiner Stadt ruht. Zum Zeitpunkt der iranischen Revolution ist er 18 Jahre alt, schließt sich sofort dem Sicherheitskomitee der Stadt an und gehört sodann zu den mächtigen Jungs. Er tauft sich in Vahidi um, im ersten Golfkrieg mit dem Irak ab 1980 ist er sichtlich präsent, steigt sogar zum Feldkommandeur auf.
Nach diesem sieglosen Krieg, der fast eine Million Tote verursachte, ließ er sich, wie alle Kommandanten der Garde, wie ein Held feiern. Kurz nach Kriegsende wird Ali Chamenei zum neuen Führer der „Republik“ gewählt. Eine seiner ersten und wahrscheinlich die folgenschwerste Entscheidung war, die Gründung der sogenannten Quds-Brigaden.
Schlüsselfigur der Quds-Brigaden
Vahidi wird der erste Kommandeur dieser Einheit, er blieb bis 1997 in dieser Position. So wird er zu einer der Schlüsselfiguren dieser Garde für Auslandseinsätze, beteiligt sich im Bosnienkrieg, übernimmt die Koordinierung der antiisraelischen Aktivitäten rund um Globus.
Den Schwerpunkt seiner Tätigkeit bildet die Zusammenarbeit mit der libanesischen Hisbollah, die verlässlichste Partnerin des iranischen Regimes. Als am 14. Juli 1994 ein heftiger Bombenanschlag das jüdische Gemeindezentrum von Buenos Aires erschüttert, ist Vahidi offenbar der Hauptakteur. 85 Menschen kommen ums Leben, 300 werden zum Teil schwer verletzt, 400 in der Umgebung liegende Häuser mit Wohnungen und Geschäften werden zerstört.
Für den israelischen Geheimdienst, ebenso wie für die westlichen Geheimdienste, scheint festzustehen: Vahidi ist derjenige, der diesen schweren Bombenanschlag geplant, finanziert und ausgeführt hat oder ausführen ließ.
Er steigt im Sicherheitsapparat weiter auf, wird Verteidigungs- und Innenminister. Während der „Frau, Leben, Freiheit“-Bewegung nach dem gewaltsamen Tod von Jina Mahsa Amini 2022 wurde er zur Schlüsselfigur der Repression und gehörte zu den vehementen Befürwortern des Kopftuchzwangs.
Er drohte Frauen, die das Kopftuch locker tragen
Er droht allen Frauen, die wie Amini ihr Kopftuch nur locker tragen: „Wer unangemessene Kleidung oder keinen Hidschab trägt, erhält zunächst eine Verwarnung, dann kommt die Bestrafung. Die Einhaltung des Kopftuchzwangsgesetzes ist eine Bürgerpflicht.“
Nun verantwortet Vahidi auf dem Höhepunkt seiner Karriere und als oberster Kommandant der Revolutionsgarden die Raketen- und Drohnenangriffe auf die arabischen Golfstaaten.
Apokalypse ist im schiitischen Denken nichts Mythisches, sondern etwas Reales. Der Messias ist im Schiismus eine konkrete historische Figur, mit Geburtsdatum, Geburtsort und vielen Erzählungen aus dessen Leben. Er ist der zwölfte verborgene Imam, auf dessen Kommen alle warten. Doch kurz bevor er kommt, tritt die Endzeit ein.
Ist Ahmad Vahidi nun derjenige, der die neue Zeit einläutet? Er war immer ein gläubiger Schiit.
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