Panter Workshop Nr. 24

Die TeilnehmerInnen

Neid hat keinen guten Ruf. Zu Recht? Der Frage gehen diese 20 NachwuchsjournalistInnen beim nächsten Workshop nach.

Gruppenfoto der TeilnehmerInnen des letzten taz Panter Workshops Nr. 23 Bild: Anja Weber

Dieses Mal dabei sind:

Bild: Elisabeth Kindler

Felix Tschon, 26, aus Köln. Ich mag Fußball und Filme. Ich schreibe hauptsächlich über Fußball und Filme. Freier Redakteur, vor allem für bundesliga.de und das TITEL kulturmagazin. Neuerdings Blogger le cineaste. Studierter Journalist. War mal Chefredakteur dreier Kultur- und Meinungsmagazine, wollte dann lieber selbst schreiben.

Ich bin ungern neidisch, aber durchaus ab und zu. Auf Erfolge, auf Charaktermerkmale, die Erfolge ermöglichen. Lieber aber gönne ich, nicht jeder und jedem, aber denen, die es verdienen. Ist Neid konstruktiv oder destruktiv? Ich weiß es nicht, möchte es jedoch erfahren.

Nastassja von der Weiden, 27, in Worms geboren. Ich studiere Medienforschung (M.A.) und schreibe über Sex, Chancengleichheit, Stigmatisierung und das Nachtleben. Auf meiner journalistisch-literarischen Reise interviewte ich u.a. die feministischen Pornodarsteller*innen spir@lena und Candy Flip von MEOW MEOW, den Dokumentarfilmer Jan Soldat und Bestseller-Autor Michael Nast.

“Neid”, da zitiere ich (fast) immer: “Neid ist die reinste Form der Anerkennung” - dieser Satz macht so manches gleich viel erträglicher (und vice versa). Das Zitat wird in verschiedenen Versionen entweder Wilhelm Busch zugeordnet oder als deutsches Sprichwort deklariert.

Deniz Demirtas, 27, in Ankara geboren. Ich bin vor fünf Jahren nach Deutschland gekommen und bin seitdem Osnabrücker. Ich studiere Germanistik und Geschichte und bin gerade dabei meine Bachelorarbeit zu schreiben.

Kann Neid der Grund für die Teilnahme der Individuen an einem Verbrechen sein? Diese Frage stelle ich mir auf der menschlichen Ebene, seitdem ich meine Bachelorarbeit zum Thema Armenischer Genozid schreibe. Kann Neid eine Erklärung für die Bereitschaft zur Hinrichtung der Türnachbarn sein? Definitiv nicht nur, aber auch Unmengen an Narrativen gefärbt durch eine Art von „alternativen Fakten“, die die Gräueltaten zu legitimieren versuchen, aber auch den Neid offenbaren. Übrigens eine heiße Diskussion zu diesem Thema aus Osnabrück. Fazit: ein spannendes Thema auch in Bezug auf die Semantik des Wortes in unterschiedlichen Sprachen.

Esra Ayari, 27, Köln. Habe Sprach- und Kommunikationswissenschaften und Literatur, Kultur, Medien (puh!) studiert und studiere derzeit Linguistik in Köln. Bin die leitende Redakteurin des Online Magazins „IslamiQ“. Hasse Rassismus und zeige es. Liebe es zu schreiben und lebe es. Bin mal deutsch, mal nicht. Aber immer kölsch.

Vor Neid wird sich in der türkischen Community extrem gefürchtet. Neid kann die Ursache für die „bösen Blicke“ sein, die vom Nazar-Auge (die blau-weißen Steine von deinem letzten Türkei-Urlaub) abgewendet werden sollen. Ich glaube ja nicht daran, aber macht mal trotzdem kein Auge. Danke.

Bild: Christoph Schiffer

Hendrik Pannemann, 28, ich habe in Bremen Politikwissenschaften studiert und mich ausführlich mit dem Ansatz der Gewaltfreien Kommunikation auseinandergesetzt. Auf diese Weise habe ich einen globalen und einen ganz individuellen Blick auf unser Miteinander geworfen. Wechselnde Perspektiven und mit meiner Umwelt in Kontakt kommen – das gefällt mir auch am Radreisen.

Neid verbunden mit dem Wunsch nach einem Weniger für mein Gegenüber oder verstanden als Resultat eigener Fehler, finde ich in erster Linie ganz schön anstrengend. Lieber interpretiere ich Neid als einen Hinweis, mich mit bislang unerfüllten Wünschen zu beschäftigen. Da liegt für mich die konstruktive Energie des Neids.

Bild: Alexander Malecki

Sophie Japp, 23. Als Krankenschwester von Berlin nach Greifswald. Seit meiner Ausbildung, mit dem eigentlichen Ziel, Medizin zu studieren, interessiere ich mich nicht nur für die gesundheitlichen Bedürfnissen der Menschen, sondern habe es mir ebenso zur Aufgabe gemacht, über meine Erfahrungen in unserem Gesundheitssystem zu schreiben.

Das Gefühl Neid kann uns warnen und zur Reflexion zwingen. Im besten Fall schauen wir dann hinter die Kulissen dieses Gefühls und fragen uns, was fehlt mir wirklich im Leben, bin ich glücklich auf meinem Weg?

Johanna Kiermaier, 23, komme aus München und studiere Soziologie und Politikwissenschaft. Schwerpunkt im Studium sind für mich zunehmend geschlechtersoziologische Inhalte. Nebenher arbeite ich journalistisch — in einem lokalen Radiosender und letztes Jahr bei der Süddeutschen Zeitung. Außerdem verbringe ich gerne viel Zeit mit Menschen, Musik und Film. Neid kennt wohl jeder Mensch.

Neid ist politisch — sehr aktuell — und privat. Ich verbinde damit etwas Negatives und mag es nicht, wenn ich neidisch oder sogar durch Neid geleitet bin. Bei genauerer Betrachtung kann Neid aber auch zu konstruktiven Handlungen führen.

Katharina Spreier, 20 jährige Kölnerin, die aber auch schon in den USA und Griechenland gelebt hat. Momentan studiere ich Englisch und Literaturwissenschaften in Köln und vergrabe mich in meiner Freizeit gerne zwischen Büchern - was aber nicht heißt, dass ich nicht gerne weggehe. Am liebsten auf Hip-Hop Konzerte, worüber ich für eine Lokalzeitung auch öfters mal schreibe.

Wenn man Neid verspürt, sollte man versuchen, daraus Motivation zu schöpfen. Weniger quengelndes „Ich will, was er/sie hat“ und mehr „Wie kann ich es schaffen, zu haben, was er/sie hat?“. Neid kann also durchaus gesund sein, wenn man weiß, wie man mit ihm umgehen sollte, um ihm seine boshafte Natur zu nehmen.

Azada Hassany, 25, ich habe in Bielefeld und Essex Soziologie studiert mit Zwischenstopp in Berlin für ein Praktikum. Mich interessieren Kultur und gesellschaftliche Themen, die nie frei von ihrer politischen Wirkmacht sind. Das Schreiben erlaubt mir, diese oft in Vergessenheit geratene Dimension sichtbar zu machen.

Neid. Ein Tabu in jeder Beziehung. Unwillkommen, haftet er dann lange an. Verschieben wir doch seine negative Bedeutung und zeichnen folgendes Bild: Ein Impuls, durch den wir unseren Zustand verändern. Eine treibende Kraft, die unser Tun in andere Richtungen lenkt und Sehnsüchte und Träume auffängt.

Nhi Bui, 23, in einem niederrheinischen Ghetto aufgewachsen. Fürs Cognitive Science-Studium extra ins Grüne gezogen. War Tutorin für Philosophie des Geistes. Durchlöchere Leute immer noch mit Fragen. War interkulturelle Mentorin an der Uni und helfe nun beim HIB, wenn Studierende beim Jobben in der Klemme stecken.

Ist man neidisch, will man etwas, was den eigenen sozialen Status aufwerten soll. Wo es immer mehr um den perfekten Auftritt geht (nicht nur auf Social Media), hungern Imageversessene non-stop nach narzisstischem Futter. Ihr (Selbst-)Wert wird weiter nach außen verlagert, vermessen und verwaltet...

Franziska Schindler, 25, im Sommer in Berlin angekommen, um den 2. Teil meines Masters in Politikwissenschaft zu beginnen. Habe davor in Dresden, Sankt Petersburg und Paris Menschenrechte und Internationale Beziehungen studiert, war für die FES in Ostjerusalem und arbeite bei der Amadeu Antonio Stiftung. Mache viel Musik, reise gern, schreibe gern.

Es fällt mir erstmal schwer, Neid etwas Positives abzugewinnen - ist der nicht immer zerstörerisch? Warum definiere ich mich darüber, was mein Gegenüber besitzt, was meinem Gegenüber gelingt? Oder doch: Neid aus Gerechtigkeitssinn? Neid als politische Energie, als revolutionäre Kraft?

Lisa Zeller, 27, in der schwäbischen Kleinstadt Herrenberg aufgewachsen, Studium der Internationalen Entwicklung in Wien. Derzeit schließe ich den Master Translation ab und arbeite als Sprachdienstleisterin und Texterin. Ich war lange in verschiedenen Jugendmedienvereinen und journalistisch aktiv. Mehrere Jahre habe ich im schönen Kapstadt gelebt.

Neidisch sind wir oft, weil wir das Gesamtbild nicht kennen. Selektiv oder aus Unwissenheit heraus sehen wir bei anderen nur das, was wir auch wollen. Dabei sollten wir Neid hinterfragen und ihn individuell oder im Kollektiv als Antrieb nutzen – Neid als Gerechtigkeitsmotor sozusagen!

Tobias Ritterskamp, 27, studiert Sozialwissenschaften in Berlin im Master. Seine Mission: Gegen die Schlechtigkeiten der Welt, ja die Urteile der sozialen Wirklichkeit anrennen, um seinem „statistischen Schicksal“ (Eribon) zu entkommen. Seine Waffe: die Sprache. Er will ein neugieriger Unruhestifter sein, der (soziale) Ungerechtigkeiten anprangert.

Ich bin neidisch – und das ist auch gut so! Gelegentlich zumindest, denn „[d]ie Neidfähigkeit ist eine notwendige soziale Warngeste.“ (Schoeck 1966: 16). Dennoch wohnt dem Neid ein zerstörerisches und schöpferisches Moment inne. Auf dass sich letzteres stets durchsetzen möge, vor allem im Workshop.

Laura Ficht, 20. Nach meinem Abitur in Essen und einiger Freiwilligenarbeit in Portugal und Kopenhagen hat es mich nach Münster verschlagen um Politik und Wirtschaft zu studieren. Um mich nicht mehr nur im Privaten über die Missstände der Welt ärgern zu müssen, hoffe ich bei der taz einen ersten Einblick in die Welt des Journalismus zu bekommen.

Niemand würde freiwillig das eigene Zuhause zurücklassen, eine lebensgefährliche Reise antreten und in ein fremdes Land ziehen. Auch wenn man in diesem Land eine Unterkunft und monatliche Unterstützung bekäme. Trotzdem ist Neid so irrational, dass Menschen ihn auch Geflüchteten gegenüber verspüren.

Till Uebelacker, 23, Student der Politik-u. Kommunikationswissenschaften. Nach Auslandsaufenthalten in Indien und der Türkei lebe ich seit kurzem in Berlin. Während des Studiums in Dresden habe ich Stationen bei der Studierendenzeitung, dem sächsischen Landtag, dem Landesfunkhaus Sachsen und der Böll-Stiftung durchlaufen.

„Ein Land in dem wir gut und gerne leben“ und „Zeit für mehr Gerechtigkeit“ – Diese beiden Kampagnen gingen 2017 kräftig schief. Welche Rolle sollte die Neid-Debatte in der politischen Auseinandersetzung also künftig einnehmen? Brauchen wir mehr oder weniger davon?

Sebastian Franz, 29, geboren in Westfalen, aufgewachsen in Bayern, studiert in Tübingen und Los Angeles. Es folgten Praktika in PR und Pressearbeit. Dort habe ich gelernt, dass ich lieber selbst entscheide, wie viel Prozent einer Pressemitteilung kopiert wird. Neben dem Rhetorik-Masterstudium schreibe ich deshalb für eine Lokalzeitung.

Neid ist heutzutage mehr als ein Gefühl. Er ist ein Social Media-Totschlagargument - der kleine Bruder der „Nazikeule“. „Da ist wohl jemand neidisch“, ist die Allzweckwaffe gegen kritische Kommentare. Ich bin zwar nicht neidisch, aber ich werde ja wohl noch sagen dürfen, dass ich das scheiße finde.

Nikolai Regehr, 22, aufgewachsen in Berlin und nach einem Freiwilligenjahr in Nicaragua Student der Geschichte und Volkswirtschaftslehre. Interessiert an allen großen gesellschaftlichen und politischen Konflikten unserer Zeit. Und an deren Lösungen. Durch wissenschaftliches Arbeiten habe ich meine Freude am Schreiben entdeckt.

Neid, in unserer Gesellschaft allgegenwärtig und doch ein Gefühl, über das kaum gesprochen wird. Eine Emotion, mit der manch einer spielt - um Anerkennung zu bekommen oder andere gegeneinander auszuspielen. Was am besten dagegen hilft, ist ein gesundes Selbstbewusstsein.

Finn Schädlich, 21. Aufgewachsen bin ich in der schönen, aber nicht allzu ereignisreichen Holsteinischen Schweiz an der Ostseeküste. Nach dem Abitur ging es dann endlich raus aus der Provinz und nach Lateinamerika, mittlerweile wohne ich in Berlin und versuche mich am dogmatischen Jura-Studium. Mit 16 fing ich an für Zeitungen zu schreiben und kam vom Journalismus nicht mehr los.

Ich würde ja gerne behaupten, in Gesellschaft guter Freunde und mittelmäßigen Rotweines über den Neid als Urtriebkraft des Menschen diskutiert zu haben. Das war zwar nicht der Fall, aber die Gerechtigkeitsfrage wird ja auch gerne als „Neiddebatte“ abgetan. Soweit weg waren wir also nicht.

Johannes Oswalt, 26, als Punk in der baden-württembergischen Provinz aufgewachsen. Jetzt linker Spießer in Berlin Mitte. Habe Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre in Potsdam, Lille, Marburg und Beirut studiert. Als Freiwilliger in Jerusalem habe ich für den Südkurier geschrieben.

Neid ist natürlich, aber keinesfalls positiv. Weg von Hobbes’ Naturzustand! Der Mensch ist dem Menschen kein Wolf.