Der Berliner Sender Radioeins bringt den Hörfunk zwei Stunden live auf die Theaterbühne. Die Nachrichten werden direkt vom Publikum kommentiert.von Jürn Kruse

Radio jetzt auf der Theaterbühne: Die „Radio Show“ vom RBB. Bild: rbb/Thomas Ecke
BERLIN taz | „Es ist 19 Uhr und wir schalten live zu den Nachrichten in den Heimathafen.“ Die Stimme muss irgendwo aus Potsdam kommen. Es wird für die kommenden zwei Stunden dieses Freitags das letzte Wort sein, das Radioeins vom RBB nicht „live und mundgemacht“ aus dem Saal des Heimathafens in Berlin-Neukölln sendet.
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Dann steht Claudia Jakobshagen im schwarzen Kleid auf der Bühne und liest die Nachrichten von einer großen, runden Globus-Karte ab: Peer Steinbrück, Kurt Beck, Volksbegehren für ein Nachtflugverbot – und zum Schluss: Mercedes trennt sich von Michael Schumacher. Ein hämisches „Oooh“ rollt durch den Saal. Ernsthaft vorgetragene, aber vom Publikum kommentierte Nachrichten. Großartig.
Und schon beginnt die „Radioeins Radio Show“. 120 Minuten Radio von Hand gemacht: Alle Jingles spielt eine Zweimannband. Wetter, Verkehr, Nachrichten, Ansagen, alles live. Die Werbung führen Moderatorin und Programmleiterin Britta Steffenhagen sowie DJ P.R. Kantate auf. 30 Prozent auf das Sortiment beim Verleiher Gas & More hören sich dann so an: „Haben Sie was zu schweißen? Gas and more, damit können Sie was reißen. 30 Prozent, das will was heißen.“
Dazwischen rappen Shaban & Käptn Peng intelligent und außergewöhnlich gut, die Berliner Größe Fil spielt Gitarre und singt, Stefan Kaminski führt ein Live-Hörspiel auf – mit den Füßen im Kiesbett, um die Laufgeräusche zu imitieren, und dem Mund am Mikro für die diversen Rollen, die er spricht.
Die „Radio Show“ war in diesem Jahr für den Radiopreis nominiert als beste Innovation. Gewonnen hat sie ihn nicht. Hingehen sollte man trotzdem. Allein aus dem Grund, dass man während der Show schnell mal Getränke holen kann. Sieht ja keiner. Ist ja Radio. Dafür würde man bei „Wetten, dass..?“ vermutlich erschossen.
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