Personenführung #125: Jann-Luca Zinser

Ein-Bein-Tango am Lagerfeuer

Nicht mehr im Schnelllauf auf Eis, doch Ressort-übergreifend für Schwung-sorgend: der frische Libero Jann-Luca Zinser.

Bild: Burhan Yassin

„Auf einem Bein tanz ich noch Tango“, hat er über sich gesagt – neulich, im vollgepackten meinland-Bus, nach einer kurzen Nacht auf dem taz-Sommerfestival –, als irgendjemand eine Bemerkung über den vorigen Abend machte. Der Rest schlief, nur Jann-Luca mal wieder nicht. Da grinste sein Jann-Luca-­Grinsen mit den kleinen Fältchen in den Augenwinkeln und dem lang gezogenen Schnurrbart.

Dass er das mit dem Tango und dem einen Bein kann, hat er während seiner Zeit bei taz.meinland oft genug bewiesen. Ob als Moderator zwischen wutentbrannten bayerischen Stromtrassengegnern, in Kid-Rock-Manier als Bandankündiger auf dem Sommerfestival, als DJ, der auch den letzten Mitfahrer zum Mitsingen bewegen kann, oder als aufmerksamer Beobachter und Autor.

Ein Allrounder – auf jeder Position einsetzbar

Jann-Luca ist das personifizierte Fußballteam von Borussia Dortmund – wie es Projektleiter Jan Feddersen gern ausdrückt: Er kann wirklich jede Position.

„Is dat Johnny Depp oder wat?“, fragte der freundliche  Obdachlose vor der taz nur. Jann-Luca ist das Gesicht der taz.meinland-Band. Wenn er den Raum betritt, fallen alle Blicke auf den tätowierten, langhaarigen Kerl in Skinny Jeans. Man dreht sich um, und schon ist er mit der ersten Person in ein Fachgespräch über den Zustand des deutschen Eisschnelllaufs im internationalen Vergleich vertieft, diskutiert mit der nächsten den Begriff Leitkultur und prostet gleichzeitig einer dritten zu. Jann-Luca ist immer mittendrin.

Erfahrungsschätze en masse

Wenn man über einen 24-Jährigen sagen kann, seine Stärke ist seine Vielseitigkeit und seine Lebenserfahrung, dann muss das etwas heißen. Mit seinen Geschichten könnte Jann-Luca einen ganzen Lagerfeuerabend füllen.

Er könnte von seinem Durchbruch im Eisschnelllauf erzählen, dem Gefühl, als er den dritten Platz beim Junioren-Weltcup erreichte. Wie er zum Gitarristen und Songwriter wurde. Wie ihm der Gitarrist von den Babyshambles nach einer langen, whiskeyreichen Nacht ein Tattoo stach. Von den zwei angefangenen Studiengängen, der Ausbildung. Dem Südamerikaaufenthalt. Und vielem mehr.

Zu erzählen hat Jann-Luca genug. Jetzt will er aber erst einmal den Bachelor in Politik zu Ende bringen. Im September kehrt er zur Wahltaz zurück. Zum Glück!

PAUL TOETZKE, Autor der taz