Projektionen auf die Mieze

Auf den Hund gekommen

Früher waren Katzen nur Katzen. Heute sind sie Klienten und Konsumenten. Eine Sammlung.

Internet-Star Katze Grumpy Cat

Ob Internet-Star Grumpy Cat schon eine Verhaltenstherapie gemacht hat?  Foto: ap

Neun Leben hat die Katz. Was das heißt? Dass sie klüger ist, weil sie neun Mal Lebensgefahr übersteht? Noch schlauer wird sie im Katzenkindergarten oder bei der Verhaltenstherapie. Immer mehr Konzepte, die auf Menschen bezogen gedacht sind, werden auf Katzen übertragen. Sie werden gepflegt, weil Tiere auch alt werden – oder dement.

Veganes Futter für Katzen

Fabian Ribbeck vertreibt veganes und vegetarisches Katzenfutter in Modautal.

taz: Warum machen Sie das?

Fabian Ribbeck: Ich fand kein Biofutter für meinen Hund, deshalb fing ich 2006 selbst mit einem Vertrieb an.

Ist vegan-vegetarisches Futter für Katzen artgerecht?

Was ist schon artgerecht? Eine Katze, die nur im Haus ist, im Bett schläft und alle paar Wochen vom Tierarzt gecheckt wird – lebt die artgerecht? Fest steht: Auch eine Katze braucht pflanzliche Nährstoffe. Sämtliche andere Stoffe stehen ebenfalls in pflanzlicher Form zur Verfügung. Ob ihr ein veganes Menü schmeckt, steht auf einem anderen Blatt. Mir kommen immer die Tiere in den Sinn, die am Ende in der Dose landen – nicht nur, weil viele von ihnen kein „artgerechtes“ Leben führten, sondern auch, weil Katzen in freier Wildbahn keine Kuh, kein Schwein erlegen würden.

Wie sind die Reaktion?

Gemischt. Nachfrage ist da. Es gibt aber auch viele, die sich echauffieren beim Gedanken an ein veganes Kätzchen.

Katzenkindergarten

Die Tierärztin Sabine Schroll hat im österreichischen Krems einen Katzenkindergarten. Die Idee: Jungen Katzen in der lernintensivsten Zeit ihres Lebens möglichst viel beizubringen und ihren Besitzern auch.

taz: Warum machen Sie das?

Sabine Schroll: Weil es Katzen besser geht, wenn sie einen weiteren Horizont haben und Dinge, die im Zusammenleben mit Menschen passieren, gelernt haben.

Was haben Katzen- und Menschenkinder gemeinsam?

Sie sind nicht lästig, um des Lästigseins willen, sondern weil sie etwas brauchen. Oder weil sie gelernt haben, damit am schnellsten Aufmerksamkeit zu bekommen.

Ist es vermessen, Katzen erziehen zu wollen?

Im Gegenteil. Aber es kommt darauf an, was man unter Erziehung versteht. Sie kann nicht zum Ziel haben, aus einer Katze eine Nicht-Katze zu machen.

Katzenpension

Ellen Ruchay-Beks betreibt seit zwölf Jahren das Katzenhotel „Happy-Cat“ im Südosten Berlins mit Gruppen- oder Einzelzimmer für 24 Katzen. Die Herrchen/Frauchen sind im Urlaub, im Hospital oder anderweitig abwesend.

taz: Warum machen Sie das?

Ellen Ruchay-Beks: Aus Langeweile. Ich bin Holländerin. Als ich nach Deutschland kam, arbeitete ich erst als Buchhändlerin, dann war ich Mutter. Ich wollte aber mehr machen und fing an, Hunde zu pflegen. Mit den Katzen ergab es sich.

Welche Katzen kriegen Einzelzimmer?

Kranke oder nicht gruppentaugliche Problemkatzen. Bei Diabetikerkatzen muss man sehen, ob sie zu viel oder zu wenig fressen, weil sie täglich Insulin bekommen.

Wie sind die Reaktionen?

Meist positiv. Manchmal kommt etwas Negatives. Es gibt schon Katzen, die schwieriger sind, aber vor allem sind die Besitzer schwieriger.

Katzenverhaltenstherapie

Die Fachtierärztin für Verhaltenskunde Barbara Schneider bietet in München Verhaltenstherapie für Katzen an. Bei der Anamnese wird nach dem Verlust von Bezugspersonen der Katze, nach Gewalterfahrungen, aber auch nach Essgewohnheiten und Reinlichkeit gefragt. „Es sind Sachen, die in der Humanpsychiatrie auch abgefragt werden müssen“, sagt sie.

taz: Warum machen Sie das?

Barbara Schneider: Weil es mein Traumjob ist.

Was ist gestörtes Verhalten bei Katzen?

Meist ist, was die Besitzer stört, nur störendes Normalverhalten, wie etwa Urinmarkierungen. Wenn die Katze das in der Wohnung macht, stört es. Je wohler sie sich fühlt, desto weniger markiert sie. Also muss man gucken, was der Halter ändern kann, damit es der Katze gut geht. Aggression zwischen zwei Katzen im Haushalt ist auch so ein Thema. Meist ist es eine territoriale Aggression. Man muss sie aneinander gewöhnen – es sei denn, es ist eine nicht soziale Katze.

Wie ändert man deren Verhalten?

Bei unsozialen Katzen ist es manchmal unmöglich. Ansonsten gewöhnt man die Tiere langsam aneinander, sucht Wege, damit die eine Katze die Anwesenheit der anderen positiv wahrnimmt, etwa indem sie ihr Lieblingsleckerli bekommt, wenn die andere da ist. Es gibt auch extremere Verhaltensstörungen, Zwangsstörungen – das Fell abschlecken, bis auf die Knochen. Bei Menschen wäre das etwa das zwanghafte Händewaschen. Da ist es langwieriger, das abzutrainieren.

Was therapieren Sie, die Tiere oder deren Halter?

Beides.

Akkupunktur für Katzen

Seit 2012 hat Nina Jeschke eine Tierheilpraxis mit Akupunktur, Heilpflanzenkunde und traditionell chinesische Medizin in Berlin.

taz: Warum machen Sie das?

Nina Jeschke: Weil der schulmedizinische Weg nicht der meine ist, wandte ich mich der Alternativmedizin zu.

Und Katzen lassen es sich gefallen, dass ihnen Akupunkturnadeln gesetzt werden?

Ja. Natürlich kann sich durch Schütteln die eine oder andere Nadel lösen. Das ist nicht schlimm, denn gewirkt hat sie dann bereits.

Wie sind die Reaktionen?

Meistens sind die Tierhalter erstaunt. „Wahnsinn, sie entspannt sich ja total.“

Katzenfriseur

Karolina Bäcker hat in Dieburg “Karos Hunde- & Katzensalon“.

taz: Warum machen Sie das?

Karolina Bäcker: Ich mache Tierpflege seit ich sieben bin und habe mein Hobby zum Beruf gemacht.

Welches Ihrer Angebote kommt am besten an?

Vor allem „überweisen“ Tierärzte Katzen zur Katzenschur.

Wie sind die Reaktionen?

Katzen fühlen sich nach einer Schur wie „junge, neugeborene Götter“. Regelmäßige Salonbesuche zum Ausbürsten werden von sehr vielen Kunden ebenfalls alle paar Wochen genutzt.

 

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