Nach der Auslieferung ist der Haftbefehl gegen die 78-jährige Sonja Suder vollstreckt worden, ihr 70-jähriger Lebensgefährte kam ins Vollzugskrankenhaus. von Wolfgang Gast

Hier wohnten Gauger und Suder im französischen Lille. Bild: AP
BERLIN taz | Gegen zwei frühere Mitglieder der "Revolutionären Zellen" (RZ), die am Mitwoch von Frankreich nach Deutschland ausgeliefert wurden, sind die Haftbegfehle aus dem Jahr 2007 vollstreckt worden.
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Die 78 Jahre alte Sonja Suder wurde nach Angaben des Frankfurter Amtsgerichts in die Justizvollzugsanstalt III in Frankfurt gebracht. Der 70 Jahre alte Christian Gauger sei dagegen aus gesundheitlichen Gründen in das Justizvollzugskrankenhaus in Kassel verlegt worden, teilte ein Sprecher am Freitag mit.
Suder und Gauger wurden von den deutschen Fahndungsbehörden seit 1978 wegen Mitgliedschaft in der sozialrevolutionären Stadtguerillagruppe gesucht. Die RZ lösten sich spätestens 1993 auf. Nach über 20 Jahren, in denen sie mit falschen Schweizer Ausweisen im französischen Lille lebten, konnten Suder und Gauger 2000 aufgrund der Angaben eines Kronzeugen in Paris verhaftet werden. Nach wenigen Monaten entschied ein Gericht, dass die vorgeworfenen Taten nach französischem Recht verjährt sind, und ließ sie wieder frei.
Doch die Staatsanwaltschaft in Frankfurt/Main beantragte im Jahr 2007 erneut einen internationalen Haftbefehl. Konkret werden Suder und Gauger zwei Sprengstoffanschläge im Jahr 1977 auf Firmen zur Last gelegt, die dem damaligen Apartheidstaat Südafrika bei der Entwicklung einer eigenen Atombombe halfen. Gegen Suder wird außerdem wegen einer angeblichen Beteiligung in der Vorbereitung an dem Überfall auf die Wiener Opec-Konferenz 1975 ermittelt. Sie soll für den Überfall, bei dem unter Führung des Venezolanres "Carlos" drei Menschen getötet und rund 90 als Geiseln genommen wurden, da RAZ-Mitglied Hans-Joachim Klein rekrutiert haben. Klein war für das Attentat zu neun Jahren Haft verurteilt und 2009 begnadigt worden.
Im Sommer 1978 bemerkten Sonja Suder und Christian Gauger in Frankfurt, dass sie beschattet werden. Sie setzen sich ins Ausland ab und nahmen eine falsche Identität an. 1997 erlitt Gauger einen Schlaganfall und verlor seine Erinnerung - an die falsche und an die wahre Identität.
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