Der Vorwurf gezielter Segregation hatte den Schulbeginn an der Kreuzberger Lenau-Schule überschattet. Nun stellen sich viele Eltern mit einem offenen Brief hinter die Schulleitungvon Ebru Tasdemir
Die Kreuzberger Lenau-Grundschule kommt nicht zur Ruhe: In einem offenen Brief haben rund hundert Eltern gegen „groteske“ Rassismusvorwürfe protestiert, die ihnen und der Schulleitung gemacht worden waren. Die Behauptung, an der Lenau-Schule würden Kinder aus Migrationsfamilien ausgegrenzt, habe man „als besonders ungerecht empfunden“, heißt es in dem Schreiben. Kritisiert wird darüber hinaus der „fehlende Beistand für Schule und Eltern seitens der Politik und der Verwaltung“.
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„Völlig aus der Luft gegriffen“ seien die Vorwürfe einiger migrantischer Eltern, sagt Aydan Yeyin, Elternsprecherin und Unterzeichnerin des offenen Briefes. „Ich kann schon erkennen, was Rassismus ist und was nicht“, so Yeyin. Der Lenau-Schule, die sich sehr für Integration und den Erhalt der „Kreuzberger Mischung“ engagiere, solch einen Vorwurf zu machen sei „absurd“.
Hintergrund des Konflikts: eine Lerngruppe, in die nur Kinder mit der Herkunftssprache Deutsch eingeteilt worden waren. Auch die Tochter von Nils Thamling gehörte anfangs zur A 3, der „deutschen Klasse“, wie sie einige Eltern mit Migrationshintergrund vorwurfsvoll nannten. Thamling, der den Brief ebenfalls unterzeichnet hat, fiel schon beim ersten Elternabend auf, dass die Zusammensetzung der Elternschaft dieser Klasse „komisch“ war, weil kaum migrantische Eltern anwesend waren. Ihn trifft der Vorwurf des Rassismus: „Wir leben und arbeiten hier im Kiez, deshalb gehen auch unsere Kinder hier zur Schule“, sagt er. Seine Tochter war dann eines von zehn Kindern, die kurz nach Schuljahresbeginn in die A 6 wechselten, in die erst nur migrantische Kinder gingen. „Die Kinder stecken das besser weg als die Erwachsenen“, sagt Thamling und hofft, dass sich der mühsam erarbeitete Frieden an der Schule hält.
Während Rektorin Karola Klawuhn sich über den Rückhalt der Eltern freut, meint der grüne Bezirkspolitiker Wolfgang Lenk, es nütze nichts, „ein schulinternes Thema an die Öffentlichkeit zu zerren“. Lenk verspricht Hilfe in Form von Fortbildungen für die Lehrer sowie Gesprächsangeboten für die Eltern.
In Reaktion auf den offenen Brief will Bildungsstaatssekretär Mark Rackles heute die Schule besuchen, morgen befasst sich der Schulausschuss von Friedrichshain-Kreuzberg mit dem Konflikt. Geplant ist auch eine öffentliche Veranstaltung mit den bildungspolitischen Sprechern aller Parteien.
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Leserkommentare
16.10.2012 21:10 | zombie1969
Die Reichen haben ihre Kinder ohnehin an Privatschulen und daher interessiert dieses Problem wenig bis gar nicht. Und die K ...