Polizeieinsatz im Hambacher Forst

Mehr als die Hälfte ist geräumt

30 der 50 Protestbauten im Hambacher Forst sind weg. Ein Bewohner berichtet von freundlichen Polizisten, die seine Fenster eintreten.

Im Hambacher Forst begleiten Polizisten eine Person von einer Plattform

Sprechen nett und machen alles kaputt: Polizisten im Hambacher Forst Foto: dpa

HAMBACHER FORST taz | Die sechs Menschen unter dem Baum wollen nicht gehen. Sie wollen sitzen bleiben. Polizei steht drumherum, Hunde, Helme, Schilde, etwa 50 BeamtInnen. Der Schauplatz: Hambacher Forst. Es ist noch nicht mal acht Uhr morgens, aber die SitzprotestlerInnen sind vorbereitet: Unter einem Baum im Baumhausdorf Gallien haben sie sich mit rot-weißem Absperrband aneinandergebunden.

Als die Polizei räumt, schreien sie: „Das ist doch scheiße, wir wollen doch alle hier leben!“ und: „Hört auf, hört auf, hört auf!“ Aber die PolizistInnen hören nicht auf, die Baumhäuser müssen weg. So steht es im Erlass des CDU-geführten Bauministeriums von Nordrhein-Westfalen (NRW), und die ProtestlerInnen sitzen direkt unter einem der Bauten, die heute beseitigt werden sollen. Während die einen BeamtInnen versuchen, das Absperrband zu entknoten, halten andere Schilde hoch. Gegen Beschuss aus dem Baumhaus, der nicht kommt.

Parlamentarische BeobachterInnen sind ebenfalls im Hambacher Forst unterwegs. Lisa Badum, Bundestagsabgeordnete der Grünen, steht bei der Räumung mitten unter den PolizistInnen im Einsatz. Sie schaut, wie diese mit den Menschen am Boden umgehen. „Es gibt keinen einzigen Grünen in NRW, der diese Räumung und Rodung befürwortet“, sagt sie der taz.

Eine Bundestagsabgeordnete der Linken, Sabine Leidig, trifft man weiter westlich beim Baumwipfelkonstrukt Cosytown. Auch hier wird heute geräumt. „Bei den Polizisten gibt es wirklich viele, die dabei auch ein schlechtes Gefühl haben und sehr zugänglich sind“, sagt Leidig. „Aber es gibt auch eine Truppe, die vom Innenministerium eingesetzt wird, die hier wie die Rambos durch den Wald gehen.“

Die Räumung verläuft von Ost nach West. Im Westen kann man sich noch frei bewegen, keine Sicherheitsbereiche, wenig Polizei. Hier befinden sich die Baumhausdörfer Lorien und Beechtown. Letzteres sieht aus wie ein Baumhaushotel. Der Aktivist Clumsy, der vor dessen Räumung in der Baumhaussiedlung Oak­town lebte, seilt sich für ein Interview aus einem Baum ab. „Sie (die Polizisten) haben mein Baumhaus gelobt, so: ‚Oh das sind schöne Fenster‘, während sie sie eintraten.“

Stand Montag waren 28 der etwa 50 Baumbauten geräumt, 19 beseitigt: Das heißt Räumungshalbzeit. Dienstag waren schon mehr als 30 Strukturen geräumt.

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Der Hambacher Forst ist umkämpft. RWE will ihn für den Abbau von Braunkohle abholzen. Aktivist*innen wollen das verhindern und haben ihn besetzt.

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