Die Richterin im Apple-Samsung-Prozess Lucy Koh hat Erfahrung mit großen Medienprozessen. Von Bedenken der Konzernvertreter lässt sie sich kaum beeindrucken.von Johannes Gernert

Gemalt in Aquarell könnte Lucy Koh fast als Monet durchgehen. Bild: rtr
LOS ANGELES taz | Während ihres Jurastudiums in Harvard saß Lucy Koh meist in einer der letzten Reihen. „Ganz, ganz hinten“, hat sie einmal erzählt. Sie hörte still zu. Jetzt, wo in diesen Tagen im kalifornischen San José einer der größte Patentprozesse seit der Erfindung des iPhones begonnen hat, sitzt Lucy Koh sehr weit vorn.
Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?
Als Richterin leitet sie das Verfahren, in dem sich die Technik-Konzerne Apple und Samsung gegenüberstehen. Apple wirft Samsung vor, es habe mit seinen neueren Galaxy-Smartphones ziemlich schamlos das iPhone kopiert und mit seinem Galaxy-Tabs das iPad.
Koh hat sich von Anfang an sehr entschieden gezeigt. Sie hat sich kaum von den Bedenken der Konzernvertreter beeindrucken lassen, man könne doch für diesen Prozess nicht internste Dokumente öffentlich machen. Vieles ist veröffentlicht worden und lässt sich im Netz ansehen – die diversen Designs, die es im Laufe der iPhone-Entwicklung gab etwa. Bestimmte Beweisstücke aber lehnte sie aus formalen Gründen strikt ab.
„Setzen Sie sich hin“, befahl sie einem Samsung-Anwalt. „Bitte, setzen sie sich hin!“ Koh hat außerdem schon im Juni den Verkauf des Galaxy Tabs 10.1 stoppen lassen, weil Samsung mit diesem augenscheinlich abgekupferten Produkt Apple großen wirtschaftlichen Schaden zufüge. Teil einer ersten Beweisführung: Koh hielt ein iPad und ein Galaxy Tab in die Luft. Die Samsung-Vertreter sollten das jeweilige Produkt identifizieren – was ihnen recht schwer fiel.
Lucy Koh ist Expertin auf dem Gebiet. Sie hat nach dem Studium im Silicon Valley als Anwältin gearbeitet, unter anderem in solchen Patentfällen. Auch das Rampenlicht dürfte sie gewohnt sein. Schon oft hat sie in großen Medienprozessen geurteilt. Koh wurde 2010 von Präsident Barack Obama zur Richterin für den Bezirk Nordkalifornien ernannt.
Ihre Eltern stammen aus Korea, die Mutter war mit zehn Jahren aus Nordkorea geflohen. Lucy Koh wurde die erste Richterin mit koreanischen Vorfahren auf so einem bedeutenden Posten. Der Bezirk, für den sie nun zuständig ist, erstreckt sich entlang eines Großteils der kalifornischen Küste. Verheiratet ist Koh mit Mariano-Florentino Cuéllar, einem vier Jahre jüngerer Jura-Professor in Stanford, der schon für die Regierungen Clinton und Obama gearbeitet hat.
In aller Ruhe hatte Lucy Koh am ersten Prozesstag zunächst die Geschworenen für die Jury ausgewählt. „Das wird ein interessanter Fall“, gab sie denen mit auf den Weg. Entscheiden muss Koh selbst am Ende nur, wenn die Geschworenen sich nicht einigen können.
Die Raumfahrt und die Stadt München nutzen freie Software. Doch es geht nicht nur ums Geld, sondern um Beständigkeit. von Svenja Bergt

David Beckham beendet seine Fußballer-Karriere. Wird er jetzt etwa Vollzeitpapa, Model oder Frührentner? Ach, uns fallen da noch ein paar andere Sachen ein...

Ein echt fieser Augapfel, ein Harley-Davidson-Skelett, Buddha hat Geburtstag und jede Menge Quallen. Unsere Bilder der Woche.

14 Jahre war Thomas Schaaf Trainer bei Werder Bremen – genug Zeit, seinen trockenen Humor in vielen Interviewantworten unter Beweis zu stellen.

Am Samstag ist es wieder so weit: Im schwedischen Malmö kämpfen 39 Länder um den ersten Platz beim ESC. Wir wissen, auf welche Teilnehmer Sie besonders achten können.


Leserkommentare
03.08.2012 12:33 | Peter
Wer sich über Produktpiraterie aus China aufregt, sollte sich über das Land der unbegrenzten Dummheit weit mehr aufregen. ...
03.08.2012 10:44 | icopy
Soo heilig sind die Apple-Entwürfe doch auch nicht. Auch die haben sich schliesslich "inspirieren" lassen. Siehe Vergleiche ...