Vier israelische Jugendliche schlagen in Westjerusalem auf drei junge Palästinenser ein, andere sehen zu. Einer der Verletzten liegt jetzt auf der Intensivstation. von Susanne Knaul

Die Palästinenser fühlen sich in Israel nicht willkommen. Bild: dapd
JERUSALEM taz | Nur einer hat die Schuld bislang zugegeben. „Von mir aus soll er draufgehen“, sagte der Jugendliche bei der Vorführung vor dem Untersuchungsrichter. Er ist einer von vier minderjährigen Tatverdächtigen und einem 19-Jährigen, die an dem „Lynch“ beteiligt gewesen sein sollen, wie Augenzeugen sagen. Dutzende Jugendliche sollen mitgemacht haben.
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„Für uns ist es ein Fall gewaltsamer Auseinandersetzung“, formulierte Polizeisprecher Micky Rosenfeld am Montag auf Anfrage zurückhaltender. Einer der drei Palästinenser, über die die Menge am Wochenende in Westjerusalem herfiel, wurde bis zur Bewusstlosigkeit mit Schlägen und Fußtritten auf den Kopf malträtiert.
Ein Rettungsteam des Roten Davidsterns, das ihn ohne Atmung und Herzschlag auffand, benötige mehrere Minuten für seine Wiederbelegung. Der junge Mann muss vorerst auf der Intensivstation bleiben. Er kann sich an die Momente vor seiner Bewusstlosigkeit nicht mehr erinnern.
Der Jüngste der Angreifer ist gerade 13 Jahre alt. „Er sagt, er habe nichts getan“, versuchte eine Mutter ihren Sohn zu verteidigen, der „zwar manchmal aufmüpfig“ sei, aber „nicht gewalttätig“.
Auf ihrer Facebook-Seite beschrieb eine junge Zeugin des Überfalls ihre Erlebnisse und Empfindungen. Der junge Palästinenser habe „mit den Augen gerollt“, als er zu Boden fiel, schreibt sie, „sein Kopf war verdreht, und dann rannten die, die ihn getreten hatten, weg“. Die restliche Menge habe sich „mit Hass in den Augen“ in einem Kreis um den Bewusstlosen gestellt. „Ein Jude ist eine Seele, ein Araber ein Hurensohn“, hätten sie gerufen. Dabei hätten die drei Palästinenser niemanden provoziert. „Sie gingen friedlich über die Ben-Yehuda-Straße“, schreibt die Zeugin, die sich fragt, wie es passieren kann, dass „Kinder andere Kinder im gleichen Alter mit eigenen Händen töten“.
Professor Gabi Salomon, Direktor des Zentrums für Friedenserziehung in Haifa, glaubt, dass die „unerträgliche Toleranz“ gegenüber Gewalt in den palästinensischen Gebieten Grund dafür ist. Da sei es „nicht so schlimm, wenn man einem Araber das Auto anzündet“, meinte Salomon gestern gegenüber der Stimme Israels. Auf einmal reagiere die Polizei so schnell. „Wo war sie, als die Moscheen brannten?“
Schwere Brandverletzungen erlitt Ende letzter Woche eine fünfköpfige palästinensische Familie und ihr Fahrer, als bislang Unbekannte einen Molotowcocktail auf das Taxi warfen, mit dem sie in der Nähe von Bethlehem unterwegs waren.
Regierungschef Benjamin Netanjahu verurteilte den Angriff auf das Taxi. Er versprach, die Täter ihrer gerechten Strafe zuzuführen. Nach Ansicht von Salomon müsse die Regierung in Jerusalem klarere Worte gegen die Gewalt finden. „Ich will einen Regierungschef sehen, der offen und hart gegen die Brandstifter vorgeht“, sagt er. Die Verhaftung der jugendlichen Angreifer in Jerusalem macht ihm Hoffnung. „Vielleicht schlägt die Polizei nun eine neue Richtung ein.“
typisch taz, gestern sind raketen aus gaza auf israel abgefeuert worden und die presse berichtet fast gar nicht darüber. ic ...
>> Und wenn sie die Wasserleitungen pflegen würden, die sie von den Israelis übernommen haben, statt Waffen zu kaufen, dann ...
Neuigkeiten aus der 'israeli virtual reality show' der taz-Redaktion: ...
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