Privatsphäre von US-Schüler*innen

Google is watching you

Google verspricht, die Privatsphäre von Schüler*innen zu schützen. Eine US-Organisation deckt auf: Daten sammelt der Konzern trotzdem.

Ein Mann guckt auf ein Google-Suchfenster

Privatsphäre im Internet? Bei jeder Google-Suche kann der Konzern auf die Suchworte zugreifen. Foto: reuters

BERLIN taz | Computer sind in Schulen inzwischen ganz normales Lehrmaterial. Schüler*innen recherchieren ihre Referate online und verfassen Aufsätze, die sie anschließend für den Unterricht ausdrucken. In den USA geriet Google nun in die Kritik, weil einige Programme offenbar Schüler*innen automatisch ausspionieren.

Im Rahmen ihrer Kampagne „Spying on Students“ hat die US-amerikanische Stiftung Electronic Frontier Foundation (EFF) aufgedeckt, dass Googles Einstellungen die Aktivitäten von Schüler*innen im Internet automatisch aufzeichnen. Zwar nutze der Konzern die Auswertung der Websuchen bisher nicht für gezielte Werbung. Dennoch verstoße er allein mit der Aufzeichnung der Aktivitäten gegen das selbst auferlegte Student Privacy Pledge, ein Versprechen, die Privatsphäre von Schüler*innen zu schützen. Die Einstellungen würden außerdem zulassen, dass Dritte die Daten der Schüler*innen erhielten.

Die Probleme mit der Privatsphäre betreffen insbesondere die von Google produzierten Chromebooks und die speziell für den Gebrauch in der Schule entwickelten „Google Apps for Education“. Aber auch wenn Kinder und Jugendliche sich auf anderen Geräten mit ihrem Google-Konto im Webbrowser Chrome anmelden, können sie ausgespäht werden.

Die EFF hat nun eine Beschwerde bei der Federal Trade Commission eingereicht, der landesweiten Handelskommission. „Technologie gehört unbedingt ins Klassenzimmer, und Chromebooks und Google Apps for Education haben große Vorteile für Lehrer und Schüler“, sagt EFF-Anwältin Sophia Core. „Aber Geräte und Cloud-Angebote müssen die Privatsphäre der Schüler schützen, ohne Kompromisse und Schlupflöcher.“

Anleitung zum Schutz vor Google

In einem offiziellen Statement zu den Vorwürfen sagte Google, die Daten der Google Apps for Education werden nur genutzt, um die Kommunikation der Schüler*innen untereinander zu erleichtern. Persönlich identifizierbare Informationen in Chrome werden laut Aussage des Konzerns nur genutzt, um den Schüler*innen die eigenen Daten und Einstellungen auf allen von ihnen verwendeten Geräten zur Verfügung zu stellen.

Neben der Beschwerde bei der Handelskommission veröffentlichte die EFF eine Anleitung, wie man sich vorerst vor dem unerwünschten Zugriff schützen kann. Es sind insgesamt fünf Schritte bis zum sicheren Navigieren im Internet. Für Kenner sicherlich keine große Schwierigkeit. Doch die meisten Internetnutzer*innen kennen solche Tricks und Kniffe nicht. Am Ende stellt sich die Frage, ob man diesen Aufwand wirklich betreiben muss. Oder ob es für Technologie-Konzerne nicht eher Grundvoraussetzung sein sollte, ihre Kunden nicht auszuspionieren.

 

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