Nach Fukushima empfiehlt eine japanische Kommission Übungen für den Ernstfall. Auch den deutschen Katastrophenschutz halten Experten für unzureichend.von Manuel Berkel

Was tun, wenn's strahlt? Die Frage stellt sich nicht nur in Japan. Bild: freeday/photocase.com
BERLIN taz | Einfach nicht dran denken! Mit dieser Devise für den Umgang mit explodierenden Atomkraftwerken muss Schluss sein, fordert ein Ausschuss des japanischen Parlaments. Der Bevölkerung müsse erklärt werden, was nach einem atomaren Störfall zu tun sei.
Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?
Kann es Verhaltensregeln für den größten anzunehmenden Unfall geben – ein explodierendes AKW? So wie jeder Fahrschüler lernt, was nach einer Reifenpanne zu tun ist? An der Antwort auf diese Frage hatte sowohl in Japan als auch in Europa bisher kaum jemand Interesse.
Den AKW-Betreibern war nicht daran gelegen, breit über Jodtabletten und Evakuierungszonen zu diskutieren. Der Abschreckungseffekt schien zu groß. Die Umweltbewegung wollte dagegen Reaktoren gleich ganz abschalten. Die Aufsichtsbehörden rechneten das Risiko klein oder versuchten, Störfälle mit technischen Vorschriften zu verhindern.
Fukushima hat gezeigt, wie wichtig ein guter Katastrophenschutz ist. Weil Informationen fehlten, wurden hier einige Bewohner in Gebiete evakuiert, die noch stärker belastet waren als ihre Heimatdörfer.
„Lokale Behörden sollten wiederkehrende Evakuierungsübungen in realistischen Umkreisen durchführen“, forderte darum die Parlamentskommission zur Untersuchung der Folgen von Fukushima, die am Montag ihren Abschlussbericht vorlegte.
Nötig sei auch bessere Aufklärung: „Die Öffentlichkeit muss ihr Verständnis von nuklearer Strahlung vertiefen.“ Das Gremium verspricht sich davon, dass es nicht zu „unnötigen Ängsten“ in der Bevölkerung kommt.
„Die Aufklärung ist in Deutschland genauso schlecht wie in Japan“, sagt Harald Nestler vom Umweltinstitut München. Die Notfallpläne decken nur eine kleine Region im Umfeld des Meilers ab. „Es würde das gleiche Chaos geben wie nach Fukushima“, betont Nestler.
Zumindest das Problem unzureichender Messwerte gibt es in Deutschland nicht. Die Aufsichtsbehörden der Länder unterhalten anders als in Japan eigene Messnetze und sind nicht auf Daten der Kraftwerksbetreiber angewiesen. Die Länderaufsicht hält Frank Roselieb, Direktor des Instituts für Krisenforschung in Kiel, für durchsetzungsfähiger als in Japan.
Regelmäßige Evakuierungsübungen gibt es allerdings auch in Deutschland nicht. Allenfalls in einzelnen Einrichtungen wie in Schulen in Kraftwerksnähe wird der Ernstfall durchgespielt. „Evakuierungsübungen halte ich auch bei uns für sinnvoll“, sagt Roselieb.
Das Problem: Viele Kraftwerke in Deutschland liegen in Reichweite von Ballungs- und Industriezentren. „In Grohnde wären mehrere hunderttausend Menschen betroffen. Eine Evakuierung würde man gar nicht hinbekommen“, sagt Roselieb. Und: „Auch Unternehmen würden sich das nicht bieten lassen, weil es zu Produktionsausfällen käme.“
Metro will die Initative für einen besseren Gebäudeschutz der Textil-Fabriken in Bangladesh fördern. Der Handelskonzern hat Gelder dafür bereits reserviert.

Bond-Schurkin, Stil-Ikone, Musikerin: Das Gesamtkunstwerk Grace Jones hat Geburtstag.

David Beckham beendet seine Fußballer-Karriere. Wird er jetzt etwa Vollzeitpapa, Model oder Frührentner? Ach, uns fallen da noch ein paar andere Sachen ein...

Ein echt fieser Augapfel, ein Harley-Davidson-Skelett, Buddha hat Geburtstag und jede Menge Quallen. Unsere Bilder der Woche.

14 Jahre war Thomas Schaaf Trainer bei Werder Bremen – genug Zeit, seinen trockenen Humor in vielen Interviewantworten unter Beweis zu stellen.


Leserkommentare
30.07.2012 07:34 | Die Entwicklung
ist schon länger zu beobachten, auch an gekauften "Leser"-Kommentaren, z.B. auch in der Taz: ...
24.07.2012 14:22 | Pobrecito
"Kann es Verhaltensregeln für den größten anzunehmenden Unfall geben – ein explodierendes AKW?" ...
24.07.2012 14:17 | vic
@ s3basti8n,