Die Frauen in Togo gehen auf die Straße. Sie fordern bessere Lebensbedingungen und Demokratie. Präsident Gnassingbé soll endlich abtreten.von Katrin Gänsler

Rote Proteste in Togos Hauptstadt Lomé. Bild: reuters
LOMÉ/ACCRA taz | Knallrote T-Shirts überall, und ab und zu blitzt in Togos Hauptstadt Lomé ein Plakat auf. Die Botschaft ist deutlich: Der seit 2005 amtierende Präsident Faure Gnassingbé soll endlich abdanken.
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Seit Wochen schon fordern das mehrere tausend Frauen. Zuerst traten sie in einen Sexstreik. Am Donnerstag haben sie ihrem Ärger auf den Straßen von Lomé richtig Luft gemacht und demonstriert. In Togo, wo knapp sieben Millionen Menschen leben, müsse sofort Demokratie einziehen.
Das Fehlen demokratischer Strukturen beklagt auch Zeus Ajavon, der die Oppositionsbewegung „Collectif Sauvons le Togo“ (CST – „Rettet Togo“) leitet und regelmäßig Demonstrationen, Kundgebungen und Pressekonferenzen organisiert. „Unser Land stagniert seit 2005“, sagt Ajavon. Damals beendete Präsident Faure Gnassingbé die 38-jährige Regierungszeit seines Vaters Gnassingbé Eyadema. Gebessert hat sich die politische und wirtschaftliche Situation mit dem Generationswechsel nicht, im Gegenteil.
In Ajavons Büro kommen immer wieder Oppositionsanhänger, die bei Demonstrationen verletzt worden sind. Wunden am Kopf und Oberkörper sind notdürftig verpflastert worden. Bei den Pressekonferenzen werden die Videos der verletzten Demonstranten gezeigt. Für die Opposition bedeutet all das: Kritik von Andersdenkenden ist streng verboten, und die Regierung um Gnassingbé will lediglich den Status quo erhalten. Um die Menschen kümmert sich niemand mehr.
Das spüren auch die mehreren tausend Frauen, die zuerst den Sex verweigert haben und jetzt auf den Straßen ihrem Ärger Luft machen. „Der Alltag ist schwierig und hart“, sagt Brigitte Adjamagbo Johnson. Vor zwei Jahren war sie Togos erste Präsidentschaftskandidatin, gehört heute der Oppositionskoalition „ARC-EN-CIEL“ an und ruft gemeinsam mit CST zu Protestveranstaltungen auf. Sie bestätigt: „Die Lebenshaltungskosten haben sich extrem erhöht.“
Viele Frauen hätten Schwierigkeiten, überhaupt noch ihre Familien zu ernähren, Schulgeld, Strompreise und medizinische Versorgung zu zahlen. Vor allem die Preise für Reis und Öl würden immer weiter nach oben klettern. Doch die Löhne stagnieren. „Die große Mehrheit der Frauen arbeitet im informellen Sektor. Sie verkaufen beispielsweise auf Märkten Obst, Gemüse und Reis. Einen Schutz gibt es nicht für sie“, sagt Adjamagbo Johnson.
Eines hat die Opposition mittlerweile jedoch geschafft: Ihr Protest wird lauter. „Wir mobilisieren ja bereits seit zweieinhalb Jahren“, sagt Jean-Paul Fabre, Präsident der „Alliance Nationale pour le Changement“ (ANC), der Nationalen Allianz für den Wechsel.
Im Rahmen der letzten Präsidentschaftswahlen im Jahr 2010 sei er jedes Wochenende auf die Straße gegangen, um auf das Fehlen demokratischer Strukturen aufmerksam zu machen. Geholfen hat das bei der Wahl jedoch nicht: Gegen Gnassingbé konnte niemand von der politischen Opposition gewinnen.
Positiv stimmt Fabre heute allerdings: „Wir sind eine viel größere Gruppe geworden, ein Zusammenschluss aus der Zivilgesellschaft und der Politik.“ Außerdem würde sein Land stärker unter Beobachtung der internationalen Organisationen stehen und rückt wohl auch durch spektakuläre Aktionen wie einen Sexstreik mehr in die internationale Öffentlichkeit.
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