Schwimmen in Hamburg

Streit ums Freibad

In Hamburg-Rahlstedt kämpfen Bürger um ihr Freibad. Der Senat hat dem Bezirk die Entscheidung entzogen, um Wohnungen bauen zu können.

Eine historische Aufnahme des Freibads am Wiesenredder.

Als noch nicht jeder nach Mallorca flog: das Freibad am Wiesenredder im Jahr 1966 Foto: privat / Wolfgang Trede

HAMBURG taz | Eigentlich haben die Rahlstedter Grund zur Freude: Das Hallenbad an der Bahnhofsstraße wird renoviert und ausgebaut. Zehn Millionen Euro will der Senat dort bis 2020 investieren. Ein beheiztes Freibad soll angebaut und die Badefläche verdoppelt werden. Schwimmvereine sollen ihre Trainingsflächen bekommen, Kinder einen Wasserspielplatz.

Doch der Ausbau des Hallenbades bedeutet die Schließung des Freibades am Wiesenredder. Für viele ist das Freibad aber ein günstiges und nahes Freizeitangebot in einem Naherholungsgebiet. Ohne eine Beteiligung der Bezirksversammlung Wandsbek wurde nun der Umbau von der Senatskommission für Stadtentwicklung und Wohnungsbau beschlossen.

Eine Bürgerinitiative für die Erhaltung des Badeorts wurde vom Bezirksamt gestoppt, mit dem Verweis, dass die Initiative nicht vereinbar sei mit der Anweisung des Senats. Eine Petition, die sich für den Erhalt des Freibades einsetzt, hat bereits mehr als 2.000 Unterschriften, aber wenig Aussicht auf Erfolg. „Bindenden Charakter hat die Petition nicht mehr“, sagt Julian Georg, Fraktionsvorsitzender der Linken in der Wandsbeker Bezirksversammlung.

Für Wolfgang Trede, der die Bürgerinitiatve und die Petition mit initiiert hat, ist die Bebauung des Schwimmbad-Geländes ein weiterer Schritt beim „Zupflastern des Stadtrandes“. Es liege in einer wichtigen Kaltluftschneise. „Wenn das Freibad fällt, fällt auch die gegenüberliegende Ponywiese“, warnt er. Die große Liegewiese sei zudem wichtig für die weniger gut betuchte Bevölkerung Großlohes. „Das ist die letzte grüne Fläche, wo man ohne zu verreisen Urlaub machen kann“, sagt er.

Für die Initiative ist die Bebauung des Schwimmbades das Zupflastern des Stadtrandes

Wie Trede kritisiert Linken-Fraktionschef Georg das Verfahren als „undemokratisch“. Die Bezirksversammlung muss die Weisung umsetzen, auch wenn es nicht ihre Mehrheitsmeinung war, das Freibad zu schließen. „Wenn wir so weitermachen, können wir die Bezirke auch gleich ganz abschaffen“, findet Georg.

Dabei wäre es möglich gewesen, den Bezirk in die Planungen einzubeziehen. Bereits 2016 zeigte sich die Bezirksversammlung offen für einen Ausbau des Hallenbads – die Schließung des Freibades war da allerdings noch kein Thema. Die Bäderland Hamburg, die sich als städtisches Unternehmen um die Bäder kümmert, wurde aufgefordert, öffentlich und ergebnisoffen zu planen und „mit der Rahlstedter Bevölkerung in den Dialog zu treten“.

Doch nun wurde alles Relevante ohne die Beteiligung der Bürger beschlossen. Am Wiesenredder sind auf dem Gelände des Freibades bis zu 150 neue Wohnungen geplant. Außerdem soll der Bachverlauf der Stellau renaturiert werden.

Ökonomische Gründe

Senat und Bäderland nennen vor allem ökonomische Gründe für die Schließung. „In seiner jetzigen Funktion ist das Freibad am Wiesenredder nicht mehr tragfähig“, sagt Björn Marzahn von der Behörde für Umwelt und Energie. Letztes Jahr besuchten nach Auskunft von Bäderland weniger als 11.000 Gäste das Freibad. Es ist ein hamburgweiter Trend: Von ungefähr zwei Millionen Freibadbesuchern pro Jahr in den Achtzigern blieben 2017 nur 85.000 Besucher übrig. „Öffentliche Bäder kann man nicht gewinnbringend führen“, sagt Michael Dietel, Pressesprecher von Bäderland.

Ein großes Manko des Freibads am Wiesenredder ist die kurze Phase, in der das Bad offen sein kann. Da das Becken unbeheizt ist, kann nur ein Betrieb in den Sommermonaten gewährleistet werden. Die Idee der CDU-Fraktion, das Schwimmbecken mit Fernwärme, die unter dem Grundstück entlang geleitet wird, zu heizen, wurde verworfen.

Beheiztes Außenbecken

Der Neubau an der Bahnhofsstraße wird ein beheiztes Außenbecken haben und somit ganzjährig offen sein. Weitere Vorteile sind laut Michael Dietel die zentrale Lage zweieinhalb Kilometer weiter in der Stadt, ein größerer Einzugsbereich und mehr Möglichkeiten für Sportvereine. Für die Sommerferien soll außerdem der Eintrittspreis gesenkt werden, sodass es keinen Unterschied zum alten Freibad gibt.

Ob die Vorteile allerdings ausreichen, um die von oben bestimmte Planung zu akzeptieren, ist offen. „Wir haben in der Fraktion noch keine abgestimmte Meinung, aber das Verfahren ist nicht gut“, resümiert Julian Georg.

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