Proteste gegen sexualisierte Gewalt

Antifa-Hexen in Brooklyn

Über 1.600 New Yorker wollen am Samstag Brett Kavanaugh „verhexen“. Die Veranstaltung soll ein Zeichen gegen Ungerechtigkeit sein.

Demonstrantinnen vor dem Supreme Court in Washington haben ihre Arme in die Luft gehoben

Die Vereidigung Kavanaughs ruft unterschiedliche Formen des Widerstands hervor Foto: reuters

Amerika erlebt turbulente Zeiten. Unter Trump ist viel Unglaubliches normal geworden. Eine bizarre Veranstaltung in Brooklyn will da nicht mehr mitmachen. Der okkulte Buchladen „Catland Books“ lädt am Samstagabend zu einer öffentlichen „Verhexung“. Ziel der „Verfluchung“ ist der neue Verfassungsrichter Brett Kavanaugh.

Mehr als 1.600 Personen, oder besser Hexen, haben bei Facebook zugesagt. Tickets über Eventbrite sind längst ausverkauft. Die Nachfrage ist groß. Ist Magie nun das letzte Mittel der linken Bewegung in Amerika?

Brett Kavanaugh wurde Anfang Oktober von Präsident Donald Trump zum Verfassungsrichter auf Lebenszeit ernannt. Zuvor hatten mehrere Frauen, unter ihnen die Psychologieprofessorin Christine Blasey, von sexuellen Übergriffen Kavanaughs berichtet. Zwischenrufe im Gerichtssaal und Demonstrationen im ganzen Land begleiteten den Prozess.

Vor diesem Hintergrund fügt sich die spirituelle Veranstaltung am Samstag in eine Reihe von Protesten ein. Im Interview mit der Newsweek erklärt die Initiatorin Dakota Bracciale, dass Hexerei seit ihren Ursprüngen als Mittel des Widerstands für Arme und Unterdrückte verstanden werde. Für sie zeuge die Benennung Kavanaughs von einem „broken system“, in dem vieles falsch läuft. Daher richte sich die „Verhexung“ an alle, die auf anderen Wegen keine Gerechtigkeit erfahren.

„Pretty dark stuff“

Die Veranstaltung startet mit einer gemeinsamen „Verfluchung“. Weil dabei Emotionen wichtig sind, können auch Rachegefühle mitgebracht werden, heißt es auf Facebook. Die gebündelte spirituelle Energie richte sich in erster Linie gegen Kavanaugh.

Aber auch sexualisierte Gewalt und das Patriarchat kämen nicht zu kurz. Es wird als ein übergeordnetes System verflucht. Es ermögliche, dass eine Frau wie Christine Blasey nicht ernstgenommen wird. Anschließend ziele „das Ritual der Verachteten“ darauf ab, jene zu bestärken und zu unterstützen, denen Unrecht angetan wurde und die sich weigern, länger still zu sein.

Tucker Carlson vom rechtskonservativen Sender Fox News bezeichnet das Event als „Pretty dark stuff“ (sehr dunkler Stoff) und fragt, ob es sich um eine friedliche oder gewalttätige Veranstaltung handele. Funktionierte der Fluch, wäre es genau genommen eine Gewalttat, folgert er. Veranstalterin Bracciale schätzt, dass etwa die Hälfte der Teilnehmenden an die Wirkung der „Flüche“ glaube.

Kreativer Widerstand

Für alle anderen stellt das Event wohl eher eine Fundraising-Kampagne dar. Die Hälfte der Einahmen geht an Organisationen, die wegen der politischen Ausrichtung von Trump und Kavanaugh in ihrer Existenz bedroht sind. Ein Teil soll dem Ali Forney Center gespendet werden, das sich für obdachlose LGBT-Jugendliche einsetzt. Der andere Teil kommt der Non-Profit-Organisation Planned Parenthood zugute, die Aufklärung, Beratung und medizinische Leistungen rund um Verhütung und Schwangerschaft anbietet.

Neben vielen positiven Reaktionen sei der Buchladen derzeit enormen Anfeindungen, Telefonterror und Hasspost ausgesetzt, erzählt Bracciale. Das lässt zwei Schlüsse zu. Entweder glauben überraschend viele Menschen in den USA an die Wirkung von Hexerei oder sie erahnen die symbolische Kraft des Events. Denn wie Bracciale der Newsweek sagte, gehe es vor allem darum, zusammenzukommen, Solidarität mit Betroffenen zu zeigen und ein Zeichen gegen Ungerechtigkeit zu setzen.

Der Rückgriff auf Methoden des Mittelalters ist also kein Beweis der totalen Verzweiflung. Vielmehr kann die „Verhexung“ als eine ungewöhnliche Form des kreativen Widerstands gesehen werden.

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