Personenführung #148

„Code-Haeckse“ aus Leidenschaft

Wo andere kryptisches Zeug sehen, liest sie feinste Programmiersprachen: unsere neue Webmeisterin für taz.de.

Steffi Wild Bild: taz

von JAN FEDDERSEN

Neue Kolleg*innen in der taz müssen sich mit ihren Arbeitsfeldern natürlich erst mal vertraut machen – und werden meist rasch und gern Teil der Kolleg*innenschaft: Sie war schnell in allen Herzen, Steffi Wild. Sie, Jahrgang 1983, sagt von sich selbst, eine „Code-Haeckse“ zu sein, eine IT-Nerdin, die auf Bildschirmen, auf denen nur Quellcodes und komische Ziffern- und Buchstabenreihen zu sehen sind, gleich alles klar lesen und verstehen kann. Seit Juni gehört sie zum IT-Webmasterteam von taz.de, welches das virtuelle Zuhause des taz-Journalismus für die Leser*innen verfügbar hält.

Wild ist im Schwäbischen aufgewachsen, in einer taz-lesenden Familie, und war, wie sie selbst sagt, früh politisch unterwegs: „Die erste große Demo war noch im Tragetuch gegen die Statio­nierung der Pershing-Raketen, wobei ich davon natürlich nichts mehr weiß.“

Spielten andere mit Puppen oder Bauklötzen, interessierte sie sich für ihre nun auch berufliche Passion, die Rechnerei: „Am Computer bin ich gefühlt auch schon immer, ich setze aus politischer Überzeugung konsequent auf Open Source.“

Wunderbar engagiert

Die taz rezipiert sie nicht mehr auf Papier, sondern im Netz. „Die taz lese ich im Web, seit sie vor vielen Jahren online ging. Es ist mir daher heute, gerade in Zeiten von Fakenews und einem Erstarken der Rechten auch im Netz, besonders wichtig und eine große Ehre, die taz im Web als Code-Haeckse unterstützen zu dürfen.“ Was für ein schönes Wort für ein linkes Verständnis von Teilhabe an der digitalen Welt: Netzarbeiter*innen als Haecksen – also Hexen, die auf Feuern schweben!

Engagement ist in diesem Sinne das, was Steffi Wilds Leben markiert: „Als Werkstudent arbeitete ich als IT-Forensiker und weiß daher auch recht gut, was der Staat kann und wie ­genau das alles funktioniert. Aus moralischen Gründen musste ich diese Arbeit kündigen.“ „Bawü brennt“ und die Uni-Besetzung in Karlsruhe – alles auf der Habenseite ihres Tuns. Sie war beteiligt an der Ablösung der CDU-Herrschaft in Deutsch-Südwest – und ließ auch unter grüner Regentschaft nicht vom Protest.

Schließlich landete sie in Berlin, wo, so erzählt sie, „endlich frei genug war, meine ­Transidentität nicht länger zu verstecken und offen als Frau zu leben. Zum Glück ist dies bei der taz im Gegensatz zu so mancher unangenehmer Situation im restlichen Alltag überhaupt kein Problem, was ich sehr genieße und den tollen Kolleg*innen sehr hoch anrechne.“ Steffi Wild ist eine charmante, absolut unnörgelige Person: Wie schön, dass sie bei uns in der taz ist.