Personenführung #119: Brigitte Werneburg

Ex­travagant muss es sein

taz-Kunstredakteurin Brigitte Werneburg hat einen Blick fürs Wesentliche und für ziemlich gute Kleidung.

Brigitte Werneburg Bild: Christina Roth/Stefan Heidenreich/taz

von SIMONE SCHMOLLACK

Einmal saß sie in der Redaktionskonferenz mit einer Schirmkappe auf dem Kopf. So einem Ding, wie es häufig Tennisspielerinnen tragen: mit Visier (gegen die Sonne) und breitem Gummiband (für festen Sitz).

So was traut sich in der taz nur Brigitte Werneburg. Niemand hier ist so stylish wie sie. Goldene Schuhe, schwarze Hosen mit gelben Paspeln, oben vom Bund bis unten zur Umschlagnaht. Silberfarbene Shirts, dicke Plastikklunker um den Hals, Blusen in Papageienfarben. Und dann dieses Glitzertop mit dem tiefem Rückenausschnitt. Kein Morgen ohne Brigitte-Werneburg-Überraschung.

Woher hat sie nur all diese Fummel? Flohmarkt? Aus dem Fundus der Komischen Oper? Falsch. Brigitte kauft in stinknormalen Läden, spontan und absichtslos. „Was mir gefällt und günstig ist“, sagt sie.

H&M, Männerabteilung

Die schwarze Hose mit dem gelben Streifen gab’s im WSV, für schlichte 5,99 Euro. Läuft also. Nur ex­travagant muss es sein. Schließlich ist Brigitte Kunstredakteurin. Früher hat sie in der taz über Filme geschrieben und noch früher mal Kunstgeschichte und Politikwissenschaften studiert.

Viele Kleidungsstücke ergattert sie in der Männerabteilung von H&M. Quadratisch, praktisch, gut. „Die Hälfte meiner Garderobe stammt aus den Herrenregalen.“ Als Kind musste sie die abgeranzten Jeans ihres älteren Bruders abtragen.

Was ist schon demütigender für ein Mädchen in den fünfziger Jahren in der Provinz der Schwäbischen Alb, als Wallewalleröckchen und Spitzenbluse en vogue waren? „Ich habe aus der Not eine Tugend gemacht“, sagt Brigitte. Und widmete den Schulranzen ihres Bruders zum Accessoire um.

Fiese Flecken

Die Schirmkappe kommt aus Sizilien und ist eine abgewandelte La-Coppola-Schiebermütze, das Markenzeichen der Mafia. So wie Brigitte sie trägt, nur mit Schirm und Stirnband, ist sie jedoch ein Symbol für den Anti-Mafia-Kampf. Aber es wird bald noch verrückter, wenn Brigitte nämlich wieder ihre Schürze rausholt.

Für all die feinen Sommergerichte, wie Tomatensuppe und Vanilleeis mit Blaubeersoßee, die fiese Flecken hinterlassen, die nie wieder rausgehen, hat Brigitte im taz Café eine Schürze deponiert. Schirmmütze, Schürze, Schuhe in Gold – boah, die hat echt Mut.