Personenführung #143: Ariane Lemme

Bohrend und sympathisch

Ariane Lemme ist Nachrichtenchefin bei taz-Online – und damit das Vernetzungshirn der Online- und Printredaktionen.

Bild: taz

von Torben Becker

Früh schon wusste Ariane Lemme, 36, Journalismus sei ihr Ding. Als sie diese Entscheidung fällte, studierte sie, aus München geflohen, Kulturwissenschaften in Potsdam. Das brachte zwei signifikanten Erkenntnisse: Kulturmanagement und BWL-Gebrumsel ist nichts für sie. Dafür reizte sie das Erlernen von interdisziplinärem und vernetztem Denken ungemein.

Während des Studiums lernte sie bei einem kleinen Magazin für klassische Musik journalistisches Handwerkszeug: schreiben, Interviews führen, Texte redigieren.

Sie blieb „kleben”

Beste Voraussetzungen für den klassischen Einstieg in den taz-Kosmos: ein Praktikum. Danach blieb sie gerne „kleben“ und wurde Springerin im Onlineressort. Halten konnte sie die taz auf Dauer leider nicht: Stellenmangel. Für ein paar Jahre entsagte Ariane also der taz und kam bei den Potsdamer Neuste Nachrichten unter. Dort volontierte sie, richtete sich im Lokaljournalismus ein und übernahm letztlich die Leitung des Kulturressorts.

Glücklicherweise – nicht nur aber auch für die taz – ist Ariane eine charmante Renitenz zu eigen. Diese ließ sie nämlich an ihrem in Potsdam gefundenen beruflichen Zuhause zweifeln: War das auch wirklich ihr politischer Hafen? Eher nicht.

Sie wurde zum Vernetzungshirn

Im Zuge der Blattreform wurde eine Teilzeitstelle als Nachrichtenchefin bei taz-Online eingerichtet, die Ariane nun seit eineinhalb Jahren bekleidet. Damit wurde sie zum Vernetzungshirn der Online- und Printredaktionen: Ein Job wie geschaffen für ihre bohrende und dennoch sympathische Neugierde.

Auch wenn sie zunächst eher schüchtern erscheint, weiß insbesondere Nina Apin aus der Meinungsredaktion, in welcher Ariane zusätzlich aushilft, ihre Unaufdringlichkeit zu schätzen: „Wenn man erst mal mit Ariane zusammenarbeitet, merkt man schnell, dass sie ziemlich viel auf der Pfanne hat.“

Und dieses Viele möchte Ariane im produktiven Streit schärfen: „Bei der taz ist es erwünscht, dass man eine starke Haltung hat. Und man kann trotzdem cool sein, obwohl man eine andere Haltung hat als die Chefs“, schwärmt Ariane.

Cool ist Ariane allemal, insbesondere weil die Kombination aus Sorgfalt, Ruhe und Freundlichkeit (in der taz ein eher seltenes Phänomen), sie zu einer der taz-Besten macht, wie Klaus Hillenbrand, Chef von taz Eins, anerkennend berichtet.