Die Zahl der Radler steigt, die Infrastruktur für sie wird aber kaum ausgebaut. Der Senat kennt das Problem: Investieren und Radfahrer schützen will er trotzdem nicht.von Claudius Prösser
In Berlin ist nichts ausgebaut, was Adolf nicht angelegt und die Trümmerfrauen repariert hätten. warum jetzt die Aufregung?
27.07.2012 12:14 Uhr
von Hans Höfer:
Man sollte alle Radwege auf Gehwegen abschaffen und die Kopfsteinpflasterstraßen endlich asphaltieren. Dann wäre aus meiner Sicht als Radfahrer eigentlich alles perfekt in Berlin.
27.07.2012 10:32 Uhr
von Tessy:
Und wer schützt die Fußgänger vor den Radfahrern? Ich wünsche mir auch besser ausgebaute Radwege ... doch frage ich mich:
Würden die Radfahrer, die Verkehrsregeln generell nicht beachten (und sich damit selbst noch ein wenig mehr als die Fußgänger in Gefahr bringen), dadurch weniger? Würden die Unfälle weniger?
Ich wünsche mir Radfahrer, die nicht in geringem Abstand rechts überholen. Radfahrer, die wenigstens klingeln - auch wenn sie auf einer für Radfahrer nicht zugelassenem Pflaster fahren. Radfahrer, die wissen, dass gerade die neueren Räder - ähnlich wie Elektroautos kaum zu hören sind und wenn sie von hinten kommen ... sieht man sie ja nicht mal. Radfahrer, die sich TRAUEN auf der ganz normalen Straße zu fahren. Die Kopfsteinpflaster nicht meiden. Radfahrer, die Fußgänger nicht dazu verleiten zur Seiten springen zu müssen. Etc.pp. (Die überwiegende Zahl der Radfahrer nehmen Rücksicht - auf sich selbst und andere Menschen. Aber die 10 % zirka die es nicht tun ...)
Aber da wir nicht in einer perfekten Welt leben (zum Glück) müssen wohl noch ein paar Rücksichtslose durch Fußgänger, die die Radfahrer nicht sehen oder nicht zur Seite springen wollen "umgelaufen" werden. Der Radfahrer ist hier einem höherem Verletzungsrisiko ausgesetzt.
Und was mich wirklich interessiert: Aus welchem Grunde sind die Rowdies so? Es sind ja nicht nur Männer. Also gilt da mit den "Hormonen" nicht. ;)
27.07.2012 09:10 Uhr
von felix:
Auch in Potsdam ist es schlimm. Nicht die Tatsache, dass Fahrradwege fehlen, sondern das Verhalten der Autofahrer ist schlimm. Wo es keine Radwege gibt und man auf der Strasse fahren muss, z.B. in Wohngebieten, wird man von Autofahrern bedrängt und gefährdet. Nicht wenige Autofahrer manipulieren z.B. ihre Waschdüsen, um damit beim Überholen Fahrradfahrern Scheibenreinigungsflüssigkeit ins Gesicht zu spritzen. Autofahrer versuchen stets möglichst knapp zu überholen und ganz knapp vor dem Fahrrad wieder einzuscheren. Andere Autofahrer überholen wiederum Fahrradfahrer, nur um dann zu Bremsen oder anzuhalten - wie schwachsinnig ist das denn!
Wenn ich selbst mit dem Auto unterwegs bin versuche ich daher Fahrradfahrern den Rücken freizuhalten, fahre mit Sicherheitsabstand hinter ihnen her und hindere nachfolgende Autos an riskanten Überholmanövern.
Die Dummheit von vielen Autofahrern kennt keine Grenzen. In der Rudolf-Breitscheid-Str. gibt es z.B. einen Zebrastreifen von einer Schule oder Kindergarten zur Straßenbahn auf der anderen Strassenseite. Wenn ich dort mit dem Auto anhalte, weil sich Kinder auf dem Zebrastreifen befinden werde ich regelmäßig von nachfolgenden Autofahrern überholt, wodurch sich die Personen auf dem Zebrastreifen nur durch einen beherzten Sprung das Leben retten können.
Vor Kurzem wurde in Potsdam ein Kind getötet. Es wurde nach dem Aussteigen aus einer Tram getötet, weil ein nachfolgender Autofahrer ein Auto überholt hat, das wegen der aussteigenden Fahrgäste angehalten hatte.
Ich denke, dass man heute gesetzlich verpflichtend eine GPS-Steuerung in KFZ einbauen sollte. Per GPS wird der Standort ermittelt und der Motor soll automatisch bei Erreichen der erlaubten Höchstgeschwindigkeit abgeregelt werden. Weiterhin sollten bei Tram-Haltestellen auf der Strasse, Zebrastreifen oder Fußgängerampeln die Motoren der Autos die sich darauf zubewegen per Funk und GPS abgeschaltet und eine elektronische Bremsung eingeleitet werden, wenn der Fahrer nicht von selbst in einem sicheren Abstand anhält.
Die tägliche Erfahrung zeigt, dass die meisten Autofahrer aufgrund eingeschränkter kognitiver Fähigkeiten eben nicht in der Lage sind ein einfaches Schild mit einer erlaubten Höchstgeschwindigkeit zu lesen, zu verstehen und umzusetzen.
Die moderne Technik bietet also viele Möglichkeiten, um die Menschen vor dem Autoverkehr zu schützen. Es ist an der Zeit, dass das auch angewendet wird.
27.07.2012 09:03 Uhr
von Dirk Moebius:
Reclaim the Streets!
Wenn auf den Radwegen kein Platz mehr ist, dann gibt es daneben noch eine wunderbar breite Fahrbahn. Man muss nur die Traute haben, sie zurueckzufordern. Das ist eine Frage der Menge, ganz einfach. Auf der Kastanienallee (bevor sie zur Baustelle wurde) war das ganz gut zu beobachten, auf der Freidrichstrasse oder Unter den Linden ist es auch so. Wenn ur genuegend Radfahrer auf der Strasse sind, dann werden sie auch wahnrgenommen. Und der Autoverkehr passt sich an (was will er sonst auch machen? :-) )
27.07.2012 08:46 Uhr
von Neuköllner:
TAZ, danke für die Artikelserie über Radler, auch wenn's "nur" im Sommerloch ist.
Hier in Nord-Neukölln ist die Situation für Radler eine Katastrophe. Fahradwege gibt es praktisch gar nicht, und wenn es sie gibt, sind es lebensgefährliche Buckelpisten (Weserstraße), die in der Regel von Autos zugeparkt sind. Tempo 30 wird generell ignoriert, nur eine winzige Minderheit der Autofahrer hält sich dran; die Mehrheit der Autofahrer ist extrem aggressiv, private Autorennen auf der Sonnenallee sind keine Seltenheit, ebenso Bleifußattacken testosterongesteuerter Gehirnamputierter auf der Karl-Marx-Straße. Es ist wirklich (lebens-)gefährlich, in Neukölln mit dem Rad unterwegs zu sein. Man wähnt sich manchmal in den 50er Jahren: Auto, Auto über Alles in der Welt!
Leserkommentare
27.07.2012 14:36 Uhr
von Na und?:
In Berlin ist nichts ausgebaut, was Adolf nicht angelegt und die Trümmerfrauen repariert hätten. warum jetzt die Aufregung?
27.07.2012 12:14 Uhr
von Hans Höfer:
Man sollte alle Radwege auf Gehwegen abschaffen und die Kopfsteinpflasterstraßen endlich asphaltieren. Dann wäre aus meiner Sicht als Radfahrer eigentlich alles perfekt in Berlin.
27.07.2012 10:32 Uhr
von Tessy:
Und wer schützt die Fußgänger vor den Radfahrern? Ich wünsche mir auch besser ausgebaute Radwege ... doch frage ich mich:
Würden die Radfahrer, die Verkehrsregeln generell nicht beachten (und sich damit selbst noch ein wenig mehr als die Fußgänger in Gefahr bringen), dadurch weniger? Würden die Unfälle weniger?
Ich wünsche mir Radfahrer, die nicht in geringem Abstand rechts überholen. Radfahrer, die wenigstens klingeln - auch wenn sie auf einer für Radfahrer nicht zugelassenem Pflaster fahren. Radfahrer, die wissen, dass gerade die neueren Räder - ähnlich wie Elektroautos kaum zu hören sind und wenn sie von hinten kommen ... sieht man sie ja nicht mal. Radfahrer, die sich TRAUEN auf der ganz normalen Straße zu fahren. Die Kopfsteinpflaster nicht meiden. Radfahrer, die Fußgänger nicht dazu verleiten zur Seiten springen zu müssen. Etc.pp. (Die überwiegende Zahl der Radfahrer nehmen Rücksicht - auf sich selbst und andere Menschen. Aber die 10 % zirka die es nicht tun ...)
Aber da wir nicht in einer perfekten Welt leben (zum Glück) müssen wohl noch ein paar Rücksichtslose durch Fußgänger, die die Radfahrer nicht sehen oder nicht zur Seite springen wollen "umgelaufen" werden. Der Radfahrer ist hier einem höherem Verletzungsrisiko ausgesetzt.
Und was mich wirklich interessiert: Aus welchem Grunde sind die Rowdies so? Es sind ja nicht nur Männer. Also gilt da mit den "Hormonen" nicht. ;)
27.07.2012 09:10 Uhr
von felix:
Auch in Potsdam ist es schlimm. Nicht die Tatsache, dass Fahrradwege fehlen, sondern das Verhalten der Autofahrer ist schlimm. Wo es keine Radwege gibt und man auf der Strasse fahren muss, z.B. in Wohngebieten, wird man von Autofahrern bedrängt und gefährdet. Nicht wenige Autofahrer manipulieren z.B. ihre Waschdüsen, um damit beim Überholen Fahrradfahrern Scheibenreinigungsflüssigkeit ins Gesicht zu spritzen. Autofahrer versuchen stets möglichst knapp zu überholen und ganz knapp vor dem Fahrrad wieder einzuscheren. Andere Autofahrer überholen wiederum Fahrradfahrer, nur um dann zu Bremsen oder anzuhalten - wie schwachsinnig ist das denn!
Wenn ich selbst mit dem Auto unterwegs bin versuche ich daher Fahrradfahrern den Rücken freizuhalten, fahre mit Sicherheitsabstand hinter ihnen her und hindere nachfolgende Autos an riskanten Überholmanövern.
Die Dummheit von vielen Autofahrern kennt keine Grenzen. In der Rudolf-Breitscheid-Str. gibt es z.B. einen Zebrastreifen von einer Schule oder Kindergarten zur Straßenbahn auf der anderen Strassenseite. Wenn ich dort mit dem Auto anhalte, weil sich Kinder auf dem Zebrastreifen befinden werde ich regelmäßig von nachfolgenden Autofahrern überholt, wodurch sich die Personen auf dem Zebrastreifen nur durch einen beherzten Sprung das Leben retten können.
Vor Kurzem wurde in Potsdam ein Kind getötet. Es wurde nach dem Aussteigen aus einer Tram getötet, weil ein nachfolgender Autofahrer ein Auto überholt hat, das wegen der aussteigenden Fahrgäste angehalten hatte.
Ich denke, dass man heute gesetzlich verpflichtend eine GPS-Steuerung in KFZ einbauen sollte. Per GPS wird der Standort ermittelt und der Motor soll automatisch bei Erreichen der erlaubten Höchstgeschwindigkeit abgeregelt werden. Weiterhin sollten bei Tram-Haltestellen auf der Strasse, Zebrastreifen oder Fußgängerampeln die Motoren der Autos die sich darauf zubewegen per Funk und GPS abgeschaltet und eine elektronische Bremsung eingeleitet werden, wenn der Fahrer nicht von selbst in einem sicheren Abstand anhält.
Die tägliche Erfahrung zeigt, dass die meisten Autofahrer aufgrund eingeschränkter kognitiver Fähigkeiten eben nicht in der Lage sind ein einfaches Schild mit einer erlaubten Höchstgeschwindigkeit zu lesen, zu verstehen und umzusetzen.
Die moderne Technik bietet also viele Möglichkeiten, um die Menschen vor dem Autoverkehr zu schützen. Es ist an der Zeit, dass das auch angewendet wird.
27.07.2012 09:03 Uhr
von Dirk Moebius:
Reclaim the Streets!
Wenn auf den Radwegen kein Platz mehr ist, dann gibt es daneben noch eine wunderbar breite Fahrbahn.
Man muss nur die Traute haben, sie zurueckzufordern. Das ist eine Frage der Menge, ganz einfach. Auf der Kastanienallee (bevor sie zur Baustelle wurde) war das ganz gut zu beobachten, auf der Freidrichstrasse oder Unter den Linden ist es auch so. Wenn ur genuegend Radfahrer auf der Strasse sind, dann werden sie auch wahnrgenommen. Und der Autoverkehr passt sich an (was will er sonst auch machen? :-) )
27.07.2012 08:46 Uhr
von Neuköllner:
TAZ, danke für die Artikelserie über Radler, auch wenn's "nur" im Sommerloch ist.
Hier in Nord-Neukölln ist die Situation für Radler eine Katastrophe. Fahradwege gibt es praktisch gar nicht, und wenn es sie gibt, sind es lebensgefährliche Buckelpisten (Weserstraße), die in der Regel von Autos zugeparkt sind. Tempo 30 wird generell ignoriert, nur eine winzige Minderheit der Autofahrer hält sich dran; die Mehrheit der Autofahrer ist extrem aggressiv, private Autorennen auf der Sonnenallee sind keine Seltenheit, ebenso Bleifußattacken testosterongesteuerter Gehirnamputierter auf der Karl-Marx-Straße. Es ist wirklich (lebens-)gefährlich, in Neukölln mit dem Rad unterwegs zu sein. Man wähnt sich manchmal in den 50er Jahren: Auto, Auto über Alles in der Welt!