Weil die Chemikalienbelastung von wasserdichter Kleidung am Image kratzen würde, lassen Outdoor-Hersteller die Ergebnisse in einer UBA-Studie schwärzen.von Thomas Block

Winddichte und atmungsaktive Kleidung gibt es auch ohne die schädlichen flourierten Chemikalien. Bild: dpa
BERLIN taz | Irgendwie passten die Ergebnisse dann doch nicht ins Firmenbild. Die Unternehmen The North Face, Schöffel, Vaude und HKM Textil versuchten deshalb die Herausgabe von brisanten Daten über schädliche Chemikalien in ihren Produkten zu verhindern – mit mäßigem Erfolg.
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In dem von Greenpeace veröffentlichten Zwischenbericht einer Studie des Umweltbundesamtes (UBA) über die Verbreitung von per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) listet die Behörde die Werte von insgesamt 15 Produkten auf. Bei den Namen der genannten Hersteller verdeckt nun ein schwarzer Balken die Ergebnisse.
„In der Form haben wir das nicht erwartet“, sagt Hilke Patzwall, Umweltbeauftragte von Vaude. Ihr Unternehmen hat die Daten inzwischen veröffentlicht und einen Fehler eingeräumt.
Das Produkt aus der Kollektion des Jahres 2007 sei nicht mehr repräsentativ für das Unternehmen, weshalb man eine Veröffentlichung ursprünglich verhindern wollte.
Etwas zurückhaltender gibt man sich bei Schöffel. Die Veröffentlichung sei „unglücklich gelaufen“ und „vielleicht falsch“, sagt Pressesprecherin Ilka von Goerne. Man dürfe den Fokus aber nicht auf einzelne Firmen lenken: „Es ist unumstritten, dass PFC überall drin ist. Jetzt darf es nicht darum gehen, jemanden anzuschwärzen.“
Eine nachträgliche Veröffentlichung sei nicht vorgesehen. Die Hersteller The North Face und HKM meldeten sich auf eine Anfrage der taz nicht zurück.
Möglich ist das Schwärzen von Ergebnissen durch eine Lücke im Umweltinformationsgesetz (UIG). „Der Zwischenbericht wurde auf ausdrückliche Anfrage von Greenpeace nach dem UIG angefordert“, sagt Lena Vierke vom UBA.
Bei einer solchen Anfrage sei man verpflichtet zu prüfen, bei welchen Daten es sich um ein Geschäftsgeheimnis handelt. Das nutzten die Hersteller, um die PFC-Werte ihrer Produkte zurückzuhalten.
„Die Unternehmen machen den Schadstoffgehalt ihrer Produkte zum Betriebsgeheimnis“, kritisiert Manfred Santen von Greenpeace. Auch im finalen Bericht, der im Mai erscheinen wird, werden die fehlenden Produktwerte nicht veröffentlicht.
In der Studie soll es laut UBA um die Verbreitung von PFC in der Umwelt gehen, nicht um die Werte einzelner Produkte. „Wir haben kein Interesse daran, Marken zu nennen“, sagt Lena Vierke.
Dieses Interesse hat Greenpeace hingegen schon. Schließlich müssten Verbraucher über Risiko-Chemikalien in ihrer Kleidung informiert werden. Die Organisation fordert zum Kauf von fluorfreien Alternativen auf.
„Auch diese Kleidung ist winddicht, atmungsaktiv und hält einem Wolkenbruch stand.“
Der neue Entwurf für das Endlagersuchgesetz könnte die Prüfung von bis zu fünf Standorten vorsehen. Gorleben bleibt dabei als Atommüllhalde im Rennen.

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Leserkommentare
06.02.2013 10:01 | Horst Starke
Wozu? ...
06.02.2013 06:43 | arribert
Leider gehöre ich nicht zur Latte M-Schickeria vom Prenzlauer, gibt es also auch Marken die ich mir leisten kann? Bei Klätt ...
05.02.2013 21:05 | Shlomo
Klättermusen verzichtet bei Bekleidung seit langem auf PFC, wenn ich das hier mal so schreiben darf.