Demonstranten wollen, dass Gorleben als Endlagerstandort ausgeschlossen wird. Hinter verschlossenen Türen soll die Politik aber längst über den Atomendmüll geeint sein.von Reimar Paul

Während der jüngsten Proteste im Sonnenschein machte jeder routiniert und professionell seinen Job. Bild: dpa
GORLEBEN taz | Großes Gedränge herrscht um eine rund zwei Meter lange weiße Deutschland-Karte aus Sperrholz. Nur Gorleben ist darauf eingezeichnet, neben dem Ortsnamen ist in einer kleinen Vertiefung ein schwarzer Fleck aufgemalt. Wer will, kann einen Ball mit dem schwarz-gelben Radioaktivitätszeichen über die Fläche rollen lassen. Doch egal, von wo die Kugel eingeworfen wird, sie landet immer in Gorleben.
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„Der Fleck muss weg“, das ist die Forderung der je nach Schätzung 2.000 bis 3.000 Menschen, die am Samstag in Gorleben demonstriert haben. Vor dem „Schwarzbau“ – wie sie das Erkundungsbergwerk hier nennen – sind auch 150 Traktoren der „Bäuerlichen Notgemeinschaft“ aufgefahren. An den Führerhäuschen wehen die gelb-roten Fahnen mit der Anti-Atom-Sonne und die grünen Wimpel der „Freien Republik Wendland“. Ein Landwirt hat ein Stück Stoff bemalt und an der Gabel seines Schleppers befestigt. „Morbus Röttgen“, steht da. „Das krankhafte Festhalten am falschen Weg“.
Carsten Niemann ist Sprecher der Notgemeinschaft. Ein Endlagersuchgesetz sei „im Prinzip dringend notwendig“, ruft er auf dem zur Kundgebungsbühne umgebauten Lastwagen. „Doch das, was zurzeit passiert, nämlich Verhandlungen hinter verschlossener Tür, das flößt uns kein Vertrauen ein.“
So ist durchgesickert, dass sich SPD und Grüne mit der Regierungskoalition auf den Umgang mit Gorleben geeinigt haben. Es soll einen Bau- und Erkundungsstopp geben, auch die vorläufige Sicherheitsanalyse wird wohl abgebrochen. Der Salzstock bleibt aber im Suchverfahren. „Ein Neustart sind anders aus“, sagt Wolfgang Ehmke von der BI Lüchow-Dannenberg. „Der einzige Grund, Gorleben im Rennen zu halten, ist, am Ende Gorleben wieder als geeigneten Standort präsentieren zu können.“
Von einem Wagen steigen hundert weiße Luftballons mit einem schwarzen Punkt in die Luft. Im Geäst von zwei Kiefern spannen Kletterer unter dem Beifall der Umstehenden ein Protesttransparent über die Straße. Nach der Kundgebung machen sich die Demonstranten auf zu einer „kulturellen Umzingelung“ des Bergwerksgeländes. Die Blockaden dauerten bis Samstagabend an.
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