Petitionen Pro und Contra Markus Lanz

Schafft zwei, drei, viele Petitionen

Markus Lanz entwickelt sich vom Talkshow-Gastgeber zur Muse des deutschen Petitionswesens. Das blüht und gedeiht wie nie zuvor.

Markus Lanz – der Schwarm aller Petenten. Bild: dpa

BERLIN taz | Eigentlich wollte Markus Lanz nur die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht ein bisschen vorführen. Der aggressive Fragestil in seiner Talkshow stieß jedoch nicht wenigen Zuschauerinnen und Zuschauern gehörig auf. Eine Online-Petition, dieser moderne Leserbrief mit offener Unterschriftenliste für das erregungswillige Bürgertum, ließ nicht lange auf sich warten. „Raus mit Markus Lanz aus meinem Rundfunkbeitrag“ tönt es erbost auf der Plattform openPetition. Das angestrebte Ziel von 200.000 Unterzeichnenden ist längst erreicht.

Bleibt die Zustimmungsrate gleich hoch, werden am Ende der Zeichnungsfrist über eine Million Menschen dem Moderator in namentlicher Abstimmung das Misstrauen ausgesprochen haben. Doch wo Erregung ist, da findet sich auch schnell ein erhobener Zeigefinger, Mäßigung anmahnend. Die Stimme der Vernunft spricht dieses Mal aus dem Leib des Piratenpolitikers Christopher „Ruhe und Gelassenheit“ Lauer.

Mit ironischer Geste und dem Duktus des gönnerhaften Oberlehrers präsentiert Lauer, ebenfalls auf openPetition, seine Pro-Lanz-Petition mit dem schönen Titel „Markus Lanz soll mal bitte seine Show so machen wie er will, immerhin ist er ja erwachsen“. Das ehrgeizige Ziel von 500.000 Unterschriften liegt jedoch noch in weiter Ferne. In sehr weiter Ferne. Das mag unter anderem an der Spaltung der Bewegung liegen.

So hat auch der Kabarettist Dieter Nuhr sich zu Wort gemeldet. Vielleicht nicht unbedingt für Markus Lanz, auf jeden Fall aber gegen Online-Petitionen – mit einer, man ahnt es schon, Online-Petition bei openPetition. Das wütende Opus „Gegen digitales Mobbing, binäre Erregung und Onlinepetitionswahn“ wurde zügig von der Plattform gesperrt, wegen Verstoßes gegen die Nutzungsbedingungen, wie es heißt.

Nachlesen lässt sich der Text der Nuhrschen Petition zum Glück aber trotzdem noch – und zwar in der Online-Petition „Für den Erhalt von Dieter Nuhrs Petition“ auf, ganz richtig, openPetition. Angesichts dieser Flut an Appellen lässt sich konstatieren, dass das Petitionswesen blüht und gedeiht. Deutlich zeichnet sich sein weiterer Weg ab. Statt Unterschriften zu sammeln ist der wirkliche Sinn der Petition die Anregung weiterer Petitionen: Für jede Meinung, jedes Ego, jede Wut eine eigene Petition!

Bevor Sie nun gegen (oder für) diesen Text eine Petition einreichen, möchten Sie vielleicht in Betracht ziehen, sich per Kommentar zu äußern; gleich hier und ohne den Umweg über openPetition. Von dort wird derweil kolportiert, dass Petitionen gegen Personen in Zukunft generell nicht mehr zugelassen werden sollen. Es handele sich bei der Plattform schließlich um ein „politisches Werkzeug“ und kein „Meinungsportal“. Und Meinungen haben in der Politik ja nun wirklich nichts zu suchen.

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