Palästina/Jerusalem

Programm der Reise

vom 4. bis 14. Okt. 2019

Bethlehem, Graffiti an der Trennungsmauer im Flüchtlingslager Aida Bild: Barbara Staubach www.barbara-staubach.de

1. Tag

Flug nach Tel Aviv, Transfer in unser Hotel in der Nähe des Hafens von Tel Aviv. Vor dem Abendessen ist noch Zeit, das Programm der kommenden Woche zu besprechen und dieTeilnehmer*nnen kennen zu lernen. Beim Abendessen wird Tsafrir Cohen von der Rosa-Luxemburg-Stiftung unser Gast sein.

2. Tag

Wir machen eine kleine Tour durch Tel Aviv und treffen dabei Mitglieder der Gruppe „Combattants for Peace“, Israelis, die früher aktive Soldaten waren und sich jetzt gemeinsam mit Palästinensern in der Westbank, die auf der anderen Seite auch aktive Kämpfer waren, für eine gegenseitige Verständigung einsetzen; nach dem Motto: wir müssen miteinander reden!

Nach einer Mittagspause fahren wir in die seit 1967 besetzten Gebiete der Palästinenser, auch ‚Westbank‘ genannt. In Beit Jala bei Bethlehem besuchen wir eine Umwelt-Initiative in der Schule Talitha Kumi und im Nachbarort Beit Sahour eine Fair-Trade-Kooperative, die in der renovierten Altstadt ein Zentrum betreibt.

Die kommenden zwei Nächte werden wir bei palästinensischen Familien übernachten, eine Art ‚Bed and Breakfast‘, aber mit Abendessen – organisiert von unserem Partner vor Ort, der „Alternativ Tourism Group“. Vor dessen Büro in Beit Sahour treffen wir die verschiedenen Gastfamilien, auf deren Zimmer die Reisegruppe aufgeteilt wird. Abendessen bei den Gastfamilien.

Graffiti von Banksy an einer Hauswand in Bethlehem Bild: Barbara Staubach www.barbara-staubach.de

3. Tag

Wir schauen uns Bethlehem an: beim Rundgang durch die Altstadt besuchen wir natürlich die Geburtskirche, aber auch das Projekt „Wings of Hope“, eine Anlaufstelle für traumatisierte Menschen.

Mit unserem Bus fahren wir zu einigen besonders markanten Stellen der neuen „Trennungsmauer“, werden Graffitis von Banksy entdecken und Claire Anastas‘ Haus besuchen, das an drei Seiten von der Mauer eingekreist ist. Abends Rückkehr nach Beit Sahour zu den Gastfamilien.

4. Tag

Fahrt nach Hebron und Besuch der Altstadt, deren Bewohner seit Jahren mit militanten israelischen Siedlern konfrontiert sind. Bei unserem Gang durch den Altstadt-Souk bzw. was davon übrig geblieben ist, können wir im Laden einer Frauenkooperative traditionelle Stickereien bewundern und treffen palästinensische Jugendliche des Vereins ‚Youth Against Settlements‘. Sie werden vom Leben in dieser besonderen Stadt berichten. Natürlich gehen wir auch zu Abrahams Grab (al-Haram al-Ibrahimi) – auf einer Seite eine Moschee, auf der anderen Seite eine Synagoge, dazwischen Panzerglas.

Shuhada-Straße in der Altstadt von Hebron: früher eine geschäftige Straße zum zentralen Markt, heute Verbindungsstraße zwischen jüdischen Siedlungen im dafür abgetrennten Teil der Stadt; die Palästinenser mussten ihre Häuser verlassen. Bild: Ralf Leonhard

Bevor wir die Stadt verlassen, werfen wir noch einen Blick in eine der berühmten Glasbläsereien von Hebron. Danach fahren wir an Jerusalem vorbei nach Ramallah. Bei einem Orientierungs-Spaziergang in der Umgebung unseres Hotels besuchen wir den Fotografen Majdi Hadid in seinem Studio (www.beautifulpalestine.org). Er wird uns über die Aufteilung der Westbank in die A-, B- und C-Gebiete informieren und beim Abendessen im Hotel unser Gast sein.

5. Tag

Heute entspannen wir uns bei einer Wanderung (ca. 3 Std) durch eine friedliche Hügellandschaft mit kleinen Dörfern, Olivenhainen und Feldern und entdecken dabei alte Kirchen, Sufi-Heiligtümer und die Gastfreundschaft der Palästinenser. Wir fahren zunächst nach Bir Zeit und treffen unseren Wanderführer vom Verein ‚Rozana‘, einer lokalen Initiative. Das Rozana Büro liegt in der restaurierten Altstadt, auf die wir einen Blick werfen. Danach geht es zum Ausgangspunkt unserer Wanderung, rund 30 km westlich von Bir Zeit.

Zurück in Ramallah, treffen wir am späten Nachmittag Bettina Marx, die Büroleiterin der Heinrich-Böll-Stiftung. Die grüne Stiftung unterstützt viele Projekte palästinensischer Gruppen und weiß über deren Situation bestens Bescheid. Falls die Zeit es erlaubt, besuchen wir noch die Gedenkstätte für den Dichter Mahmud Darwisch. Abendessen gibt es wieder im Hotel.

Straßencafé in der Altstadt von Ramallah Bild: Johannes Weber

6. Tag

Der Tag beginnt mit einem Spaziergang durch Ramallah, die provisorische Hauptstadt der Palästinenser: von der kleinen Altstadt über den Manara-Platz bis zum Mausoleum des verstorbenen Präsidenten Yassir Arafat, in dem seit 2 Jahren auch eine sehenswerte Ausstellung über die Geschichte der PLO untergebracht ist.

Anschließend fahren wir hinunter ins Jordantal, 260 m unter dem Meeresspiegel, nach Jericho, eine der ältesten Städte der Welt. Auf dem Weg machen wir einen Stopp in der Judäischen Wüste bei der Sufi-Pilgerstätte Nabi Moussa. In einem Restaurant am Berg der Versuchung können wir den Blick bis nach Jordanien und zum Toten Meer genießen.

Unsere Fahrt geht im Jordantal weiter. Wir besuchen das palästinensische Dorf Jiftlik nördlich von Jericho und treffen Vertreter der palästinensischen Landarbeiter-Gewerkschaft, einer Partnerorganisation von medico international.

Am Abend fahren wir nach Nablus. Unser Hotel liegt mitten im Souk der Altstadt.

Palästinensische Straßenbäcker Bild: Barbara Staubach www.barbara-staubach.de

7. Tag

Am Vormittag machen wir einen Rundgang durch die Altstadt von Nablus in Begleitung eines Gewerkschafters, der die Geschichte der Häuser und Gassen kennt. Die Altstadt von Nablus hat ihren traditionellen Charakter weitgehend erhalten. Unterwegs werden wir auch die Spezialität der Stadt kosten: Knafeh, eine warme Süßspeise mit einem speziellen Käse.

Nach einer Mittagspause fahren wir nach Norden in das Dorf Sebastiya, einst eine wichtige Stadt der Römer, bevor Nablus gegründet war. Davon zeugt ein Ausgrabungsfeld mit römischem Amphitheater, aber fast noch spannender ist die restaurierte Altstadt aus osmanischer Zeit. Am späten Nachmittag fahren wir nach Nablus zurück und treffen Jugendliche in einem Jugend-Zentrum; Abendessen mit einem Gast im Hotel.

8. Tag

Nach dem Frühstück gibt es noch ein Treffen mit einer sehr engagierten Frauengruppe, danach verlassen wir Nablus und fahren zur renommierten Universität in Bir Zeit; dort treffen wir in einem Institut Studenten und Lehrkräfte. Beim Gang über den Campus können wir auch die kleine, aber feine Kunstgalerie im ehemaligen „Ethnographic Museum“ besuchen sowie das neue palästinensische National-Museum.

Sebastiya, in der Nähe von Nablus, war einst eine wichtige römische Siedlung Bild: Ralf Leonhard

Am Nachmittag fahren wir noch einmal nach Ramallah und besuchen 'Riwaq', eine NGO, die sich seit über 25 Jahren sehr erfolgreich für den Denkmalschutz engagiert: historische Bauten, auch in kleinen Dörfern, werden renoviert und der jeweiligen Kommune zur Verfügung gestellt – für Kindergärten, für Frauengruppen oder andere örtliche Projekte. Ziel der Organisation ist es, das Kulturerbe Palästinas zu bewahren, gleichzeitig Bauarbeiter zu qualifizieren und das Wissen über alte Hausbau-Techniken lebendig zu halten sowie Arbeitsplätze zu schaffen. Riwaq arbeitet in 80 Dörfern, restaurierte auch die Altstadt von Bir Zeit und Sebastiya. Im Grunde übernimmt diese NGO Aufgaben der staatlichen Verwaltung.

Am Abend erreichen wir das letztes Ziel unserer Reise: Jerusalem. Unser kleines Hotel liegt im palästinensischen Ost-Jerusalem in der Nähe der Altstadt-Mauer beim Damaskus-Tor. Die ehemalige Stadtvilla aus Natursteinen wirkt mit ihren historischen Möbeln im Flur fast wie ein Museum.Im Gartenrestaurant lassen wir den Tag beim Abendessen mit einem Gast ausklingen.

9. Tag

Der Vormittag gehört der beeindruckenden Altstadt von Jerusalem, eine der größten im Nahen Osten, völlig umschlossen von einer Festungsmauer aus osmanischer Zeit. Hier werden die Häuser und Gassen seit über 2000 Jahren in- und übereinander gebaut: Stein gewordene Geschichte.

Wir besichtigen die berühmtesten Bauwerke, die Klagemauer und die Grabeskirche. Der Besuch von Felsendom und Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg kann nicht garantiert werden. Der Zugang hängt von der politischen Lage ab.

Am Nachmittag fahren wir nochmal Richtung Jordantal bis zur jüdischen Siedlung Kfar Adumim und sprechen dort mit einem Siedler, wie er die Situation und das Verhältnis der Siedler zu den Palästinensern sieht. Zurück in Jerusalem entspannen wir uns beim Abendessen im Gartenrestaurant unseres Hotels.

Tempelberg und "Klagemauer" in der Altstadt von Jerusalem Bild: Barbara Staubach www.barbara-staubach.de

10. Tag

Am letzten Tag können Sie vormittags Ihren individuellen Interessen nachgehen. Die meisten werden nochmal in die engen Gassen der Altstadt eintauchen, in Geschäften stöbern, Galerien besuchen wie z. B. die Kulturstiftung Al Ma’mal, Elias Fotostudio mit Jerusalem-Fotos aus den 1930er Jahren bestaunen oder einfach im Österreichischen Hospiz relaxen. Für Interessierte besteht auch die Möglichkeit, die Holocaust-Gedenkstätte Jad Vashem in West-Jerusalem zu besuchen.

Am frühen Nachmittag unternehmen wir eine Jerusalem-Tour mit dem israelisch-palästinensischen ‚Alternative Information Center‘ (AIC) zum Thema: die ungleiche Entwicklung von „Groß-Jerusalem“ für Palästinenser und jüdische Israelis. Wir erfahren die Logik hinter dem Verlauf der Mauer.

Unsere Tour endet im Ost-Jerusalemer Stadtteil Silwan, von Israelis „Davidstadt“ genannt, wir besuchen eine Frauenkooperative und informieren uns über den Konflikt vor Ort: Silwan wird unterhöhlt von nationalistischen jüdischen Amateur-Archäologen, die unter den Häusern die Reste von Jerusalem zur Zeit König Davids gefunden haben wollen. Daher sind die Häuser der Palästinenser vom Abriss bedroht. Abendessen wieder im Gartenrestaurant unseres Hotels.

11. Tag

Am Vormittag heißt es, von Jerusalem Abschied zu nehmen. Mittags Fahrt zum Flughafen und Abflug von Tel Aviv - Ankunft in deutschen Flughäfen bis zum Abend.

Umstellungen und Änderungen im Detail sind möglich. Stand: 21.1.2019

Der Rückflug kann individuell auch später erfolgen. Näheres beim Veranstalter.

Besonders günstige Aufenthalte in der Westbank sind im Rahmen der "Oliven-Kampagne" möglich, die von unserer Agentur ATG zwei Mal jährlich organisiert werden: bei dem 10-tägigen Programm werden im Frühjahr junge Olivenbäume gepflanzt und im Herbst helfen die TeilnehmerInnen bei der Olivenernte. Die Kosten vor Ort (d.h. ohne Flug) betragen rund 500 €. Nähere Informationen: www.atg.ps