Schweiger zeigt Film in Afghanistan

Toller Typ, dieser Til

Alleskönner Til Schweiger fliegt nach Afghanistan, zeigt den Bundeswehrsoldaten seinen neuen Film „Schutzengel" – und wirbt dann mit deren Lob.

Szene aus dem Trailer: Werbende Pappnasen und Til Schweiger.   Bild: Screenshot youtube.com

Da draußen ist Krieg, jede Patrouillenfahrt birgt Lebensgefahr. Es ist heiß, manchmal zeigt das Thermometer mehr als 45 Grad an. Und zu Hause reden die Öffentlichkeit und mittlerweile auch die meisten Politiker deinen Einsatz auch noch schlecht. Der Job als Bundeswehrsoldat oder -soldatin in Afghanistan ist mies. Ganz mies.

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Gut, dass da mal einer kommt und für ein bisschen Abwechslung sorgt: Til Schweiger. Der Mann, der Gefühls- und Actionkino mit nur einem Gesichtsausdruck verbinden kann, flog runter zum deutschen Stützpunkt nach Masar-i-Scharif und spielte den Kameraden vorab seinen neuen Kinofilm „Schutzengel“ vor.

Ein toller Typ, dieser Til. Unsere Jungs und Mädels an der Front waren ganz gerührt von dem Streifen, in dem Schweiger einen ehemaligen KSK-Soldaten spielt, der im Krieg so einiges mitgemacht hat und nun daheim ein Mädchen vor Killern beschützen soll oder will oder muss oder so ähnlich. Und die Soldaten erzählten, was sie von dem ihnen nahegehenden Stoff hielten. „Hier musste ich mich echt zusammenreißen, nicht vor meinen Kameraden zu weinen“, sagte beispielsweise eine Soldatin. Ganz naiv. Und wohl auch ehrlich.

Doch was machen Schweiger und die Bundeswehr daraus? Werbung. Die Statements bilden den Hauptteil eines Trailers für den bald auch hierzulande startenden Kinofilm. Die Soldaten sollen davon gewusst haben, dass ihre Aussagen dafür genutzt würden. Doch suggeriert werden sollen dem Zuschauer im Kinosessel nur zwei Werbebotschaften: Der Film ist voll realistisch, und der Film verbindet Gefühl und Action, wie es nur der Til kann – und wie man sie bei der deutschen Armee findet.

Dass dabei die eigenen Kameraden zu werbenden Pappnasen degradiert werden, scheint Bundeswehr und Schweiger egal zu sein.

Da wünscht man sich doch ein bisschen echte Anteilnahme für die Soldaten. Ganz ohne kommerzielle Hintergedanken.

 
31. 08. 2012

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