Mit dem Handelsabkommen Acta will die EU-Kommission auch Urheberrechte schützen. Bernd Schlömer, Vizechef der Piraten, erklärt, was seine Partei daran stört.Interview: Sebastian Fischer

Die Piraten sind auch dagegen: Protest gegen Acta. Bild: dapd
taz: Herr Schlömer, Sie haben Acta scharf kritisiert. Haben Sie kein Mitleid mit Musikern und Autoren?
Bernd Schlömer: Doch, natürlich. Das Urheberrecht muss die Interessen der Kreativwirtschaft genauso berücksichtigen, wie das der Konsumenten. Deshalb möchten wir auch zusammen mit Musikern, Freischaffenden und Künstlern einen Runden Tisch veranstalten, um gemeinsam Lösungsmöglichkeiten für zukunftsweisende Geschäftsmodelle zu finden.
Acta ändert kaum etwas am deutschen Gesetz. Warum also der Aufschrei?
In der Tat ist das deutsche Urheberrecht, so wie es in der Praxis angewendet wird, in Acta enthalten. Aber mit diesem Abkommen wird den Usern gar nicht erst die Möglichkeit gegeben, die Reformbedürftigkeit des Urheberrechtsgesetzes anzusprechen. Stattdessen zementiert Acta das Urheberrecht in seiner jetzigen Form. Wir müssen es aber dem digitalen Zeitalter anpassen.

BERND SCHLÖMER
40, ist stellvertretender Vorsitzender der Piratenpartei. Er arbeitet als Referent im Bundesverteidigungsministerium und hat Sozialwissenschaften sowie Kriminologie studiert.
Foto: reutersWarum ist das Urheberrecht Ihrer Meinung nach nicht mehr zeitgemäß?
Wenn ich mir beispielsweise ganz legal im Internet ein E-Book kaufe verhindert es der Kopierschutz, dass ich verschenken kann wie ein normales Buch. Auch im Bildungsbereich existieren erhebliche Defizite, weil der Kopierschutz es weitgehend untersagt, Kopien beispielsweise von Kinderliedern in ausreichender Zahl zu verteilen. Deshalb sagen wir, dass Informationen, darunter fällt auch Musik, für Bildungs- und Qualifikationsprozesse kostenlos zur Verfügung gestellt werden sollen.
Innerhalb der Piratenpartei gibt es verschiedene Vorschläge zur Neugestaltung des Urheberrechts, beispielsweise die Einführung einer Kultur-Flatrate, also eine pauschale Abgabe für Informationen aus dem Netz. Welches Modell halten Sie für geeignet?
Da will ich mich nicht pauschal festlegen, weil ich gelernt habe, wie wichtig es ist, zuerst zu erfahren, welche unterschiedlichen Interessen es überhaupt gibt. Ich möchte erst den Dialog mit den Vertretern aus der Kreativwirtschaft suchen und mir anhören, was diese für sinnvoll halten.
Das Archiv der „New York Times“ ist ein Hort von Geheimnissen und schönen alten Bildern. Natürlich analog. Digital ist anders, kann aber mindestens genauso begeistern. von Frauke Böger

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Leserkommentare
06.03.2012 21:05 | Musiker
Wenn Kreative als Mitglieder der "Content-Mafia" diffamiert werden ist das so ärgerlich wie unrichtig. Wir Kreative haben d ...
06.03.2012 21:05 | Musiker
Wenn Kreative als Mitglieder der "Content-Mafia" diffamiert werden ist das so ärgerlich wie unrichtig. Wir Kreative haben d ...
20.02.2012 12:29 | Suchen im Falschen
BOAAH, watten, watten, JETZT ERST FANGEN DIE AN ÜBER KONZEPTE NACHZUDENKEN??? ...