In Stuttgart gründen drei Parteien einen Verein, um den Gegenkandidaten von Fritz Kuhn zu unterstützen. Wozu braucht ein Parteienkandidat so etwas?von Nadine Michel

Zeigt sich transparent: OB Kandidat Turner mit seinem Kontrahenten Kuhn. Bild: dpa
STUTTGART taz | Im Kampf um den Posten des Oberbürgermeisters haben die Spitzen der Stuttgarter CDU, FDP und Freien Wähler den Verein „Bürger-OB – Sebastian Turner für Stuttgart“ gegründet.
Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?
Damit wollen sie die Unterstützung für den parteilosen Werbeprofi bündeln. Die Gründung wirft jedoch viele Frage auf, vor allem: Wofür braucht es einen Verein, hinter dem letztlich Parteien stehen? Ins Blickfeld rückt dabei die Wahlkampffinanzierung.
„Die breite Unterstützung durch drei Parteien wollen wir eben auch in einer Struktur für den Wahlkampf, für die Wahlkampfführung, für die Wahlkampffinanzierung abbilden“, erklärte der CDU-Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Stefan Kaufmann bei der Vorstellung des Vereins am Mittwoch.
Auch Turner sagte, er habe sich den Verein gewünscht. Selbstverständlich biete der Verein auch die Möglichkeit, Spenden zu sammeln. Ein Kuratorium soll laut Satzung „insbesondere auch bei der Schaffung einer ausreichenden finanziellen Basis für die Vereinsarbeit mitwirken“.
Anders als es das Parteiengesetz ab einer Summe von 10.000 Euro regelt, müssen Vereine ihre Spender nicht offenlegen. Und das hat auch dieser Verein nicht vor, erklärt Gründungsmitglied Kaufmann der taz: „Die ganze Finanzierung wird nicht offengelegt.“
Auf die Nachfrage, ob auf diese Weise Spender anonym bleiben könnten, sagt Kaufmann: „Das ist eine Möglichkeit mit dem Charme, den der Verein hat.“ Er glaube allerdings nicht, dass viele davon Gebrauch machen würden, schließlich können nur Parteispenden steuerlich abgesetzt werden.
Transparency International sieht die Vereinsgründung skeptisch. „Damit werden die Regelungen des Parteiengesetzes unterlaufen, der Transparenzgedanke der Parteienfinanzierung missachtet“, sagt Vorstandsmitglied Jochen Bäumel der taz. „Der Verein wäre gut beraten, die Namen der Spender ab einer Bagatellgrenze freiwillig zu veröffentlichen.“
Bislang gibt sich Turner gern transparent. Seinem Gegner von den Grünen, Fritz Kuhn, hat er vorgeschlagen, dieser solle sein Wahlkampfbudget nennen. Im Gegenzug werde er diese Summe nicht übertreffen. Kuhn hat das Angebot abgelehnt.
Turner stand schon einmal in der Kritik. 2006, damals war er Chef der Werbeagentur Scholz & Friends (S&F), ging es um eine Kampagne für die Bundesregierung. Seine Agentur durfte sich nicht bewerben, weil sie bereits für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft arbeitete.
Den Zuschlag bekam dann eine neu gegründete Agentur namens Pergamon, hinter der S&F stand. Pergamon wiederum konnte Ausschreibungskriterien offensichtlich nicht erfüllen. Das Bundespresseamt nahm nach der Kritik die Vergabe wieder zurück.
Tja Turner ist halt ein Verpackungskünstler.Der verpackt auch Sche**** mit Goldpapier und verkauft das den Stuttgartern.So ...
Ich versteh die ganze Aufregung nicht. ...
Ich als Stuttgarterin finde es doch hoch interessant wie sich Herr Turner völlig schambefreit den gleichen Mitteln bedient, ...
Nach Feuergefechten mit Taliban bombardiert die Nato in Afghanistan ein Haus. Doch neben den Taliban sterben auch mindestens zehn Kinder.

Die taz stellt die Parteispenden-Karte und das Recherche-Tool kostenlos zur Verfügung. Das aufwändig recherchierte, inhaltlich und grafisch aufbereitete Material hat mehr als 10.000 Euro gekostet. Die Taz erhofft sich, dass das Thema ein Dauerbrenner wird, mit immer neuen Tipps zu möglichen Unregelmäßigkeiten seitens der User.
Die taz zählt aber auch auf die Bereitschaft der UserInnen, eine solche journalistische Leistung freiwillig zu honorieren. So sollen noch mehr Nutzer über taz-zahl-ich, die im Frühjahr erfolgreich gestartete Mikropayment-Funktion freiwillig für das neue Angebot zahlen.
Wenn das Parteispenden-Angebot tausend Usern jeweils 10 Euro wert wäre, hätte die taz ihre Kosten für Personal, Programmierung und Knowhow schon nahezu gedeckt.
Von Stierhörnern in Stierkämpfern, Zombies und menschlichen Engeln. Unsere Bilder der Woche.

Das Handy hat Geburtstag: Eine kurze Geschichte der ebenso erfolgreichen wie nervtötenden Erfindung.

Was der nordkoreanische Führerkult mit Raketen und Rammlern aus Brandenburg zu tun hat.

Schnee verpiss dich, keiner vermisst dich. Der Frühling muss kommen. Jetzt, sofort. Hau rein, Lenz!


Für alle, die mitreden wollen
Der lange Abschied vom Wachstum, Kriminalität ohne Grenzen, der Kampf um die richtige Landwirtschaft, Sozialpolitik gegen den sozialen Fortschritt, die überfällige Reform der UN: Der neue Atlas der Globalisierung von Le Monde diplomatique veranschaulicht auf 176 Seiten und in über 150 neuen Karten und Infografiken in welchem Tempo die Globalisierung voranschreitet und die Welt verändert.